Paletten-Pooling für echte Kreislaufwirtschaft

Weltweit befassen sich Unternehmen kontinuierlich mit der Verbesserung ihrer Supply Chain. Es wird nach Lösungen gesucht, Lieferketten gegen aktuelle Herausforderungen wie Holzpreise und -knappheit, steigende Spritkosten und Transportengpässe resilienter und insgesamt effizienter zu gestalten. Dabei gilt es, die Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein Thema, das in diesem Zusammenhang immer mehr diskutiert wird, ist der Aufbau einer Circular Economy. Diese zielt darauf ab, Abfälle zu vermeiden und den Verbrauch von Ressourcen durch deren kontinuierliche Wiederverwendung zu minimieren. Auf diese Weise verlängert sich der Lebenszyklus von Produkten und Abfälle reduzieren sich auf ein Minimum. Wie kann in der Logistik die Transformation zu einer echten Kreislaufwirtschaft wirklich gelingen?
 Mit dem weltweit größten Pool an wiederverwendbaren Ladungsträgern ermöglicht es Chep seinen Kunden, ihre Lieferkette zirkulärer, nachhaltiger und effizienter zu gestalten.
Mit dem weltweit größten Pool an wiederverwendbaren Ladungsträgern ermöglicht es Chep seinen Kunden, ihre Lieferkette zirkulärer, nachhaltiger und effizienter zu gestalten.Bild: CHEP Deutschland GmbH

Vor mehr als 60 Jahren hat Chep das Paletten-Pooling eingeführt. Das in sich nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodell basiert auf dem Teilen und Wiederverwenden von Paletten und Containern in der globalen Lieferkette. Hersteller erhalten die Ladungsträger auf Mietbasis, um ihre Waren in das Distributionscenter vom Händler zu transportieren. Dort angekommen und abgeladen, werden die nicht mehr benötigten Paletten von Chep abgeholt und im nächstgelegenen Service Center gereinigt, gewartet und gegebenenfalls repariert. Anschließend werden sie in die Lieferkette zurückgeführt, um den Kreislauf erneut zu beginnen. Das klingt einfach; hinter jeder Palettenbewegung steht jedoch eine komplexe Logistik. Diese funktioniert nur, wenn alle am Pool beteiligten Akteure die Ladungsträger umgehend retournieren und so die Supply Chain am Laufen halten. Nur so wird sichergestellt, dass sich die Paletten schnell drehen, was am Ende auch der Umwelt zugutekommt.

Gleich ob es sich um ein kleines lokales Start-up, einen E-Commerce-Anbieter oder einen großen Hersteller handelt, der ganz Europa mit seinen Waren versorgt: Die Unternehmensgröße spielt bei diesem Prinzip keine Rolle. Die komplette Verwaltung, Rückführung und Qualitätssicherung der Paletten kommen aus einer Hand. Tätigkeiten wie die Abfallbeseitigung entfallen, was zu schlankeren Prozessen führt. Beim Service Chep Promotion World erhalten Kunden auf Wunsch sogar das Kommissionieren und Versenden ihrer Ware.

 Sobald die Paletten leer sind, holt der Pooling-Anbieter sie beim Einzelhandel ab und kümmert sich um deren Rückführung in das nächstgelegene Service-Center - dort werden die Ladungsträger geprüft und bei Bedarf repariert.
Sobald die Paletten leer sind, holt der Pooling-Anbieter sie beim Einzelhandel ab und kümmert sich um deren Rückführung in das nächstgelegene Service-Center – dort werden die Ladungsträger geprüft und bei Bedarf repariert.Bild: CHEP Deutschland GmbH

Mit weniger mehr bewegen

Pooling funktioniert auf der Basis von Mieten, was Herstellern Effizienzvorteile bietet. Mit diesem Modell zahlt er nur für die Nutzung der Palette, anstatt die Kosten für den Kauf zu tragen und so Kapital zu binden. Die Kosten sind besser planbar und lassen sich insgesamt effizienter gestalten. Diverse Lösungen rund um die Palette erweitern den Service. Durch eine umfassende Analyse der Lieferketten ermittelt Chep z.B. Bereiche, in denen sich durch Transportkollaborationen Leerkilometer reduzieren lassen. Die optimale Auslastung von Lkws durch das Kombinieren von leichter mit schwerer Ware kommt hier ebenso zum Einsatz wie das Teilen von Fahrten.

Doch wie funktioniert das Pooling von Paletten und anderen Ladungsträger konkret? Kunden bestellen die benötigte Menge an Paletten über das Online-Portal myChep. Einmal geliefert, beladen Hersteller die Paletten mit ihren Produkten und versenden diese an ihre Kunden wie den Einzelhandel. Der Versand wird in das Online-Portal myChep eingetragen. Sobald die Paletten leer sind, holt der Pooling-Anbieter sie beim Einzelhandel ab und kümmert sich um deren Rückführung in das nächstgelegene Service-Center. Auch hier wird darauf geachtet, dass im besten Fall der Lkw voll beladen ist, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Dort werden die Ladungsträger geprüft und bei Bedarf repariert. Kunden sind nur für den Zeitraum verantwortlich, in dem sich die Paletten in ihrem Bestand befinden. Der administrative Aufwand ist im Gegensatz zur weißen Tauschpalette gering, bei der Tauschkonten erfasst, gepflegt und bei Bedarf neue Paletten angeschafft werden müssen. Differenzen beim Tausch fallen ebenso weg wie Diskussionen an der Rampe aufgrund mangelnder Qualität. Zu Beginn der Zusammenarbeit steht eine umfassende Bedarfsanalyse mit dem Kunden: Wie viele Paletten werden im Jahr und wie viele Paletten wöchentlich gebraucht? Gibt es Tage mit einem höheren Bedarf? Schwankt der Palettenbedarf saisonal wie z.B. zu Weihnachten? Die stabile, transparente Preisstruktur hilft, versteckte Kosten zu beseitigen.

Die eigene Ökobilanz verbessern

Wenn Hersteller auf Paletten-Pooling umstellen, machen sie nicht nur ihre Lieferkette effizienter, sondern kommen auch ihren Nachhaltigkeitszielen einen Schritt näher und reduzieren ihre Umweltauswirkungen. Allein durch die Verwendung der Chep Holzpalette, die zu 100 Prozent aus zertifizierten Quellen stammt, oder der 100 Prozent recyclebaren und CO2-neutralen Chep-Viertelpalette, meistgenutzte Display-Plattform im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, verbessern Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck. Hochwertige, wiederverwendbare Paletten ersetzen Einwegverpackungen und vermeiden Müll. Zusätzlich verhindern das Reparieren und Wiederverwenden der Ladungsträger umweltbelastenden Abfall. Mit dem Online-Tool ‚Power of Pooling‘ lassen sich neben der Kostenersparnis schnell und einfach Umwelteinsparungen berechnen.

Vorreiter für regenerative Lieferketten

Chep verfolgt seit seinen Anfängen ein in sich nachhaltiges Modell. Seit 2020 geht das Unternehmen einen Schritt weiter und hat eine noch ehrgeizigere Strategie eingeführt: Diese zielt darauf ab, bis 2025 regenerative Lieferketten aufzubauen. Das bedeutet, ‚über Null hinauszugehen‘ und dem Planeten und der Gesellschaft mehr zurückzugeben, als es für die Ausübung seiner Geschäftstätigkeit benötigt.

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