
Um dem starken Wachstum des Unternehmens auch infrastrukturell Rechnung zu tragen und das eigene Netzwerk zu konsolidieren, errichtete TQG im Februar 2025 in Elsdorf ein neues Greenfield-Fulfillment-Center mit 40.000m². Zwei zuvor getrennt betriebene Lagerstandorte gingen darin auf, sodass alle Fulfillment-Prozesse nun zentralisiert und effizienter abgewickelt werden können. Mit dem neuen Standort wurden sowohl der bisher eigenbetriebene ESN-Logistikbereich als auch die zuvor über einen 3PL abgewickelten Prozesse der Marke More integriert. Der ehemalige Standort wird seither zur Erweiterung der Produktionskapazitäten genutzt. Dadurch war eine schnelle Inbetriebnahme des neuen Fulfillment-Centers in der angestrebten Größenordnung erforderlich, ohne lange Vorlaufzeiten für klassische Automatisierungsprojekte.
Die Anlage in Elsdorf wurde dafür ausgelegt, initial rund 45.000 E-Commerce-Bestellungen und 300.000 Einheiten pro Tag zu verarbeiten und in Spitzenzeiten schnell auf 60.000 Bestellungen und mehr skalieren zu können. Entscheidend war eine Fulfillment-Lösung, die ein hohes Durchsatzniveau und maximale Performance gewährleistet. Diese muss über die nötige Flexibilität verfügen, um Warenflüsse, Zonenstrukturen und Schnellläufer-Platzierungen kontinuierlich an neue Kampagnen und Trendwechsel anzupassen. Alles im Rahmen einer schlanken, überwiegend OPEX-basierten Automationsinvestition.

Bestehende Herausforderungen
Bei The Quality Group führen Influencer-Kampagnen sowie regelmäßig stattfindende Produkteinführungen zu massiven Nachfragespitzen in einem dynamisch wechselnden SKU-Segment. Die operative Abwicklung muss dieser Volatilität unmittelbar folgen. Diese Peaks treten nicht ausschließlich saisonal auf, sondern erfordern mehrmals jährlich kurzfristige und signifikante Kapazitätsanpassungen. Konventionelle, stationäre AS/RS- oder Shuttle-Systeme sind auf stabile Sortiments- und Mengengerüste ausgelegt. Zudem erfordern sie häufig ein vorgelagertes Umpacken der Ware von Inbound-Paletten in Totes oder Kunststoffbehälter, bevor Einlagerung und Kommissionierung erfolgen können. In einem Umfeld mit stark schwankenden Volumina und schnell rotierenden Artikeln bedeutet dies zusätzliche Prozessschritte und eingeschränkte Reaktionsfähigkeit.
Vor diesem Hintergrund entschied sich das Unternehmen für die AMR-Lösung von Locus Robotics. Das Robot-as-a-Service-Modell ermöglicht es, die Roboterflotte flexibel und bedarfsgerecht zu skalieren, kapitalarm, architekturoffen und ohne langfristige infrastrukturelle Bindung.
Erfolgreiche Umsetzung
„Von der Vertragsunterzeichnung bis zum ersten produktiven Pick vergingen gerade einmal drei Monate. Entscheidend für uns ist die enge Anbindung der Locus One-Plattform an unser WMS von Reply. Dadurch können wir Aufträge bei Kampagnen oder Nachfrageverschiebungen sofort neu priorisieren und die Robotikleistung flexibel anpassen. Wir skalieren Kapazitäten bedarfsgerecht, ohne Überinvestitionen und ohne starre Systemgrenze“, berichtet Cihan Yasar, Director D2C & Site Manager bei The Quality Group.
Ein zentrales Element der Lösung ist das Fast Pick, das an jedem Pickplatz eingesetzt wird. In einer der Hallen wurden dafür zusätzlich gezielt breitere Gänge vorgesehen, in denen umschlagstarke Artikel besonders effizient kommissioniert werden können. Diese Bereiche ermöglichen eine hohe Pick-Dichte bei gleichzeitig flüssigem Roboterverkehr.
Entwickeln sich Produkte kurzfristig zu Fast Movern oder verändern Kampagnen die Nachfrage, können entsprechende SKUs flexibel in diese Bereiche verlagert werden. LocusOne konzentriert daraufhin automatisch Roboter und Arbeitsaufträge auf den betroffenen Bereich und erhöht die operative Dichte. So bleibt der Durchsatz auch bei kurzfristig wechselnden Nachfrageprofilen stabil hoch. Der palettenweise Nachschub erfolgt über separate Versorgungsgänge. Dadurch bleiben Pick- und Nachschubprozesse räumlich getrennt, was eine unterbrechungsfreie Kommissionierung ermöglicht und insbesondere bei Schnelldrehern für hohe Performance sorgt.
Die Hochlaufphase wurde bewusst stufenweise gestaltet, um einen strukturierten Aufbau der neuen Anlage sicherzustellen und dem Wachstum von TQG gerecht zu werden. Während die finale Infrastruktur noch im Aufbau war, ging das System bereits weniger als 90 Tage nach Vertragsabschluss in der ersten Phase mit rund 40 Robotern innerhalb einer temporären Paletten-Pick-Zone live. Dadurch konnte TQG vom ersten Tag an Bestellungen aus Elsdorf versenden und die Kapazitäten des neuen Standorts parallel zum weiteren Ausbau produktiv nutzen. In Phase 2 erfolgte die Erweiterung in das Hochregallager sowie der Ausbau der Flotte auf über 120 Roboter. Phase 3 umfasste die Einbindung der zweiten und dritten Halle, wodurch die Gesamtzahl auf insgesamt 260 Roboter anwuchs. Die Vollskalierung wurde schließlich in Phase 4 mit rund 350 Robotern über drei miteinander verbundene Hallen erreicht, die nun vollständig an die Fördertechnik angebunden sind. Wie erfolgreich diese skalierbare Implementierungsstrategie ist, zeigt eine eindrucksvolle Kennzahl: Bereits nach weniger als einem Jahr überschritt TQG den Meilenstein von 20 Millionen durchgeführten Picks.
Fazit und Ausblick
Bei The Quality Group liefert LocusOne heute den Durchsatz, der klassisch mit stationärer Automatisierung erreicht wird, bleibt dabei aber vollständig flexibel an dynamisch wechselnde Schnelldreher, häufige Kampagnen-Peaks und schnelles Wachstum anpassbar. Die skalierbare Architektur ermöglicht es, Kapazitäten bedarfsgerecht zu erweitern, ohne strukturelle Umbauten oder lange Projektlaufzeiten in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig schafft sie die Grundlage für weitere Automatisierungsschritte entlang des Materialflusses.

















