Vom Einzelprozess zum intelligenten Gesamtsystem

Dematic Multishuttle-Lösungen kombinieren hochverdichtete Lagerung mit Goods-to-Person-Kommissionierung, um den Durchsatz zu steigern und Bestände zu optimieren.
Dematic Multishuttle-Lösungen kombinieren hochverdichtete Lagerung mit Goods-to-Person-Kommissionierung, um den Durchsatz zu steigern und Bestände zu optimieren. – Bild: Dematic GmbH

Die Warehouse Automation hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Das Konzept der Automatisierung beschränkte sich lange Zeit auf einzelne Anwendungen und ihre Wirtschaftlichkeit. Neue Technologien waren verfügbar, doch die Bereitschaft, diese umfassend einzusetzen, entwickelte sich nur langsam. Mit zunehmend volatilen Marktbedingungen und globalen Krisen veränderte sich jedoch nach und nach der Blick der Unternehmen auf das Thema. Automatisierung wurde nicht mehr nur als Kostenfaktor betrachtet, sondern als Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit des eigenen Betriebs weiter zu steigern. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie lassen sich Fehler reduzieren? Wie können Prozesse beschleunigt werden? Und welchen Beitrag kann Automatisierung zum Geschäftserfolg leisten?

Was zuvor nur auf einzelne Bewegungen und Prozessschritte im Lager ausgerichtet war, entwickelte sich damit zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Materialflusses. Nicht mehr die einzelne Anwendung steht im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel verschiedener Bereiche des Lagers. Entsprechend werden auch die Automatisierungslösungen komplexer und anspruchsvoller.

Dematic AMR ermöglichen eine flexible Automatisierung und lassen sich unkompliziert an unterschiedliche Prozesse und betriebliche Anforderungen anpassen.
Dematic AMR ermöglichen eine flexible Automatisierung und lassen sich unkompliziert an unterschiedliche Prozesse und betriebliche Anforderungen anpassen. – Bild: Dematic GmbH

Ganzheitliche Automatisierung des Materialflusses

Das Dematic Multishuttle ist ein Beispiel dafür, wie sich Automatisierungstechnologien in einen übergeordneten Materialfluss integrieren lassen. Das automatisierte Lager- und Bereitstellungssystem übernimmt mehr als nur einzelne Transportbewegungen. Es verbindet mehrere modulare Komponenten – darunter Shuttles, Regalsysteme, Fördertechnik und Steuerung. Die Shuttles bewegen sich unabhängig voneinander auf den jeweiligen Lagerebenen und übernehmen dort die automatisierte Ein- und Auslagerung sowie Bereitstellung von Behältern, Kartons und Trays. Im Zusammenspiel ermöglichen die einzelnen Komponenten so einen durchgängigen Materialfluss zwischen Lager und den nachgelagerten Prozessbereichen. Das Multishuttle eignet sich damit insbesondere für Anwendungen mit hoher Artikelvielfalt und dynamischen Auftragsprofilen, bei denen unterschiedliche Ladungsträger schnell und zuverlässig bereitgestellt werden müssen.

Mit derartigen Systemen hat sich die Logik des Lagers grundlegend verändert. Das Multishuttle unterstützt das „Ware-zur-Person“-Prinzip und verbindet dabei Lagerung, Transport und Auftragsabwicklung. Je nach Anwendungsfall übernimmt das System zudem unterschiedliche Aufgaben, etwa die Versorgung von Kommissionierarbeitsplätzen, die Nachschubversorgung und die Pufferung von Waren. Auch die Konsolidierung von Aufträgen lässt sich integrieren. Dabei können Waren nicht nur automatisiert bereitgestellt, sondern auch entsprechend der weiteren Prozessschritte sequenziert werden. Das ist insbesondere dann relevant, wenn Aufträge in einer definierten Reihenfolge an Kommissionier- oder Montagearbeitsplätzen benötigt werden. Das System lässt sich zudem hinsichtlich Lagerkapazität und Durchsatz an verschiedene räumliche Gegebenheiten anpassen, beispielsweise durch zusätzliche Shuttles, Ebenen oder Lagersegmente.

Seine Wirkung entfaltet das Multishuttle somit nicht als isolierte Technologie, sondern im Zusammenspiel mit weiteren Komponenten. Fördertechnik transportiert Behälter zwischen Lager und Arbeitsplätzen, während die Software die verschiedenen Prozesse und Materialbewegungen übergeordnet koordiniert und aufeinander abstimmt. Dabei berücksichtigt sie u.a. Aufträge, Lagerbewegungen und verfügbare Kapazitäten und kann den Materialfluss entsprechend der jeweiligen Anforderungen steuern. So werden Lagerung, Bereitstellung und Transport zu einem durchgängigen Prozess verbunden.

Vernetzte Systeme und verlässliche Daten sind entscheidend, um das volle Potenzial von KI auszuschöpfen.
Vernetzte Systeme und verlässliche Daten sind entscheidend, um das volle Potenzial von KI auszuschöpfen. – Bild: Dematic GmbH

Flexibilität als nächste Entwicklungsstufe

Mit dem Wandel hin zu ganzheitlichen Automatisierungskonzepten wächst zugleich der Anspruch an die Flexibilität der Systeme. Neben klassischen, fest installierten Systemen gewinnen Lösungen an Bedeutung, die sich leichter an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Autonome mobile Roboter (AMR), fahrerlose Transportsysteme (AGV) und flexible Lagerlösungen können bestehende Automatisierungskonzepte ergänzen und neue Spielräume bei der Gestaltung des Materialflusses schaffen.

Dabei geht es nicht darum, klassische Automatisierung vollständig zu ersetzen. Vielmehr lassen sich unterschiedliche Technologien je nach Anforderung miteinander kombinieren. Automatisierung wird damit zunehmend zu einem modularen Ansatz, bei dem einzelne Komponenten ergänzt, angepasst oder erweitert werden können. Unternehmen können ihre Systeme so schrittweise weiterentwickeln, anstatt Prozesse dauerhaft auf einen einmal definierten Zustand festzulegen.

Blick in die Zukunft

Der Wandel in der Intralogistik ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Mit fortschreitender Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Robotik zeichnen sich bereits weitere Entwicklungsschritte ab. KI-gestützte Anwendungen können künftig dazu beitragen, Betriebsdaten umfassender auszuwerten, Engpässe frühzeitig zu erkennen und Prozesse vorausschauender zu steuern. Mögliche Anwendungsfelder reichen dabei von der Bedarfs- und Bestandsplanung über die Erkennung von Anomalien bis hin zu Durchsatzprognosen und vorausschauender Wartung. So können beispielsweise ungeplante Anlagenstillstände reduziert werden.

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