Lager und Transport im Einklang

SAP LGM verbindet Lager und Transport.
SAP LGM verbindet Lager und Transport. – Bild: Leogistics GmbH

Hier setzt SAP Logistics Management (LGM) an. Aus der Auslieferung in SAP S/4Hana entsteht ein logistischer Bedarf, aus dem sich Transportanforderung und Lagerauftrag gleichermaßen ableiten. Beide Seiten sehen dieselbe Lieferung mit demselben Status zur selben Zeit. Der Abgleich entfällt nicht, weil eine Schnittstelle schneller geworden ist, sondern weil es keine zwei Wahrheiten mehr gibt.

Christiaan Carstens, Managing Director bei Leogistics: "Bevor wir über autonome Logistik sprechen, müssen zunächst die System- und Prozessgrenzen betrachtet werden."
Christiaan Carstens, Managing Director bei Leogistics: "Bevor wir über autonome Logistik sprechen, müssen zunächst die System- und Prozessgrenzen betrachtet werden." – Bild: Leogistics GmbH

Prozessgrenzen reduzieren

Spannender ist die zweite Frage, die das System beantwortet: Wer fängt an? Das legen Prozessvarianten fest. Bei No Shipping, Parcel und LTL (Less than Truckload) startet das Lager sofort, denn der Spediteur kommt ohnehin regelmäßig und die Abholung ist vereinbart. Bei Direct LTL und FTL (Full Truckload) ist es umgekehrt. Zuerst wird der Transport geplant: Das System bildet die Sendung, hier Consignment genannt, bestimmt einen Carrier über Geschäftsregeln oder Frachtausschreibung und wartet auf dessen Bestätigung von Kapazität und Termin. Erst dann entsteht der Lagerauftrag. Taucht er im Lager auf, ist der LKW bereits verbindlich zugesagt. Kommissioniert wird gegen einen bekannten Termin, nicht gegen eine Vermutung.

Wie stark das den Alltag verändert, zeigt der Konsolidierungs-Cutoff. Bis zu diesem wiederkehrenden Stichtag werden Lieferungen mit gleichen Versandkriterien automatisch derselben Sendung zugeordnet, danach ist sie geschlossen. Ein Hersteller mit mehreren täglichen Auslieferungen an denselben Zielort muss so nicht mehr per Telefon klären, welche Lieferungen zusammen auf den LKW gehen. Die Disposition hat weniger Rückfragen, das Lager wartet nicht mehr auf eine Freigabe, die oft erst kurz vor knapp kam. Was heute eine Absprache zwischen zwei Abteilungen ist, wird zur konfigurierten Regel.

Vom Auslieferungsbeleg zum Warenausgang

Physisch begleitet ein Pickup-Dokument die Abholung, von der Ankunft des LKW über Fahrzeug- und Fahrerdaten sowie die Verladung der Handling Units bis zur Abfahrt. Wer wissen will, was heute noch rausgeht, schaut in die Übersicht der anstehenden Abholungen. Mit der Warenausgangsbuchung schließt sich der Kreis zurück nach SAP S/4Hana Für die Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern kommt SAP Business Network for Logistics hinzu; über die SAP Business Technology Platform lassen sich weitere Lösungen und Partner anbinden.

Zur Einordnung gehört auch, was LGM nicht abdeckt. Der Transportteil ist auf Outbound ausgerichtet. Eingehende Transporte, Frachtkostenabrechnung und mehrstufige Netzwerke liegen außerhalb des Rahmens. Und ein Consignment ist hier schlicht die Sendung, nicht das, was erfahrene SAP TM-Anwender darunter verstehen.

Offen gesagt: LGM ist ein junges Produkt, allgemein verfügbar erst seit Anfang 2026. Belastbare Kennzahlen aus produktiven Projekten gibt es noch kaum, die Erfahrungsbasis wächst erst. Der Mehrwert liegt deshalb weniger in einzelnen Funktionen als darin, dass die Reihenfolge zwischen Lager und Transport einmal festgelegt und dann konsequent durchgehalten wird. Wer im Lager steht, merkt das nicht an einer neuen Oberfläche, sondern daran, dass weniger Rückfragen nötig sind.