Sortierung erfolgt zunehmend lokaler

Das Mix-Mail-System der Schweizer Post am HUB Zürich-Mülligen ist einer der Knotenpunkte der Schweizer Post für die Brief- und Kleinpaketverteilung mit 25 Sortern und 13km Fördertechnik.
Das Mix-Mail-System der Schweizer Post am HUB Zürich-Mülligen ist einer der Knotenpunkte der Schweizer Post für die Brief- und Kleinpaketverteilung mit 25 Sortern und 13km Fördertechnik. – Bild: Interroll (Schweiz) AG

Fördertechnik und Sortiersysteme durchlaufen grundlegende strukturelle Veränderungen. Obwohl der Markt für neue Systeme aufgrund der fortschreitenden Automatisierung weiterhin moderat wächst, verbirgt sich eine tiefgreifende Verschiebung in der der Nachfragestruktur: weg von wenigen hochvolumigen Mega-Hubs hin zu einer wachsenden Zahl kleinerer, dezentralisierter Paketzentren.

Die Treiber dieses Wandels sind die steigenden Liefererwartungen der Endkunden. E-Commerce ist Teil des täglichen Lebens der Verbraucher geworden; Im gesamten ersten Halbjahr erhöhten sich die Umsätze im Onlinehandel allein in Deutschland um 4,3 Prozent. Für den europäischen Gesamtmarkt rechnen Experten bis 2031 sogar mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von knapp 8 Prozent. Wachstumstreiber sind dabei vor allem die Integration von künstlicher Intelligenz sowie Mobile Shopping und Social Commerce. Die Lieferung am selben Tag und am nächsten Tag sind keine Premium-Optionen mehr, sondern Standard – und sie erfordern dichtere, regional verteilte Liefernetzwerke. Die Last-Mile-Logistik ist somit zum am schnellsten wachsenden Anwendungsfeld der Förder- und Sortiertechnik-Branche geworden. Dies erfordert Automatisierungssysteme im mittleren Durchsatzbereich von 3.000 bis 10.000 Paketen pro Stunde, die deutlich kompakter sind als die Hochleistungssysteme klassischer Hub-and-Spoke-Strukturen. Für die Hersteller bedeutet dies ein Umdenken – von einzelnen Großsystemen hin zu einer breiten Installationsbasis mit standardisierten, leicht zu integrierenden und flexiblen Lösungen.

Die Sortierschleifenlösung besteht aus einer Kombination aus horizontalen und vertikalen Sortierern auf zwei Ebenen, die mit dem E-Commerce-Boom harmonieren.
Die Sortierschleifenlösung besteht aus einer Kombination aus horizontalen und vertikalen Sortierern auf zwei Ebenen, die mit dem E-Commerce-Boom harmonieren. – Bild: Interroll (Schweiz) AG

Mehr Standorte, kleinere Systeme – ein sich schnell verändernder Markt

Mehr Standorte, kleinere Systeme, höherer Automatisierungsdruck – diese Entwicklung verändert grundlegend die Anforderungen an Sortierlösungen. Während Betreiber großer Sortierzentren bisher hauptsächlich auf maximale Durchsatzrate optimiert haben, konzentrieren sich neue dezentrale Standorte auf andere Parameter: niedrige Investitionskosten, geringe Systemkomplexität und schnelle Inbetriebnahme. Besonders entscheidend ist hier die Möglichkeit, in sogenannte Brownfield-Umgebungen zu integrieren – also die Umsetzung in bestehenden Gebäuden, bei denen Platz, Grundriss und die vorhandene Infrastruktur die Installation neuer Anlagen einschränken.

Die strukturelle Veränderung betrifft jedoch nicht nur die Größe des Standorts, sondern auch die Zusammensetzung der zu verarbeitenden Sendungen. Das Wachstum des E-Commerce und die enorme Vielfalt an Anbietern und Produkten verändern den Versandmix dramatisch: Immer mehr kleine Pakete und Sendungen von Waren aus dem Ausland fließen durch die Verteilzentren. Moderne Sortiersysteme müssen daher nicht nur schnell, sondern vor allem flexibel sein – in der Lage, völlig unterschiedliche Arten von Sendungen zuverlässig zu erkennen, zu trennen und zu sortieren.

Interrolls Direct Drop ermöglicht die vollautomatische Sortierung von Jiffy-Bags, Umschlägen und kleinen Kartons direkt in Rollbehälter oder Palettenboxen.
Interrolls Direct Drop ermöglicht die vollautomatische Sortierung von Jiffy-Bags, Umschlägen und kleinen Kartons direkt in Rollbehälter oder Palettenboxen. – Bild: Interroll (Schweiz) AG

Swiss Post’s weltweit einzigartiges gemischtes Postzentrum

Ein beeindruckendes Beispiel dafür, was heutige Technologie in diesem Zusammenhang leisten kann, ist das Mix-Mail-System der Schweizer Post im Briefzentrum Zürich-Mülligen. Das Briefzentrum ist das größte Sortierzentrum der Schweiz und verarbeitet täglich 4,5 Millionen Briefe sowie den gesamten internationalen Postverkehr. Die Herausforderung war komplex: Eine wachsende Zahl kleinerer Pakete musste automatisch verarbeitet werden, darunter Artikel mit sehr variabler Form, in verschiedenen Verpackungsarten, z.B. in Plastikbeuteln, und inkonsistenter Verpackungsqualität. Diese Artikel fallen in eine Kategorie, die weder klassische Briefe noch standardisierte Pakete sind und bisher oft manuell sortiert werden mussten.

Das Projekt vereint die Expertise von Körber in der Systemintegration mit Interrolls Technologie: Das Ergebnis ist eine innovative Lösung für die Sortierung von Kleinsendungen, bestehend aus einer einzigartigen Kombination aus horizontalen und vertikalen Sortern auf zwei Ebenen. Körber entwickelte die maßgeschneiderte Lösung in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Post innerhalb von nur sechs Monaten – basierend auf intensiven Workshops und 3D-Simulationen. Heute können bis zu 19.000 Sendungen pro Stunde automatisch identifiziert, sortiert und getrennt – wobei das beengte zweistöckige Gebäudelayout optimal genutzt wurde.

Patrick Conte, Projektleiter bei der Schweizer Post, fasste das Besondere des Projekts zusammen: „Das System ist das erste seiner Art weltweit und war daher für alle Beteiligten Neuland.“ Und Martin Resch, CEO von Körber Supply Chain, erklärt, warum die Wahl der Technologie eindeutig war: „Wir brauchten ein gewisses Maß an Flexibilität – und deshalb fiel unsere Entscheidung eindeutig zugunsten von Interroll-Lösungen aus.“

Die richtige Lösung für jeden Bedarf – vom Hub bis zur letzten Meile

Die oben beschriebenen Marktveränderungen – mehr Standorte, kleinere Systeme, ein zunehmend heterogener Versandmix – erfordern ein Sortierportfolio, das diese Bandbreite abdecken kann. Interroll hat sein Spektrum an Förderbandtechnologie und Sortierlösungen genau auf diese Anforderungen zugeschnitten: von Hochleistungs-Hubs bis hin zu vollautomatisierten, regionalen Last-Mile-Standorten und mittelgroßen Distributionszentren.

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