Foto: Dambach
Dynamik im eigenen Lager

Wenn ein Hersteller von lagertechnischen Komponenten selbst ein neues Lager benötigt, liegt es nahe, dass er Module und Technologien aus eigener Fertigung einsetzt.

So hat es Dambach gemacht und neben den eigenen Regalbediengeräten die neue Palettenfördertechnik und einen neu entwickelten Verfahrwagen eingesetzt.

 

Auch wenn die Lagertechnik seit Jahrzehnten die Kernkompetenz der Dambach Lagertechnik GmbH & Co. KG aus Bischweier ist, beschritten die Verantwortlichen mit der Planung des zukünftigen eigenen Lagers doch Neuland. Peter Tiebel, Technischer Leiter des Unternehmens: „In der Wertschöpfungskette der Materialflusstechnik sehen wir uns als Lieferant von Funktionsbausteinen, das heißt von mechanischen Komponenten und, wenn gewünscht auch gerne mit der dazugehörigen optimierten Maschinensteuerung. Unsere Kunden sind die Systemintegratoren und Komplettanbieter der Intralogistik. Die Lieferung von Gesamtsystemen ist und bleibt nicht unser Aufgabenfeld.“

 

Drei Entwicklungsziele


Hauptanlass für den Neubau war der Wunsch, den Materialfluss und mit ihm die innerbetrieblichen Abläufe zu optimieren, da geht es einem Anbieter von Lagertechnik nicht anders als seinen Kunden. Darüber hinaus standen bei der Planung aber zwei weitere Aspekte im Vordergrund: „Wir möchten das Lager sowohl als Referenz nutzen als auch für Kundenschulungen. Außerdem können wir hier neue und optimierte Komponenten unter Praxisbedingungen erproben.“ So hat Dambach bereits an einigen Stationen des Lagers vergleichende Energiebedarfsmessungen durchgeführt, und für die kommenden Monate steht die Erprobung von neuen RBG-Antriebskonzepten an, die mit den Zielen erhöhter Energieeffizienz und verbesserter Schwingungsdämpfung entwickelt werden.

 

Klares Konzept


Das Lagerkonzept ist auf den ersten Blick zu erkennen. Unmittelbar an der Lkw-Entladung, noch vor einer Klimaschleuse und dem I-Punkt, befindet sich ein kleiner Zwischenpuffer: So vermeidet man Engpässe im Wareneingang. Paletten- und Behälterlager sind jeweils eingassig sowie parallel zueinander angeordnet und ermöglichen zukünftige Erweiterungen. Das Palettenregal ist über eine automatisierte Palettenfördertechnik in den Materialfluss eingebunden, das AKL verfügt über zwei manuelle Kommissionierplätze. Spiegelbildlich zum Wareneingang ist auch zur Fertigung hin ein größeres Regal installiert, das als definierter Übergabepunkt zwischen Lager und Produktion dient: Dort werden die ausgelagerten Artikel auftragsbezogen bereitgestellt.


Im Palettenlager mit rund 1 000 Plätzen sorgt ein RBG mit zwei Fahrantrieben und einer maximalen Verfahrgeschwindigkeit von 240 Meter pro Minute (Beschleunigung: 1,4 m/sec2) für schnelle Arbeitsspiele. Peter Tiebel gibt gern zu, dass das RBG für diesen Zweck eigentlich überdimensioniert ist: „Unsere Kunden arbeiten mit sehr viel größeren Umschlagsgeschwindigkeiten, weil wir Spezialist für sehr dynamische Lagertechnik sind. Hier wären wir mit deutlich weniger Dynamik ausgekommen. Aber wir wollen schließlich zeigen, was wir können.“ Das gilt auch für die auf dem Lastaufnahmemittel installierte Kamera, die im Falle eines Falles eine vereinfachte Störungsbeseitigung erlaubt.


Das AKL ist mit 5 000 Plätzen und doppelttiefer Einlagerung ausgeführt. Es stammt ebenfalls aus dem Systembaukasten von Dambach und verfährt in der Gasse mit bis zu 260 Meter pro Minute bei einer Beschleunigung von drei Meter pro Sekundenquadrat. Hier lässt sich gut die Funktion des „Ecologic Drive Profiler“, eine Standardfunktion der Dambach-Steuerungen, erkennen: Die Dynamik des Geräts wird in Abhängigkeit zur Anzahl der abzuarbeitenden Aufträge gesteuert. Das reduziert den Energiebedarf in Schwachlastzeiten und beschleunigt den Materialfluss bei Auftragsspitzen.

 

Vorzone: Paletten im Shuttle-Verkehr


Bei näherer Betrachtung des Lagers werden unerwartete Details sichtbar, zum Beispiel in der Vorzone des Palettenlagers. Dort hat Dambach das vor drei Jahren vorgestellte DCS-Shuttlesystem „zweckentfremdet“ beziehungsweise seine Einsatzmöglichkeiten erweitert. Ursprünglich wurden diese Paletten- Shuttles entwickelt, um bei der mehrfachtiefen Einlagerung ein flexibles und einfaches Verfahren in den Lagerkanälen zu ermöglichen. Die acht angetriebenen Räder sorgen für zuverlässigen Vortrieb. Sie bewegen sich in Laufprofilen, und die Palette wird über Sensoren erkannt.


Da die Shuttles mit Power Caps (Kondensatoren) als Energiespeicher ausgestattet sind, arbeiten sie ohne Kabeltrommeln und ohne Unterbrechung durch Batterieladezyklen: Der Kondensator lädt innerhalb von wenigen Sekunden. Das schafft beste Voraussetzungen für 24-Stunden-Einsätze und erschließt auch neue Anwendungen für autonome Regalfahrzeuge, zum Beispiel im Kühllager.

 

Autonomer Verfahrwagen, innovativer Energiespeicher


Mit dem DCS hat Dambach eine erfolgreiche neue, autonome Fahrzeugklasse der Materialflusstechnik etabliert, das zeigen die zahlreichen Shuttle-Systeme, die in der Fertigung montiert werden. Peter Tiebel: „Viele Kunden verlangen größtmögliche Flexibilität von ihrer Fördertechnik. Oft ist auch die Palettenqualität Grund für die Wahl des DCS: Das Shuttle nimmt die Paletten vollflächig auf.“


Für die Vorzone des eigenen Lagers haben die Dambach-Ingenieure ein DCS-Shuttle mit einem aufgesetzten Kettenförderer ausgestattet und damit einen neuartigen Verfahrwagen realisiert. Er übernimmt den Palettentransport und benötigt dafür weder elektrische Leitungen noch Batterien. Die Power Caps werden jeweils an einem der Haltepunkte aufgeladen.


Nach Ansicht der Entwickler bei Dambach werden derartige Energiespeicher in Zukunft noch häufiger eingesetzt. „Die Shuttle-Technologie ist noch nicht ausgereizt. Wir haben jetzt eine gute, hoch flexible Plattform mit einem innovativen Antriebs- und Energiespeichersystem zur Verfügung. Auf dieser Basis wird es weitere Entwicklungsschritte geben.“

 

Neu im Programm: Palettenfördertechnik


Das gilt ebenso für die zweite Programmerweiterung, die Dambach im eigenen Lager realisiert hat. Im Palettenlager kommen Elemente des „Dambach Pallet Conveyor“- Baukastens (DPC) zum Einsatz. Mit der Vorstellung des neuen DPC-Programms verfolgt das Unternehmen die Strategie, den Kunden auch die Schnittstelle zwischen Regalbediengeräten und Vorzone anzubieten und dabei Komponenten bereitzustellen, die sich durch robuste, langlebige Bauweise und hohe Leistung auszeichnen.

 

„Wir bleiben Komponentenlieferant“


Mit den neuen Komponenten für die Verbindung von Lager und Vorzone ist die Entwicklung des Produktprogramms, das Dambach den Systemintegratoren bietet, noch nicht abgeschlossen. Den Schritt zum Systemanbieter wird das Unternehmen, so Peter Tiebel, jedoch ganz gewiss nicht tun, auch wenn in Zukunft das Produktspektrum der Fördertechnik nochmals erweitert wird. „Unser Ziel ist es, weitere Komponenten zu ergänzen, mit denen unsere Kunden, die Systemintegratoren/-anbieter und Planer, innovative und effiziente Lösungen verwirklichen können. Dazu gehört unseres Erachtens auch, diese Komponenten mit eigener Intelligenz auszustatten, um die Einbindung ins Gesamtsystem zu vereinfachen. Aber wir wären schlecht beraten, wenn wir die sehr guten Beziehungen zu unseren Kunden aufs Spiel setzen und zu ihnen in Wettbewerb treten würden. Das wird nicht passieren: Wir bleiben auf der Ebene des Komponentenlieferanten.“

www.dambach-lagersysteme.de

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Beitrag aus dhf 6.2015

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