Cobot-Konzept überzeugt

Newsletter 09 dhf 26 2026
Bild: Yaskawa Europe GmbH

Die Palettierung von Pouchbeutelverpackungen in offenen Trays war bisher auch schon möglich, aber arbeitsintensiv, wenig prozesssicher und platzaufwendig. Durch den Einsatz eines Cobots von Yaskawa und einer automatisierten Palettierungsanlage von Profipack wird nun eine Taktzeit von 20s pro Tray bei hoher Prozessstabilität und kompakter Bauweise erreicht. Seit Januar ist diese Lösung bei der Privatmolkerei Bauer erfolgreich im Einsatz.

Optimierung der Produktions- und Verpackungsprozesse

Seit 1887 dreht sich bei der heutigen Privatmolkerei Bauer im bayrischen Wasserburg am Inn alles um die Verarbeitung von Milch. Mit anhaltendem und weiter wachsendem Markterfolg: Die Joghurt-, Trinkjoghurt- und Käsespezialitäten des Unternehmens sind in jeder Kühltheke vertreten und behaupten sich dort seit Jahrzehnten in einem hoch kompetitiven Umfeld.

Eine zentrale Grundlage dieser Position ist die kontinuierliche Weiterentwicklung des Portfolios durch innovative Produkt- und Geschmackskonzepte. Eine weitere ist die konsequente Optimierung und Automatisierung der Verpackungsprozesse – mit dem Ziel, die Qualität nachhaltig zu sichern und zugleich die Mitarbeiter von physisch belastenden Routinetätigkeiten zu entlasten.

Automatisierung am Schluss der Verpackungskette

Bei ihrem jüngsten Automatisierungsprojekt haben sich die Verantwortlichen der Privatmolkerei Bauer den Prozess zur Verpackung von Joghurt in Pouchbeutel vorgenommen – genauer gesagt: den Abschluss der Verpackungskette. Im Fokus stand die Aufgabe, bereits in Trays angeordnete Gebinde versandgerecht auf Euro-Paletten zu stapeln. Dieser Prozessschritt wurde zuvor manuell durchgeführt. „Primäres Ziel war die Erhöhung der Prozesssicherheit“, erläutert Anton Weber, verantwortlicher Projektleiter bei der Privatmolkerei Bauer, und ergänzt: „Zudem sollte die Palettierungslösung eine hohe Integrationsfähigkeit in bestehende Abläufe sowie eine einfache Bedienbarkeit aufweisen.“

Die zentrale Herausforderung lag weniger in der geforderten Leistung von mindestens drei Trays pro Minute, sondern in spezifischen Rahmenbedingungen: Erstens sollte die Anlage aus Platzgründen ohne Schutzzaun oder zusätzliche Sicherheitseinrichtungen auskommen. Zweitens kommen nach oben offene Trays zum Einsatz, die 40 Pouches in zehn Einzelkartons enthalten, welche beim Handling nicht verrutschen dürfen. Drittens war die Applikation von Zwischenlagen aus Karton erforderlich.

Anlagenkonzept von Profipack

Im Rahmen eines strukturierten Auswahlverfahrens entschied sich die Privatmolkerei Bauer für eine Lösung von Profipack Verpackungsmaschinen aus Österreich. Das 1998 gegründete Unternehmen ist auf Verpackungs-, Palettier-, Entlade- und Fördertechnik sowie ergänzend auf Intralogistiksysteme spezialisiert und bedient insbesondere den ‚Trockenteil‘ der Food-&-Beverage-Industrie sowie weitere Branchen.

Neben dem Leistungsportfolio und der umfassenden Erfahrung in der Molkerei- und Brauereibranche überzeugte Profipack auch durch die geografische Nähe: Der Unternehmensstandort im tirolerischen Schwoich bei Kufstein liegt lediglich rund 70km von Wasserburg entfernt.

Zur Umsetzung der Anforderung einer frei zugänglichen Anlage realisierte Profipack in diesem Projekt erstmals eine Cobot-basierte Lösung. Der kollaborative Roboter ist für den sicheren Betrieb im direkten Personenkontakt ausgelegt und übernimmt mehrere Funktionen: Er entnimmt jeweils zwei Trays mit je zehn Einzelverpackungen aus dem vorgelagerten Packer und platziert diese auf einen von zwei Palettenplätzen. Nach Erreichen der maximalen Stapelhöhe erfolgt ein automatischer Wechsel, sodass die volle Palette ausgetauscht werden kann. Zusätzlich appliziert der Cobot eigenständig Karton-Zwischenlagen. Der Prozess ist derzeit für drei unterschiedliche Pouch-Formate beziehungsweise Gewichte ausgelegt und kann bei Bedarf um weitere Programme erweitert werden.

Cobot mit MRK-Leichtbau-Vakuum-Greifsystem

Als langjähriger Systempartner von Yaskawa setzte Profipack Verpackungsmaschinen auch in seinem ersten Cobot-Projekt auf ein Modell dieses Herstellers: Eingesetzt wird ein sechsachsiger HC20DTP mit 20kg Traglast und 1.900mm Arbeitsbereich. Schaltschrank und Steuerung sind platzsparend im Sockel integriert.

Die Cobot-Modelle der DTP-Serie (P für Plug&Play) verfügen über einen Adapterflansch, der sich als De-facto-Standard zur Anbindung von Peripherie wie Greifern etabliert hat. Zudem ist die Medienführung für Ethernet, I/O und Druckluft im Inneren des Roboterarms integriert, wodurch Störkonturen vermieden und die Reinigungsfähigkeit verbessert werden.

Eine optimierte Kabelführung ermöglicht erweiterte Bewegungsradien der Achsen und erhöht damit die Flexibilität im Einsatz. Für die Programmierung stehen Bedienelemente am Handgelenk zur Verfügung. Diese vereinfachen das Anlernen per Handführung, da Positionsbestätigungen direkt am Roboter erfolgen können.

In der vorliegenden Anwendung ist der Cobot mit einem von Profipack entwickelten modularen MRK-Leichtbau-Vakuumgreifer ausgestattet, der jeweils zwei Trays gleichzeitig aufnimmt. Dies steigert den Durchsatz und stabilisiert zugleich die offenen Trays während der Palettierung. Eine leichte Neigung des Greifers sorgt zusätzlich für sicheren Halt der Verpackungen.

Das individualisierte Sicherheitskonzept für die Mensch-Roboter-Kollaboration wurde von Yaskawa umgesetzt, die das Projekt zudem eng begleiteten. „Wir wurden intensiv unterstützt“, resümiert Hannes Langreiter, technischer Vertrieb bei Profipack, und betont die positive Wirkung der Zusammenarbeit auch auf Kundenseite.

Fazit

Seit Januar ist die Pouchbeutel-Palettierungsanlage bei der Privatmolkerei Bauer im Betrieb und erfüllt die Anforderungen im Produktionsalltag. Die Anlage erreicht 20s Taktzeit pro Tray bei hoher Prozessstabilität und fügt sich nahtlos in die Verpackungslinie ein. Der Cobot übernimmt zusätzlich die Applikation von Zwischenlagen und ermöglicht durch flexible Programmierung die Anpassung an unterschiedliche Pouchformate.

„Das System arbeitet sicher und platzsparend ohne zusätzliche Schutzeinrichtungen“, resümiert Projektleiter Anton Weber. „Zudem ist die Lösung robust und industrietauglich. Auch nach mehreren Monaten im Drei-Schicht-Betrieb bestätigt sich die richtige Investitionsentscheidung.“ Die positive Zusammenarbeit hat bereits den Grundstein für weitere gemeinsame Projekte gelegt.