Es gab zu Beginn des Jahres eine Flut von Artikeln über das, was uns in den 2020er Jahren erwartet – und wie es in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft weitergehen wird. Nachhaltigkeit, digitale Geschäftsmodelle und Energieversorgung waren nur einige von vielen Top-Themen. Der Beitrag mit der Überschrift ‚Deutschland kann sich schlechte Arbeit nicht mehr leisten‘ von Florian Diekmann auf ‚Spiegel-Online‘ war einer, der besondere Aufmerksamkeit erregte. Der Mann hat Recht! Es ist spannend, diesen Satz für uns und unsere Logistik-Community zu reflektieren. Deutschland hat den weltweit größten Handelsüberschuss. Deutschland ist laut Weltbank Logistikweltmeister. Und jetzt auf einmal kann sich dieses Land schlechte Arbeit nicht mehr leisten? Hintergrund des Beitrags war eine Analyse über die demographische Entwicklung in unserem Land und die in Zukunft fehlenden Fachkräfte. Betrachten wir diesen Satz einmal vor dem Hintergrund unserer Themen in Industrie und Logistik. Wir sehen schnell, dass tatsächlich einiges kritisch betrachtet und auch infrage gestellt werden muss. Als wirtschaftlicher Leuchtturm in der EU ging es uns und unseren Unternehmen sehr gut. Für Projekte, die Neuerungen betrafen (sei es die Einführung neuer Technologien, sei es bei modernen Themen wie Digitalisierung, Internet of Things, ganzheitliche, kollaborative SCM-Lösungen, Blockchain, um nur ein paar zu nennen), hieß es häufig: Für solche Themen fehle die interne Expertise. Oder alternativ: Man habe keine Zeit, sich um solche Themen zu kümmern. Der Ausblick in die Zwanziger Jahre sieht etwas anders aus: Die Wirtschaft sendet in vielen Bereichen rückläufige Daten, man kratzt so gerade an einer Rezession vorbei. Jetzt hört man schon aus einigen Unternehmen, dass für die oben genannten modernen Themen kein Budget da sei. So beißt die Katze sich in den Schwanz, wenn man den Satz mit der ’schlechten Arbeit‘ betrachtet. Für das Supply Chain Management dieser Firmen bedeutet dies, dass hervorragend ausgebildete – und gut bezahlte – Fachleute in Industrie und Logistik stundenlang Daten zusammensuchen und hunderte E-Mails in der Woche zu bearbeiten haben. Sie müssen sich mit Medienbrüchen und Silo-Lösungen wie hausinternen ERP-Systemen, LVS-Lösungen, E-Mails und Excel herumplagen, um auf Basis der Daten und Informationen überhaupt Entscheidungen treffen zu können. Ein ganzheitlicher Ansatz für Produktion, Logistik, partnerübergreifend und kollaborativ ist von so einem veralteten Vorgehen meilenweit entfernt. Fachkräfte könnten insgesamt weitaus intelligentere Arbeiten verrichten als tagtäglich viel Zeit mit Datensuche, -anfrage und Zusammenstellung zu verlieren. Manuelle Datenüberträge, Mehrfachpflege, Zahlendreher, Zeitverluste etc: Das alles erhöht stark die Fehlerquellen, was schlimmstenfalls zu fehlerhaften Analysen, Fehlinterpretationen und falschen Entscheidungen führen kann. Vor dem Hintergrund, dass die Konjunktur eventuell abnimmt und dem prognostizierten Fachkräftemangel, muss es das Ziel für Unternehmen in den Zwanzigern sein, modernste Tools einzusetzen und integrative, prozessoptimierte, unternehmensübergreifende Lösungen einzuführen. So – und nur so – bleiben die Firmen global wettbewerbsfähig. Das Management eines Unternehmens, egal ob aus Industrie, Handel oder Logistik, muss sich bei dieser prognostizierten Situation mehr denn je die Frage stellen: „Wann, wenn nicht jetzt!“. www.setlog.com
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