
Mit dem ETV 4i rundet Jungheinrich seine neue Schubmaststaplergeneration mit dem Spitzenmodell ab: ein Fahrzeug für intensive Mehrschichtanwendungen, das nach Unternehmensangaben im VDI-Zyklus eine bislang unerreichte Umschlagleistung erreicht. Möglich machen das ein neues Hydraulikkonzept, verdoppelte Hub- und Senkgeschwindigkeiten sowie Assistenzsysteme für das Arbeiten in großen Höhen. 70 Jahre nach dem ersten Schubmaststapler ‚Ameise Retrak‘ unterstreicht Jungheinrich mit dem ETV 4i seine ungebrochene Innovationsfähigkeit.
Technische Innovation für mehr Umschlagsleistung
Wenn Schubmaststapler in zwei oder drei voll ausgelasteten Schichten nahezu ohne Pause arbeiten, lässt sich zusätzlicher Umschlag meist nur mit mehr Personal, weiteren Fahrzeugen oder veränderten Prozessen erzielen. Oder mit technischer Innovation. Mit dem ETV 4i setzt Jungheinrich hier an, vor allem am Hubgerüst: Lifting PRO verdoppelt die Hubgeschwindigkeit auf bis zu 1,6m/s ohne Last, Lowering PRO die Senkgeschwindigkeit auf bis zu 1,2m/s, Reach PRO beschleunigt den Mastvorschub.
Mit dem ETV 4i, der Tragfähigkeiten von 1.400 bis 2.500kg und Hubhöhen bis 14m abdeckt, ist das Schubmaststaplerportfolio von Jungheinrich nun komplett. Für jedes Einsatzszenario steht ein passendes Modell bereit. Die Aufteilung in die Baureihen 2i, 3i und 4i entstand nicht entlang theoretischer Annahmen, sondern aus Betriebsdaten und der Erfahrung von Anwendern und Vertrieb. Rund 30.000 Schubmaststapler von Jungheinrich sind inzwischen mit Telematikboxen ausgestattet und erfassen unter anderem Energieverbrauch, Einsatzintensität und Betriebsstunden. Im Vorfeld der Entwicklung der neuen Schubmaststapler Baureihen wertete Jungheinrich die aggregierten Daten aus. Dabei zeigte sich zum einen, dass Unternehmen an vielen Standorten Schubmaststapler einsetzen, deren mögliche Perfomance die individuellen Anforderungen übersteigt. Bislang fehlte hier jedoch eine besser passende Alternative. Zum anderen gab es eine beachtliche Anzahl an Unternehmen, die von einer noch höheren Leistung profitieren würden. Jungheinrich überführte diese Erkenntnisse in drei klar unterscheidbare Nutzungsprofile und richtete das Schubmaststaplerportfolio an ihnen aus.
Vom Einsatzprofil zur passenden Baureihe
Den Anfang machte im September 2024 der auf Wirtschaftlichkeit getrimmte ETV 2i mit Tragfähigkeiten von 1,4 bis 1,6t für leichte bis mittlere Einschichtanwendungen, beispielsweise zur Bereitstellung von Paletten zur Kommissionierung, und einem Fahrerplatz, der auf häufiges Auf- und Absteigen ausgelegt ist. Im Februar 2025 folgte der auf Produktivität fokussierte ETV 3i, der mit Tragfähigkeiten bis 2,5t mittlere bis hohe Einsatzintensitäten abdeckt.
Der ETV 4i vervollständigt das Portfolio nun für besonders hohe Umschlaganforderungen, beispielsweise in Distributionszentren oder der Produktionsversorgung im Dreischicht-Betrieb Das Prinzip hinter der Portfolio-Gestaltung ist einfach: Nicht jede Anwendung benötigt die höchste Leistung. Dort, wo Hubhöhe, Betriebsdauer und Taktzahl sie erfordern, soll sie jedoch verfügbar sein.
Zentraler Grundgedanke ist damit, dass die Eigenschaften des Fahrzeugs sich an den tatsächlichen Anforderungen orientieren. Und genau dies brachte den Schubmaststapler vor 70 Jahren nach Deutschland und Europa.
Eine Idee aus den USA für europäische Lager
Mitte der 1950er-Jahre wurden Lagerflächen knapp und teuer. Unternehmen rückten ihre Regale enger zusammen. Während konventionelle Vierradstapler viel Rangierraum beanspruchten, erkannte Friedrich Jungheinrich das Potenzial einer Idee aus den USA, die dort zwar erprobt, aber nicht konsequent weiterentwickelt worden war: Fahrzeuge, deren Hubmast sich vor- und zurückschieben ließ. Er griff dieses Prinzip auf und entwickelte daraus ein serienreifes Fahrzeug für Deutschland und Europa.
1956 lieferte Jungheinrich die ersten Schubmaststapler unter dem Namen ‚Ameise Retrak‘ aus. Schon die frühen Modelle mit einer Tonne Tragfähigkeit ermöglichten durch schmalere Arbeitsgänge bis zu 30 Prozent Raumgewinn. Ein Werbeslogan von 1957 brachte das damalige Nutzenversprechen auf den Punkt: ‚Retrak-Rationalisierung heißt: größtmögliche Ausnutzung Ihrer Hallenflächen durch enge Gänge und hohe Stapelhöhen.‘ Die Segmented Transfer Plates schließen die Lücken der Übergabestellen Ihrer Bandförderanlage. Durch einfache Montage sorgen sie für sichere Übergänge, verhindern Staus und Verluste und erhöhen Ihre Betriebssicherheit. ‣ weiterlesen
Weniger Verlust. Höhere Sicherheit.
Lücken sicher überbrücken – mit den Lösungen von Flexco
Der Schubmaststapler entwickelte sich rasch weiter. Früh kamen Ausführungen mit Fahrerquersitz und Breitspurvarianten hinzu, bei denen sich die Palette zwischen die Radarme zurückziehen ließ. 1968 wurde dieses Prinzip zur Grundlage einer neuen Fahrzeuggattung: Jungheinrich entwickelte mit dem ETX den ersten Hochregal- und Schmalgangstapler des Unternehmens. Später folgten patentierte Lösungen wie der zentrale Bedienhebel Multi-Pilot 1995, Nutzsenken und Mastvorschubdämpfung 1996 oder die Drehstromtechnik für Fahren und Heben 1999.
Integrierte Lithium-Ionen-Batterie schafft Bauraum
Über Jahrzehnte bestimmte vor allem die Blei-Säure-Batterie im genormten Trog die Fahrzeugarchitektur. Sie musste für Belüftung, Wartung und Batteriewechsel zugänglich bleiben. Erst die kompakteren Lithium-Ionen-Module eröffneten neue konstruktive Freiheiten.
Auf der Logimat 2018 präsentierte Jungheinrich mit dem ETV 216i den weltweit ersten Schubmaststapler mit serienmäßig fest verbauter Lithium-Ionen-Batterie. Weil der klassische Batterietrog entfiel, konnte das Fahrzeug stärker um den Arbeitsplatz herum konstruiert werden. Mehr Beinfreiheit, eine mit dem Sitz mitschwingende Armlehne und freie Sicht auf Radarme und Last waren direkte Folgen dieser neuen Architektur. Sie bildet auch die Basis der aktuellen ETV-i-Familie.
Zwei Pumpen für mehr Hubleistung
Beim ETV 4i liegt der entscheidende Produktivitätshebel nicht in der Fahrgeschwindigkeit. Viele Betriebe begrenzen sie im Lager aus Sicherheitsgründen ohnehin. Jungheinrich konzentrierte sich deshalb darauf, die Umschlagsleistung zu erhöhen – erreicht werden konnte dies durch ein verbessertes Hydraulikkonzept.
„Noch schneller zu fahren ist in den meisten Lagern nicht sinnvoll möglich, also musste der Zeitgewinn woanders herkommen“, sagt Henning Rust, Produktmanager Schubmaststapler bei Jungheinrich. „Bei Hubhöhen über zwölf Meter entscheidet ohnehin nicht die Fahrstrecke über die Schichtleistung, sondern das, was am Regal passiert.“
Für die zusätzliche Hubleistung arbeiten im neuen ETV 4i zwei Hubaggregate mit jeweils eigenem Umrichter zusammen. Eine Innenzahnradpumpe versorgt die Nebenfunktionen und übernimmt den Hub bei niedrigen Geschwindigkeiten. Eine schrägverzahnte Außenzahnradpumpe kommt ausschließlich beim Heben zum Einsatz. Sie schaltet sich bereits ab etwa 30 Prozent der maximalen Hubgeschwindigkeit zu und arbeitet gezielt in einem für diesen Pumpentyp günstigen Drehzahlbereich. Je nach Betriebspunkt ist eine Pumpe aktiv oder beide arbeiten parallel. Eine eigens entwickelte Regelung hält den Volumenstrom beim Umschalten konstant, sodass die Fahrer den Wechsel nicht wahrnehmen.
Für das zweite Hubaggregat war im bestehenden Layout kein Platz. Weil der ETV 4i die Plattform des ETV 3i nutzt und in Breite und Tiefe unverändert bleiben sollte, blieb nur die Höhe: Das Fahrzeug wuchs um 100mm. Ein neuer Ventilblock führt die Volumenströme beider Pumpen zusammen und bindet den Ölkühlkreislauf ein. Erstmals in einem Schubmaststapler kommt damit ein Hydraulik-Ölkühler zum Einsatz, der die Leistung auch bei dauerhaft hoher Belastung stabil hält.
Auch das Hubgerüst musste angepasst werden. Größere Schlauchquerschnitte kamen nicht in Frage, weil dickere Leitungen den engen Umlenkradien im Mast nicht folgen. Deshalb verlaufen nun zwei Schläuche gleicher Größe parallel. Eine von Jungheinrich patentierte Ansteuerung der Hubstufen über getrennte Hydraulikkreisläufe sorgt dafür, dass die Mastübergänge trotz der hohen Geschwindigkeiten sanft bleiben.
Im standardisierten VDI-Zyklus erreicht der ETV 4i nach Angaben von Jungheinrich gegenüber dem ETV 3i bis zu 20 Prozent mehr Umschlagleistung. Bei typischen Mehrschichtanwendungen der Zielgruppe kann sich die Mehrinvestition nach Unternehmensangaben innerhalb von rund anderthalb Jahren amortisieren.
Schneller senken, ohne mehr Energie einzusetzen
Lowering PRO zeigt, wie sich auch ein seit Jahrzehnten etabliertes technisches Prinzip neu denken lässt. Bei herkömmlichen Schubmaststaplern werden zunächst die Maststufen und anschließend der Freihub eingefahren. Aus Sicherheitsgründen begrenzt eine Drossel den Ölfluss jedes Zylindersatzes so, dass die Last bei einem Schlauchbruch kontrolliert mit höchstens 0,6m pro Sekunde sinkt.
Ein dreiköpfiges Entwicklerteam stellte diese Reihenfolge in Frage. Der Ansatz: Der Ölfluss je Zylindersatz lässt sich nicht erhöhen, ein Schubmaststapler Hubgerüst verfügt aber über zwei davon. Werden Mast und Freihub gleichzeitig eingefahren, addieren sich die beiden Volumenströme zur doppelten Senkgeschwindigkeit, ohne die Begrenzung im einzelnen Hydraulikkreis zu verändern. Eine Hürde blieb jedoch. Um beide Kreise aufeinander abzustimmen, muss die Steuerung die Senkgeschwindigkeit genau kennen. Zunächst leitete sie diese aus der durchfließenden Ölmenge ab, was bei erwärmtem Öl unzuverlässig wurde. Heute misst das System die Geschwindigkeit direkt und ist damit unabhängig vom Zustand des Öls.
Über einen reinen Ein- und Auslagerzyklus spart Lowering PRO nach Angaben von Jungheinrich zehn bis 15 Prozent Zeit. Für das Senken selbst benötigt das System keine zusätzliche Energie, die Last bewegt sich durch die Schwerkraft. Im ETV 4i gehört die Funktion zur Serienausstattung.
Drei Kameras für den Blick auf die Last
Mit der höheren Geschwindigkeit wächst die Bedeutung einer präzisen Lastpositionierung. Wer Paletten in großer Höhe ein- und auslagert, blickt üblicherweise immer wieder nach oben. Studien von Jungheinrich zeigten, dass Fahrer dies selbst dann tun, wenn ein herkömmliches Kamerabild verfügbar ist, weil ihnen auf dem Bild wichtige Details fehlen.
Das optionale Positionierkamerasystem Added View arbeitet deshalb mit drei Kameras. Eine neu entwickelte Positionskamera am Gabelträger blickt unter die Palette, sodass die Gabelspitzen auch bei aufgenommener Last sichtbar bleiben. Zwei weitere Kameras erfassen die seitlichen Abstände zu benachbarten Paletten. Je nach Arbeitsschritt wechselt die digitale Anzeige automatisch: Beim Heben zoomt sie auf die Gabelspitzen, beim Ein- und Auslagern stehen Vollbild- oder geteilte Ansichten zur Verfügung. Auf Basis interner Berechnungen beziffert Jungheinrich die Entlastung von Nacken und Rücken auf 30 Prozent.
Ergänzend richtet eine automatische Funktion die Gabel beim Senken mittig aus. Optional dämpft ein aktives System verbleibende Mastschwingungen. Damit verbindet der ETV 4i die höhere Umschlagleistung mit Assistenzfunktionen, die den Fahrern helfen, sie kontrolliert zu nutzen, wodurch sich Sicherheit und Arbeitsgeschwindigkeit zugleich erhöhen.
70 Jahre nach dem ersten Retrak richtet Jungheinrich seine Konstruktionslogik weiterhin an den konkreten Anforderungen im Lager aus. 1956 war knapper Lagerraum der bestimmende Faktor, beim ETV 4i sind es die Taktzeiten intensiver Mehrschichtanwendungen. „Was sich verändert hat, ist die Entwicklungsgrundlage“, sagt Rust. „Wir sprechen weiterhin mit Kunden und Vertrieb, sehen heute aber zusätzlich in den Betriebsdaten, wie im Lager tatsächlich gearbeitet wird. Wir mögen das Prinzip Schubmaststapler nicht erfunden haben. Aber wir haben es nach Deutschland und Europa gebracht und prägen seine Entwicklung seit 70 Jahren.“















