
In der Intralogistik geht es um kurze Durchlaufzeiten, hohe Prozesssicherheit und flexible Materialflüsse. Statt einzelner Insellösungen sind heute Systeme gefragt, die Lager, Sägen, Handling und Anarbeitung intelligent miteinander verbinden. Welches Potenzial in smarter Logistik steckt, weiß der Lager-, Säge- und Handhabungstechnik-Spezialist Kasto. Das Unternehmen aus Achern ist durch seine Technologien für sämtliche Prozesse im Lager sowie für die Logistik- und Bearbeitungsschritte davor und danach bekannt. So sind beispielsweise Bandsägen der Serie Kasto Tec oder die Kreissäge Kasto Variospeed aus dem Alltag vieler Metallverarbeiter nicht mehr wegzudenken. „Sägen bedeutet heute weit mehr als einfach nur ein Stück Metall zu trennen. Das ist ein wichtiger Schritt, der meist am Anfang einer Prozesskette steht“, erläutert Sönke Krebber, Mitglied der Geschäftsleitung bei Kasto.
Automatisch palettieren und kommissionieren
Oft genügt die Säge allein nicht mehr den Prozessen der Metallverarbeiter. Sie müssen kleine Losgrößen fertigen, die Anarbeitung samt Folgeprozessen soll im Paket mit enthalten sein, gleichzeitig dürfen die Personalkosten nicht steigen. Die Unternehmen denken um: Sie planen entweder direkt ein automatisiertes Handling an der Säge ein oder rüsten bestehende Anlagen nach. Kasto unterstützt seine Kunden bei der vollautomatischen Abfuhr, Nachbearbeitung, Sortierung und Palettierung mit dem Roboterhandlingsystem Kasto Sort.
Volker Bühler, Teamleiter Robotik bei Kasto, sieht den größten Nutzen in der flexiblen Einbindung unterschiedlicher Folgeprozesse: „Mit Kasto Sort haben wir eine effiziente Lösung in unserem Portfolio, die dem Anwender ein ganzheitliches Konzept bietet.“ Das Roboterhandlingsystem be- und entlädt Maschinen und fahrerlose Transportsysteme, bindet aber auch Entgraten, Anfasen, Wiegen, Längenmessung, Markieren, Etikettieren, Absaugen und Spänereinigung mit ein.
Das System Kasto Sort nutzt Industrieroboter von ABB, Lineareinheiten von Güdel und basiert auf einer dezentral selbstorganisierten Programmlogik. Dadurch ist weder ein Teach-in erforderlich noch muss der Anwender programmieren. Alle benötigten Informationen erhält das System durch die Kommunikation mit dem ERP-System im Unternehmen oder den vor- und nachfolgenden Maschinen. Dies sichert die Flexibilität und ermöglicht das Handling unterschiedlicher Dimensionen. Volker Bühler erklärt: „Wir decken eine enorme Vielfalt ab – die Roboter können sowohl kleine Teile greifen als auch sehr schwere Stangen ohne Zutun des Bedieners handhaben.“
Handlingkompetenz entlang der gesamten Prozesskette
Neben Kasto Sort für die roboterbasierte Absortierung und Prozessverkettung bietet Kasto weitere Lösungen für die automatisierte Materialbereitstellung, Vereinzelung und Zuführung. Dazu gehören unter anderem Kasto Pick Bar und Kasto Pick Split für die Stabvereinzelung aus Lagerkassetten beziehungsweise aus Unitop- und Unicompact-Wabenlagersystemen, Kasto Pick Sawcell für die Verbindung von Langgutlager und Säge sowie Kasto Pick Sheet für die Handhabung von Blech. Ergänzend unterstützt Kasto Pick Select die strukturierte Entnahme und Kommissionierung von Langgut im Lagerumfeld. Damit zeigt Kasto seine Handlingkompetenz entlang der gesamten Prozesskette – von der Lagerentnahme über die Zuführung bis zur sortierten Ablage nach dem Sägeschnitt.
Individuelle Konzepte
Je nach Auftrag wird ein optimiertes Stapelbild hoher Packdichte in den Ablagebehältern berechnet. Der Roboter ist in der Lage, diesen Stapel sauber und ordentlich automatisch an den Gegenstand anzupassen, der eingelagert wird. Auch Greifer und Greifkonzepte fördern Packdichte und Ablaufsicherheit. Diese zupackenden Helfer entwickelt Kasto individuell – das können Vakuumsauger, mechanische oder Magnetgreifer sein. Software und Elektrokonstruktion stammen ebenfalls von den Ingenieuren aus Achern. Aber auch Wechselstationen, Palettenaufnahmen und Systeme zur Spänebeseitigung sucht das Team rund um Volker Bühler passend zur Anwendung aus.
Die Vorteile des Roboterhandlings mit Kasto Sort überzeugen: Der Anwender arbeitet wirtschaftlicher, erhöht seine Maschinenauslastung und die Standzeiten seiner Werkzeuge durch intelligente und damit flexible Programmabläufe. Wird im Bearbeitungszentrum etwas verändert, kann er darauf flexibel reagieren. Das verbessert die Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht den Mitarbeitern, sich auf anspruchsvollere Aufgaben zu konzentrieren. „Wer in Automation investiert, senkt seine Betriebskosten erheblich“, resümiert Volker Bühler. „Ein Kasto Sort-System kann sich im Vergleich zu einem manuell betriebenen System im Dreischichtbetrieb bereits nach neun Monaten rechnen.“
Erfolgreich im Einsatz
Mehr als 100 Anwender arbeiten bereits mit dem Roboterhandlingsystem Kasto Sort. Einige Kunden wollten mehrere Sägen automatisieren. Zwischen den beiden Sägen verfährt jetzt ein Industrieroboter auf Linearachsen. Dieser ist mit mehreren wechselbaren Magnetgreifern ausgestattet, um die unterschiedlichen Werkstücke von der Materialabfuhr der Sägemaschinen aufzunehmen. Bis zu 350kg kann der Arm des Roboters mühelos heben. Entlang der Linearachse sind insgesamt 18 Stellplätze für Paletten und Behälter aufgereiht. Die Position der verschiedenen Ladungsträger ist in der Steuerung des Roboters hinterlegt – so kann er jedes Teil präzise und sanft auf dem dafür vorgesehenen Platz ablegen. Anschließend transportieren Mitarbeiter die gesägten Abschnitte per Stapler oder Hubwagen zur nächsten Station, fahrerlose Transportsysteme (FTS/AGV) wurden ebenfalls bereits mehrfach eingebunden und können nachgerüstet werden.
Bei einem weiteren Anwender ist an die Säge ein Industrieroboter angebunden, der die fertigen Abschnitte mithilfe verschiedener Greifer automatisch aus dem Arbeitsbereich der Maschine entnimmt, entgratet und auftragsbezogen sortiert. Abgelegt werden die Teile in unterschiedlich große, durch seine Kunden vorgegebene Karton- und Kunststoffboxen, die ebenfalls maschinell bereitgestellt werden. Kasto hat hier eine ganz besondere Lösung entwickelt: Ein Behälterkarussell mit acht Palettenplätzen, auf denen der Roboter die jeweiligen Boxen selbstständig platzieren und befüllen kann. Über abschüssige Rollenbahnen gelangen die Karton- und Kunststoffboxen in jeweils sechs verschiedenen Größen in den Arbeitsbereich des Roboters. Die Steuerung des Sägezentrums ermittelt anhand der Auftragsdaten den für die jeweiligen Werkstücke geeigneten Behälter, den der Roboter anschließend mithilfe eines Saugers auf der bereitstehenden Palette platziert. Während die Abschnitte gesägt und gestapelt werden, erstellt ein Drucker parallel ein Versandetikett für den aktuellen Auftrag. Dieses legt der Roboter ebenfalls per Sauger in der dazugehörigen Box ab. Ist eine Palette komplett befüllt, rotiert das Karussell einen Platz weiter, sodass ein neuer Ladungsträger zur Verfügung steht. Mit dem Hubwagen oder dem Stapler transportieren die Mitarbeiter die Paletten mit der vorkonfektionierten Ware anschließend zum Versand.
Alles aus einer Hand
Beide Anwender sind begeistert von den positiven Veränderungen, die in ihrer Fertigung nicht zu übersehen sind. Und vor allem die Mitarbeiter freuen sich über die große Entlastung durch den neuen mechanischen Kollegen. Das Roboterhandlingsystem Kasto Sort ist aber nur ein Beweis für die hohe Automatisierungs- und Anarbeitungs-Kompetenz der Kasto-Ingenieure. Mit der integrierten Absortierlösung Kasto Sort Tower steht deutlich mehr Lagerfläche auf kleinerem Raum zur Verfügung. Dieses vollautomatisierte System ermöglicht einen mannlosen 24/7-Betrieb.
Sönke Krebber ergänzt: „Unsere einzelnen Produkte lassen sich zu einem Gesamtsystem verbinden. Damit können wir den Kunden bei seiner kompletten Prozesskette unterstützen und ihm aus einer Hand die Lösung für die Anarbeitung vom Stabstahl bis zum abholbereiten Sägeabschnitt in der Kiste liefern.“

















