Lagerlogistik auf höchstem Niveau

Newsletter 05 dhf 34 2026
Bild: Prismat GmbH

Wachstum und Vielfalt erfordern smarte Lösungen: Parsa Beauty kombiniert automatisierte Lagertechnik mit SAP Embedded EWM und einem AutoStore-System. Gemeinsam mit den Intralogistik-Experten Kardex und Prismat entstand eine effiziente Logistikeinheit mit bis zu 45.000 Picks pro Tag. Damit wickelt das Unternehmen Aufträge schnell ab, kann termingerecht liefern und erreicht eine langfristige Flexibilität in einem komplexen Marktumfeld.

Schönheit aus dem Hightech-Lager

Mehr als 5.000 Artikel, über 100 Handelspartner und Aktivitäten in rund 40 Ländern: Parsa Haar- und Modeartikel, kurz: Parsa Beauty, hat sich seit ihrer Gründung 1986 zu einem der führenden Anbieter für Beauty-Accessoires in Europa entwickelt. Die Zentrale befindet sich in Sinsheim, Baden-Württemberg, daneben unterhält das Unternehmen Niederlassungen in Ungarn, Tschechien, Kroatien, Rumänien und Serbien. In den Kernvertriebsschienen Drogerie- und Fachmärkte sowie im Lebensmitteleinzelhandel werden innovative Schönheitshelfer in den Segmenten Hair, Face, Nails, Home Spa und Trend angeboten. „Wir haben ein umfassendes Sortiment, das wir kontinuierlich an Marktentwicklungen und Trends anpassen“, erklärt Heiko Hofer, Inhaber Parsa Beauty. „Wenn wir dieses Portfolio mit unseren europaweiten Handelspartnern kombinieren, entsteht eine enorme Komplexität.“

Der Warenversand an die Handelspartner erfolgt über mehrere Kanäle: Während einige Kunden klassisch über Zentralläger versorgt werden, erhalten andere ihre Bestellungen direkt in die Filialen geliefert, wo der Außendienst von Parsa Beauty die Artikel dann im Regal platziert. Internationale Lieferketten ergänzen dieses System und ermöglichen es, Warenströme bei Bedarf ohne Umwege direkt von den Produktionsstandorten in Asien an die Abnehmer in Europa und der Welt zu leiten. „Gerade in der Logistik benötigen wir eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit, um individuelle Anforderungen unserer Kunden effizient umzusetzen“, erläutert Frank Hohl, Geschäftsführer Parsa Beauty.

Parsa Beauty entschied sich deshalb, seine Systemlandschaft grundlegend modern, nah am SAP-Standard und flexibel gegenüber Neuerungen auszurichten, um weiteres Wachstum zu ermöglichen, Prozesse transparent zu steuern und gleichzeitig genügend Flexibilität für die unterschiedlichen Kundenwünsche zu bieten. „Wir wollten Netzwerke, Prozesse, Technologie, Software und Menschen zu einer steuerbaren Supply Chain verbinden, die uns Wettbewerbsvorteile verschafft“, betont Frank Hohl.

Komplexität einfach gemacht

Vor diesem Hintergrund entschied sich der Beauty-Spezialist bereits beim vorangegangenen SAP-Projekt, das in der Unternehmenslogistik anstand, für SAP S/4Hana mit Embedded EWM (Extended Warehouse Management), also für ein ERP-(Enterprise-Resource-Planning)-System mit nahtlos integriertem WMS. Darin greifen die Prozesse der Intralogistik direkt mit den zentralen Geschäftsabläufen des Betriebs ineinander.

SAP EWM deckt alle intralogistischen Aufgaben ab: Es verwaltet Chargen und Verpackungseinheiten über mehrere Lager hinweg, plant den Einsatz von Ressourcen, managt Retouren und steuert Flurförderzeuge über ein Staplerleitsystem. „Die Stärke von SAP EWM ist die große Auswahl an Werkzeugen“, erklärt Tobias Pfalzgraf, Professional SAP Consultant bei Prismat. Er begleitete das Projekt von Anfang an. „Nur wer diese Komplexität beherrscht, erhält eine leistungsfähige und zukunftssichere Lösung.“

Ware zur Person statt Marathon im Lager

Parallel zur Systemmodernisierung investierte Parsa Beauty in die physische Infrastruktur seines Hauptstandorts im badischen Sinsheim. Die Kapazitätsgrenzen waren erreicht, Kommissionierregale füllten große Teile der Lagerhalle und ließen kaum Raum für weiteres Wachstum. Die Lösung bestand aus zwei Maßnahmen: Eine neue Halle erweitert die Lagerfläche und das Lagerautomatisierungssystem AutoStore sorgt für eine deutlich höhere Kommissionierleistung. Hierbei stapeln sich die Kunststoffbehälter in einem kompakten Aluminium-Raster direkt über- und nebeneinander. Auf der Oberseite flitzen autonome Roboter auf einem Grid umher, die bei Bedarf die richtigen Behälter nach oben ziehen und zu den Kommissionierstationen bringen. Da die Roboter tiefer liegende Boxen bei Bedarf einfach umschichten, nutzt das System den vorhandenen Raum mit maximaler Dichte aus.

„Der AutoStore erhält die Aufträge vom EWM und beginnt bereits nachts ohne menschliches Zutun mit der Vorbereitung“, beschreibt Betriebsleiter Martin Stegmüller den Ablauf. Die Roboter stellen die Behälter für die Aufträge des nächsten Tages bereit. Das verkürzt die Zugriffszeiten erheblich und Parsa Beauty kann dadurch pro Arbeitskraft bis zu 16 Aufträge gleichzeitig kommissionieren. „Dank dem Prinzip ‚Ware-zur-Person‘ geht das mühelos und wir verladen termingerecht“, erklärt er. Um die Ergonomie weiter zu verbessern, gestaltete der Spezialist für Haar- und Beautyprodukte die Kommissionierstationen um. Anti-Ermüdungsmatten mit elastischer Oberfläche entlasten Gelenke und Wirbelsäule der Fachkräfte bei langen Stehzeiten. Die bewährte Pick-by-Light-Technologie blieb erhalten und unterstützt die Mitarbeitenden beim Order Picking.

Standard mit Köpfchen

Die Einführung von SAP EWM erfordert Erfahrung, weil die Software viele Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten bietet. Die Prismat setzt als Systemintegrator deshalb auf eine standardnahe Implementierung und orientiert sich an den vorgesehenen Prozessen. Individuelle Anpassungen und damit ein Abweichen vom Standard erfolgen nur dort, wo sie wirklich notwendig sind. Dieser Ansatz erleichtert spätere Updates oder Erweiterungen.

Die Steuerung der Automatisierungstechnik erfolgt über das im SAP EWM integrierte Material Flow System, kurz SAP MFS oder auch SAP EWM MFS. Die Prismat verfügt über langjährige Erfahrung mit Projekten mit MFS-Anteil, auch und gerade mit hoher Komplexität, und hat diesen Schritt ebenfalls bei Parsa Beauty begleitet.

Hand in Hand zum Hightech-Lager

Die Transformation begann im Dezember 2024 mit dem Bau der neuen Lagerhalle. Parallel arbeiteten die IT-Teams von Kardex, Prismat und Parsa Beauty an der Integration der Softwaresysteme. „Wir waren kontinuierlich im Austausch, um die Projekte voranzubringen“, sagt Artur Hecht, IT-Leiter bei Parsa Beauty. Tobias Pfalzgraf ergänzt: „Dadurch entwickelten wir gemeinsam ein starkes Standardsystem mit großer Flexibilität, das für alle Anforderungen der Zukunft gewappnet ist.“

Bereits im März 2025 ging das AutoStore-Lager in Betrieb. Damit konnte Parsa Beauty die zusätzlichen Kapazitäten frühzeitig nutzen. In den folgenden Monaten integrierten die SAP-Profis weitere Komponenten, banden die Stapler ans EWM an und optimierten alle Prozesse. Die Punktlandung erfolgte Anfang 2026: Das System ging reibungslos live und steuert seitdem den kompletten Warenfluss.

Zukunftssichere Logistik

Mit der SAP S/4Hana-Systemlandschaft hat Parsa Beauty eine zentrale Grundlage für das weitere Unternehmenswachstum geschaffen. Die Logistik kann heute deutlich höhere Mengen bewältigen. Gleichzeitig bleibt sie flexibel genug, um auf neue Anforderungen zu reagieren. Die Infrastruktur ermöglicht nun zwischen 30.000 und 40.000 Picks und in Spitzenzeiten sogar bis zu 45.000 Picks pro Tag, während das automatisierte Lager nur einen Bruchteil der bisherigen Fläche benötigt. „Diese Investition ist für uns ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft“, betont Inhaber Heiko Hofer. „Wir richten unsere Prozesse auf den Weltmarkt aus und schaffen damit einen Wachstumsbeschleuniger.“

Dank der Umstellung auf S/4Hana profitiert das Unternehmen von zusätzlichen Vorteilen: Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung und Prozesse lassen sich transparenter steuern. Damit hat Parsa Beauty seine Logistik konsequent auf die Anforderungen moderner Lieferketten ausgerichtet. Geschäftsführer Frank Hohl bekräftigt: „Wir hatten bereits 2019 eine SAP-Neueinführung gemeinsam mit Prismat. Schon damals hat uns das Team überzeugt.“