Logistikprozesse smart modernisieren, statt neu erfinden

Digitales Yard Management koordiniert LKW-Bewegungen am Werkstor und reduziert Wartezeiten.
Digitales Yard Management koordiniert LKW-Bewegungen am Werkstor und reduziert Wartezeiten.Bild: ©Alzay/shutterstock.com

Viele Unternehmen arbeiten noch mit Legacy-Landschaften: alten Systemen, Eigenentwicklungen, standortspezifischen Installationen und Anbindungen an betagte Steuerungs- und Fördertechnik. Oft decken diese Lösungen nicht mehr alle Anforderungen ab oder ihr Support läuft aus. Die dann erforderliche Migration ist aufgrund gewachsener Strukturen und prozessualer Abhängigkeiten anspruchsvoll: Sie muss im laufenden Betrieb passieren – mit möglichst geringen Auswirkungen auf Lieferfähigkeit und Produktion. Das Dilemma: Für Zukunftssicherheit, Systemintegration und eine konsistente Datenbasis – auch für den Einsatz von KI – ist Standardisierung nötig. Dennoch dürfen geschäftskritische Sonderprozesse nicht verloren gehen. Genau hier setzt hybride Modernisierung an.

Digitale Zeitfensterbuchung unterstützt die strukturierte Planung von Be- und Entladevorgängen - von der Terminübersicht über die Rampenzuordnung bis zur Statusüberwachung.
Digitale Zeitfensterbuchung unterstützt die strukturierte Planung von Be- und Entladevorgängen – von der Terminübersicht über die Rampenzuordnung bis zur Statusüberwachung.Bild: Arvato Systems GmbH

Der Lösungsweg: hybrid modernisieren

Hybride Modernisierung überführt die Logistik-IT in eine zukunftsfähige Zielarchitektur, ohne den Betrieb zu gefährden. In der Praxis hat sich ein zweigleisiger Ansatz bewährt.

1. Ein standardisierter Plattformkern sorgt dafür, dass Lager-, Transport- und Materialflussprozesse über alle Standorte hinweg integriert, transparent und skalierbar ablaufen. Häufig bilden ein Warehouse Management System (WMS) und ein Transportation Management System (TMS) das Rückgrat. In SAP-Landschaften übernehmen meist SAP Extended Warehouse Management (EWM) und SAP Transportation Management (TM) diese Rolle. Eng verzahnt ermöglichen sie eine durchgängige digitale Steuerung und Standardisierung logistischer Kernprozesse.

2. Ergänzend dazu braucht es Lösungen für die Prozesse, deren Standardisierung nicht sinnvoll wäre. Integrierte Erweiterungen bilden individuelle Anforderungen ab, sodass der Plattformkern nicht mit Sonderentwicklungen überfrachtet wird. So bleibt er wartbar und updatefähig, spezifische Abläufe werden dennoch digital unterstützt. Vorhandene Subsysteme und Anlagen lassen sich schrittweise einbinden.

Hier sollten Unternehmen zunächst ein standortübergreifendes Zielbild für ihre logistischen Kernprozesse definieren und festlegen, welche Abläufe in den Standardkern gehören und wo integrierte Ergänzungen nötig sind. Betrieblich relevante Subsysteme und Integrationen wiederum sollten sie gezielt modernisieren. So lässt sich Standort für Standort migrieren, während die operative Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.

Marcel Driller ist Manager SAP Supply Chain 
Execution & SAP Solution Architecture bei Arvato Systems.
Marcel Driller ist Manager SAP Supply Chain Execution & SAP Solution Architecture bei Arvato Systems.Bild: Arvato Systems GmbH

Digitales Yard Management: Paradebeispiel hybrider Modernisierung

Wie tragfähig eine hybride Modernisierung ist, zeigt sich besonders auf dem Werksgelände. Yard Management umfasst alle LKW-Bewegungen und Hofabläufe – von der Zeitfensterkoordination über Check-in und Verwiegung bis zur Tor- und Stellplatzzuweisung und der Fahrerkommunikation. Der Yard ist damit die Nahtstelle zwischen Transport- und Lagerlogik. Da Hofprozesse oft historisch gewachsen und standortabhängig sind, stößt Standardsoftware hier schnell an Grenzen. Eine hybride Architektur schließt die Lücke: Der Plattformkern sichert die Integration, eine Yard-Lösung bildet Spezifika flexibel ab – bei durchgängigem Datenfluss zwischen Transport, Hof und Lager.

Operativer Nutzen der Hybridarchitektur

Der operative Unterschied zeigt sich dort, wo manuelle Abstimmungen den Hof steuern. Ein digitales Yard-Management-System macht den Werksverkehr planbar, koordiniert An- und Auslieferungen in Echtzeit und führt die Übergabe an Lager und Transport systemisch. Fahrzeuge werden nach definierten Zeitfenstern eingecheckt, automatisch erfasst und an Tore oder Stellflächen geleitet. So lassen sich Rampen und Flächen besser auslasten, Wartezeiten senken und Störungen früher erkennen. Der Leitstand steuert proaktiv. Genau hier zahlt sich der hybride Ansatz aus: Die Yard-Erweiterung liefert Präzision am Werkstor; der Standardkern bleibt stabil und skalierbar.

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