Lesedauer: 6 min
6. April 2021
Quo vadis Intralogistik?
Das Corona-Virus hält die Welt seit Beginn des Jahres 2020 in Atem. Das Virus hat die Art, wie Länder miteinander verbunden sind und Handel treiben, verändert. Das zeigt aktuell der 'DHL Global Connectedness Index 2020 (GCI)'. Diese Veränderungen hatten und haben wesentlichen Einfluss auf die Logistik, insbesondere auf die Intralogistik.

Der Logistiksoftware-Spezialist CIM hat zum Ende vergangenen Jahres Männer und Frauen aus der Praxis gefragt, was sich 2020 getan hat und was 2021 kommen wird – die Antworten liefern einige spannende Aussichten.

dhf Intralogistik Was war Ihrer Meinung nach der Logistiktrend bzw. die Marktentwicklung 2020 in der Intralogistik?

 Kilian Küsters war viele Jahre unter anderem als Standortleiter in der Logistik tätig. Seit 2019 unterstützt er das Consulting-Team von CIM.
Kilian Küsters war viele Jahre unter anderem als Standortleiter in der Logistik tätig. Seit 2019 unterstützt er das Consulting-Team von CIM.Bild: CIM GmbH

Kilian Küsters (Logistics Consulting): Spannend ist für mich hingegen die Beobachtung, dass es gerade bei Lebens- und Nahrungsmitteln einen Gegentrend zum E-Commerce gab. Hier haben wir häufig eine Rückbesinnung auf regionale Händler festgestellt. Für die Logistik heißt das natürlich kleinere Läger, kürzere Lieferketten und mehr Flexibilität bzgl. der Produkte – Stichwort saisonale Produkte.

 Christian Assmann ist bei CIM verantwortlich für die Bestandskundenbetreuung in den Regionen Süddeutschland, Österreich und Schweiz.
Christian Assmann ist bei CIM verantwortlich für die Bestandskundenbetreuung in den Regionen Süddeutschland, Österreich und Schweiz.Bild: CIM GmbH

Christian Assmann (Bestandskundenbetreuung): Zum Stichwort Lieferketten ist noch hinzuzufügen, dass sich zahlreiche Unternehmen wieder rückbesonnen haben: von einem zentralen und oft internationalen Lieferanten hin zu mehreren, regionalen bzw. nationalen Lieferanten. Es werden nicht mehr größtmögliche Mengen abgenommen, um sich Rabatte zu sichern, sondern Lieferketten werden ‚aufgesplittet‘, um dauerhaft lieferfähig zu bleiben. Für Warehouse- und Transportmanagementsoftware bedeutet das, dass die unterschiedlichen Lieferanten optimal verwaltet sein müssen, dass die Nachbevorratung gewährleistet sein muss und dass eine Lieferantenbewertung direkt in der Software möglich sein sollte.

Maarten Janssen (Logistics Consulting): Der Logistiktrend bzw. die Marktentwicklung im Jahr 2020 in der Logistik war für mich ein starkes Wachstum im E-Commerce-Sektor. Befeuert durch das Corona-Virus hat sich der Markt stark vom traditionellen bzw. stationären Handel hin zum Online-Handel verschoben. Da der Online-Handel häufig deutlich dynamischer agiert als der stationäre Handel, bedeutet dies für das Warehouse Management: Die Digitalisierung der Prozesse muss besser gestern als morgen erfolgen. Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit in diesen Prozessen sind notwendig und werden in Zukunft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

dhf Intralogistik Corona hat das Jahr 2020 auch in der Intralogistik geprägt. In Sachen Digitalisierung hat die Pandemie einige Prozesse beschleunigt. Was hat sich Ihrer Meinung nach getan? Und was davon wird bleiben?

 Maarten Janssen leitet die niederländische Zweigstelle von CIM. Der Logistics Consultant betreut die Kunden in den Benelux-Ländern.
Maarten Janssen leitet die niederländische Zweigstelle von CIM. Der Logistics Consultant betreut die Kunden in den Benelux-Ländern.Bild: CIM GmbH

Maarten Janssen (Logistics Consulting): Das Jahr 2020 hat vielen Unternehmen vor Augen geführt, wie wichtig digitalisierte, transparente und flexible Prozesse sind. Die Intralogistik war hier schon gut aufgestellt und das softwaregesteuerte Lagermanagement wird bleiben. Meiner Meinung nach stellt sich gar nicht die Frage, ob das bleiben wird, sondern eher, welche neuen Technologien zukünftig eingesetzt werden können, um Prozesse zu optimieren – beispielsweise künstliche Intelligenz. Wir arbeiten in diesem Bereich aktuell an einer intelligenten Optimierung der Einlagerung.

 Birgit Lippl-Bauer ist seit 16 Jahren im Logistics Consulting bei CIM tätig. Dabei ist sie hauptverantwortlich für die Bearbeitung von Ausschreibungen.
Birgit Lippl-Bauer ist seit 16 Jahren im Logistics Consulting bei CIM tätig. Dabei ist sie hauptverantwortlich für die Bearbeitung von Ausschreibungen.Bild: CIM GmbH

Birgit Lippl-Bauer (Logistics Consulting): Auch unsere Arbeit als WMS-Anbieter, insbesondere Beratung und Projektabwicklung, hat sich 2020 massiv verändert. Es gab einen massiven Schub in der virtuellen Kommunikation: Beratungstermine, Schulungen, ja zum Teil ganze Inbetriebnahmen wurden virtuell bzw. remote durchgeführt. In der Beratung sehe ich diesen Trend nicht als dauerhaften Effekt an, da Online-Termine persönliche Gespräche mit Interessenten oder Kunden nicht ersetzen können. In der Projektabwicklung sehe ich dagegen eine nachhaltige Veränderung, da z.B. Online-Schulungen oder auch Remote-Tests unseren Kunden Zeit und Kosten, z.B. für Reisen, sparen und damit auch umwelttechnisch sinnvoll sind.

dhf Intralogistik Quo vadis Intralogistik? Wagen Sie einen Blick in die Kristallkugel: Welche Themen und Entwicklungen werden die Logistik 2021 beschäftigen?

Kilian Küsters (Logistics Consulting): Ich bin mir sicher, dass sich der Trend zum digitalen Workflow entlang der gesamten Supply Chain fortsetzt. Bei kleineren Firmen wird sicher auch der Trend zu einem WMS bzw. zu digitaler Prozessoptimierung bestehen bleiben. Bei größeren und großen Unternehmen verzeichnen wir schon jetzt verstärkt die Tendenz zur Automatisierung. Automatische Lager werden daher auch das Jahr 2021 prägen.

Maarten Janssen (Logistics Consulting): Wir alle hoffen darauf, dass 2021 nicht mehr so stark unter dem Einfluss von Corona stehen wird. Nach der wirtschaftlichen Delle erwarte ich eine verstärkte Nachfrage und eine Vielzahl von interessanten Intralogistikprojekten. Daher ist es gut, wenn die Anbieter von WMS-Software breit und international aufgestellt sind. Zudem sehe ich ein Trend zum Insourcing, gerade in der Produktion. Denn viele Unternehmen wurden durch die Lieferengpässe aus China sensibilisiert und verlagern ihre Produktion zurück nach Europa. Dabei können sie von integrierten Lager- und Produktionsmanagementsystemen wie bei der CIM profitieren.

CIM GmbH
http://www.cim.de

Das könnte Sie auch interessieren

Bild: Vollert Anlagenbau GmbH
Bild: Vollert Anlagenbau GmbH
Herstellerumfrage: Nahtlose Integration  in Produktion und Logistiker

Herstellerumfrage: Nahtlose Integration in Produktion und Logistiker

Prozessautomatisierung und zustandsbasierte Instandhaltung sind bestimmende Themen bei Krananlagen. Digitale Technologien sorgen für höchste Effizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit im Betrieb. Mit welchen Ansätzen Hersteller aktuell auf diese Entwicklung reagieren und mit welchen Lösungen sie Arbeitsprozesse noch weiter optimieren, zeigt die neueste Marktumfrage von dhf Intralogistik.

Bild: Picavi GmbH
Bild: Picavi GmbH
Strategische Kooperation

Strategische Kooperation

Die börsennotierte All for One Group und das auf Pick-by-Vision spezialisierte Unternehmen Picavi haben sich gemeinsam zum Ziel gesetzt, ihre Kunden bei der Digitalisierung von Supply Chain und Logistik – etwa im Lagerbereich – zu unterstützen.

Bild: Dahl Sverige AB
Bild: Dahl Sverige AB
Hochautomatisiertes Warenlager

Hochautomatisiertes Warenlager

Dahl, eines der führenden Großhandelsunternehmen im Bereich Sanitär, Rohre, Klima- und Kältetechnik, Immobilienmanagement und Werkzeuge, wählt SSI Schäfer als Partner für die Errichtung eines neuen, zentralen Warenlagers zur Versorgung des schwedischen Markts.

Das neue Distributionszentrum wird die Bereitstellung von Gebäudetechnik-Equipment zwischen rund 2.000 Lieferanten und 36.000 Handwerkern sicherstellen, sowohl durch Direktlieferungen zu Baustellen als auch über den Verkauf in den 70 Filialen von Dahl in ganz Schweden, von Kiruna im Norden bis Ystad im Süden.

„Die Technologie in unserer neuen Anlage setzt neue Maßstäbe.

Bild: Interroll (Schweiz) AG
Bild: Interroll (Schweiz) AG
Neuer CEO

Neuer CEO

Ingo Steinkrüger, derzeit Vorsitzender der Geschäftsführung bei Thyssenkrupp System Engineering wird zum 1. Mai 2021 als CEO die Leitung der Interroll Gruppe von Paul Zumbühl übernehmen, der bereits im vergangenen Juni seinen Rücktritt ankündigte und als künftiger Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen werden wird.

Bild: Beumer Group GmbH & Co. KG
Bild: Beumer Group GmbH & Co. KG
Von Lebensmitteln 
bis zu Medikamenten

Von Lebensmitteln bis zu Medikamenten

Kunden kaufen mehr und mehr online ein und das nicht erst seit Covid-19. Allerdings hat die Pandemie dieses Verhalten noch verstärkt. Mit dem zunehmenden E-Commerce müssen Kurier-, Express- und Paketdienste die Konsumenten zuverlässig und noch schneller beliefern – und dabei ganz unterschiedliche Waren handhaben können. Die Leistung ihrer Sortier- und Verteilanlagen entscheidet oft über ihre Wettbewerbsfähigkeit. Welchen Trends Betreiber folgen, wie sie darauf reagieren können und wohin die Reise gehen wird, weiß Thomas Wiesmann von der Beumer Group.

Bild: Safelog GmbH
Bild: Safelog GmbH
Einzeln oder im Schwarm

Einzeln oder im Schwarm

Aktuell sind viele Abläufe und Systeme für den innerbetrieblichen Transport in der Produktion und Intralogistik im Umbruch. Dies ist einerseits den aktuell geltenden Abstands- und Hygienerichtlinien geschuldet, andererseits befindet sich die Automatisierung ohnehin im Wandel. Speziell für Transport- und Kommissionieraufgaben rückten dabei Fahrerlose Transportsysteme (FTS) als Lösung
in den Fokus.

Bild: Rocla OY
Bild: Rocla OY
AGVs steigern 
die Logistikeffizienz

AGVs steigern die Logistikeffizienz

Um der steigenden Kundennachfrage gerecht zu werden, setzte Welser, Spezialist für rollgeformte Sonderprofile, auf die vollständige Automatisierung seiner Arbeitsabläufe und des Lagersystems. Gemeinsam mit Rocla wurde der gesamte Prozess analysiert und durch vier intelligente AGVs auf ein neues Niveau gehoben.