Lithiumbatterien – Gefahr im Lager

 

Von der Knopfzelle in der Fotokamera bis hin zum Li-Ionen-Energiespeicher für den Elektrostapler: Lithiumbatterien kommen aufgrund ihres hohen Energiegehalts überall zum Einsatz. Für die Lagerung existieren jedoch keine Vorgaben – eine unsachgemäße Handhabung kann dennoch haftungs- und versicherungsrechtliche Konsequenzen haben. 


Im Vergleich zu konventionellen Batterien verfügt eine Lithiumbatterie über deutlich mehr Energie. Entlädt sich diese unkontrolliert, etwa aufgrund eines Produktionsfehlers oder einer Beschädigung, dann zumeist in Form thermischer Energie, also starker Hitzeentwicklung. So können in Sekundenschnelle schwere Brände entstehen. „Die hohe Leistungsdichte und Nennenergie macht das Thema Lagerung so anspruchsvoll“, sagt Jürgen Werny, Gefahrgut- und Brandschutzexperte aus München und warnt: „Lithium-Metall-Batterien lassen sich nicht mit Wasser löschen, da das enthaltene Lithiummetall mit Wasser reagiert und entzündbare Gase freisetzt.“ Besser sieht es bei den wesentlich häufiger anzutreffenden Lithium-Ionen-Batterien „Akkus“ aus, diese Brände sind mit Wasser zu bekämpfen.

 

Merkblatt der deutschen Versicherer


Weil trotz des hohen Gefahrenpotenzials für das Lagern und Bereitstellen von Lithiumbatterien keine gesetzlichen Vorgaben bestehen, haben die deutschen Versicherer ein eigenes Merkblatt (VdS 3103, aktuelle Version 2016-05) entwickelt. „Man legt die Verantwortung in die Hände der Unternehmen und der Sachversicherer“, stellt Jürgen Werny fest und bemängelt, dass der Gesetzgeber noch nicht einmal die Gerätehersteller verpflichtet habe, auf den Geräten anzugeben, welcher Batterietyp einschließlich der Kenngröße enthalten ist.


Den Lagerhalter treffen dennoch gesetzliche Pflichten. Er muss schon aus Arbeitsschutz- Gesichtspunkten Gefahren für seine Mitarbeiter erkennen und vermeiden. Der Umgang mit Lithiumbatterien muss somit in die arbeitsschutzrechtliche Gefährdungsbeurteilung einfließen. Und auch haftungsrechtlich tut der Lagerbetreiber gut daran, alles zu unternehmen, um einen Schaden zu vermeiden oder zumindest möglichst gering zu halten. Das verlangt die allgemeine Schadensminderungspflicht, auf die sich ein Versicherer berufen kann. Verletzt ein Lagerbetreiber diese Pflicht fahrlässig oder vorsätzlich, indem er etwa den Ratschlägen des VdS-Merkblatts nicht Folge leistet, kann er in Mithaftung für ein Schadensereignis genommen werden. In einem solchen Fall bleibt er auf einem Teil seines Schadens sitzen, muss mit Bußgeldern rechnen und kann strafrechtlichen Ermittlungsverfahren wegen Umwelt- oder Branddelikten ausgesetzt sein.

 

Schutzmaßnahmen individuell mit Versicherer klären


Der Schadensverhütung beim Umgang mit Lithiumbatterien dienen zwei grundsätzliche Maßnahmen: mechanische Beschädigungen und thermische Belastungen, die innere Kurzschlüsse und Brandereignisse auslösen können, müssen vermieden werden – herabstürzende Pakete, umkippende Paletten, dauerhaft hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung etwa. Und der Brandschutz muss gewährleistet sein, vor allem durch bauliche und organisatorische Maßnahmen wie getrennte Lagerbereiche, Löschvorrichtungen, Unterweisung der Mitarbeiter. Konkretere Anforderungen, die dem VdS-Merkblatt entnommen werden können, ergeben sich dann aus der Einteilung in drei Gefährdungsklassen (geringe/ mittlere/hohe Leistung). Wichtig: Wer mit Batterien der höchsten Leistungsstufe zu tun hat (mehr als 60 Volt, etwa Akkus für Elektrofahrzeuge), muss individuell mit seinem Versicherer klären, welche Schutzmaßnehmen zu treffen sind; für diese Energiepakete versagen allgemeingültige Regeln.

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Beitrag aus dhf 11.2017

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