Sportliche Leistung bei maximaler Lagerdichte

Sie waren 2021 die Gewinner des Ifoy-Awards in der Kategorie 'Start up oft he Year': Volume Lagersysteme. Mit der dhf Intralogistik-Redaktion sprach CEO Mikhail Voloskov über das Paletten-Shuttle-System Volume Wave und bezifferte dabei auch konkrete Einsparpotenziale im Vergleich zu gängigen Lösungen.
 Mikhail Voloskov, 
CEO, Volume Lagersysteme
Mikhail Voloskov, CEO, Volume LagersystemeBild: VOLUME LAGERSYSTEME GmbH

– Herr Voloskov, zu Beginn eines jeden Jahres stehen Umfragen hoch im Kurs. Welche Trends dominieren 2022 aus Ihrer Sicht, speziell im Bereich der Intralogistik?

Mikhail Voloskov: Automatisierung, Digitalisierung, Flexibilisierung und Rationalisierung sind weiterhin die bestimmenden Themen. Unternehmen sehen hier einen großen Handlungsbedarf, wobei die Pandemie wie ein Turbobeschleuniger wirkt. Personalknappheit bei parallel steigenden Kosten, Produktivitätsverluste, ein schwer kalkulierbares Nachfrageverhalten und die Forderung nach kurzen Lieferzeiten bei immer kleineren Liefermengen sind Herausforderungen, für die die Intralogistik Lösungen finden muss. Hinzu kommt der Trend zur Urbanisierung. Wer ein Lager in Kundennähe betreiben möchte, um die Endabnehmer auf schnellstem Wege mit den gewünschten Waren versorgen zu können, steht vor dem Dilemma, dass die Grundstückspreise in den Großstädten nahezu explodieren.

– Und hier kommt dann Volume Wave ins Spiel?

Voloskov: Genau. Unser Paletten-Shuttle-Lager bietet die höchste Flächenauslastung auf dem Markt. Das Ultrakompaktsystem ermöglicht es, die maximale Menge an klein- und auch großvolumigen, palettierten Waren auf begrenzter Fläche zu lagern. Die zu erzielende Lagerdichte ist vergleichbar mit der eines Kanallagers, allerdings mit dem Unterschied, jederzeit auf jede einzelne Zelle zugreifen zu können. Aufgrund des reduzierten Flächenbedarfs können Unternehmen in den Metropolen einfach kleiner bauen. Das kompensiert hohe Grundstückskosten und die örtliche Nähe zum Kunden zahlt sich langfristig aus, da auch Lieferkonzepte wie ‚Same-Day-Delivery‘ umsetzbar sind.

– Was bedeutet das konkret? Wieviel Platz lässt sich etwa im Vergleich zu Breitganglagern oder einem Lager mit Regalbediengeräten einsparen?

Voloskov: Die Quote liegt bei etwa 40 Prozent, da Gassen zwischen Regalzeilen entfallen. Eine exakte Berechnung ist natürlich immer abhängig von der Lagerkonfiguration. Stellen Sie sich folgendes Beispiel vor: In einem aktuellen Projekt geht es um den Neubau eines 7-gassigen, 32m hohen Tiefkühllagers mit einer Grundfläche von 2.025m². Bei doppeltiefer Lagerung wären dort 10.900 Euro-Paletten-Stellplätze realisierbar. Eine Vergleichsrechnung hat ergeben, dass bei Einsatz unseres Shuttle-Systems im gleichen Kubus dank der erhöhten Lagerdichte weitere 4.934 Plätze hinzugewonnen werden. Möchte man es bei der ursprünglich zugrunde gelegten Stellplatzanzahl belassen, verringert sich die erforderliche Grundfläche auf 1.395m². Sie sparen somit umgerechnet etwa ein Drittel der Fläche eines Eishockeyfeldes ein. Bei gleichbleibender Kapazität kann mit 23m aber auch niedriger gebaut werden. Das mit teuren Folgekosten verbundene, dauerhaft zu kühlende Volumen reduziert sich so um den Faktor 3,5. In diesem Fall werden auch weniger Shuttles und Ferrys benötigt.

– Das ist eine Ansage. Von welchen Durchsatzleistungen sprechen wir in diesem Zusammenhang?

Voloskov: Kompaktheit und Performance rangieren in der Regel am gegenläufigen Ende eines Spektrums. Volume Wave vereint hingegen beides in einem System. Im vorab geschilderten Fall sind bei Einsatz von acht Liften bis 200 Doppelspiele je Stunde möglich. Bei Regalbediengeräten wären es 185. Damit fällt die Leistung etwas höher aus, ist aber in etwa vergleichbar. Der springende Punkt ist tatsächlich, wesentlich kompakter bauen zu können und direkten Zugriff zu jedem Stellplatz zu behalten. Mit Volume Wave sind Unternehmen darüber hinaus deutlich flexibler aufgestellt, da die Lösung skalierbar ist. Bei steigenden Durchsatzanforderungen lassen sich Shuttles und einzelne Lifte einfach sukzessive hinzufügen. Die Leistung ist zwischen 80 und 300 Paletten pro Stunde flexibel parametrierbar.

– Wie sieht es beim Thema Energieeffizienz aus?

Voloskov: Durch die Kompaktbauweise des Volume Wave und dank der integrierten Energierückgewinnung lässt sich der Verbrauch im Vergleich zu Regalbediengeräten, die immens viel Strom ziehen, um mehr als ein Drittel senken. Über den eigens entwickelten Materiaflussrechner inklusive Lagerplatzverwaltung ist darüber hinaus eine vorausschauende Steuerung der einzelnen Gewerke unter Berücksichtigung der tagesaktuellen Auftragslast möglich, sodass Energie nicht ungenutzt verpufft und Kosten unnötig in die Höhe getrieben werden. Denn Spitzenleistungen sind nicht durchgängig erforderlich. Die Rover bzw. Shuttles sind zudem mit Supercaps ausgestattet, die sich binnen 30 Sekunden aufladen lassen.

– Okay, wir sprachen bereits über den Flächenbedarf. Welche Bauhöhen sind möglich und wie einfach oder auch schwierig ist die Integration Ihrer Lösung – vor allem in Brownfield-Projekte?

Voloskov: Betreiber können zwischen vier bis 40m wählen. Bauliche Restriktionen sind nahezu ausgeschlossen, da auch eine Anpassung an bestehende, eher unkonventionell gestaltete Kubaturen möglich ist. Außerdem sind für die Installation keine besonderen Vorkehrungen zu treffen, ein einfacher Industriefußboden reicht aus. Bestandsimmobilien lassen sich so relativ einfach um- bzw. automatisiert aufrüsten. Interessant ist dies, wie bereits eingangs angesprochen, auch angesichts des Trends zur Urbanisierung. Betreiber können kleinere Micro-Fulfillment-Center bzw. Micro-Hubs einrichten, über die sie die wachsenden Quick-Commerce-Anforderungen effizient bedienen. Volume Wave kann zudem – ergänzend zum vorhandenen Regalbediengerätelager – als Sequenzpuffer genutzt werden. Das hat den entscheidenden Vorteil, Waren beispielsweise in der Nacht tourengerecht für den nächsten Tag bereitstellen zu können. Bei einer beispielhaften Leistung von 200 Spielen pro Stunde können so bis zu zehn Lkw in der Stunde beladen werden.

– Das klingt alles sehr vielversprechend. Wann werden wir das erste realisierte Kundenprojekt in Augenschein nehmen können?

Voloskov: Kurz vor der Fertigstellung steht ein produktionsnahes Lager im Frankfurter Raum mit 1.000 Palettenplätzen. Drei Ebenen sind für Langgut bestimmt, weitere drei Ebenen für Industriepaletten. Das Shuttle-System mit integriertem Materiaflussrechner wird in eine Bestandshalle mit einem Footprint von 18x16m eingebracht. Die Inbetriebnahme ist Ende des zweiten Quartals 2022 geplant.

– Herr Voloskov, ich bedanke mich für

das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. www.volume.eu

Das könnte Sie auch Interessieren

Anzeige

Anzeige

Bild: SpanSet GmbH & Co. KG
Bild: SpanSet GmbH & Co. KG
Was heißt: 
„In Anlehnung an die Norm“?

Was heißt: „In Anlehnung an die Norm“?

Dürfen Produkte, die das GS-Prüfzeichen und gleichzeitig den Zusatz „in Anlehnung an die Norm“ tragen, verwendet werden, als seien sie nachweislich sichere Produkte beziehungsweise Arbeitsmittel? Die Antwort lautet: Ja! Doch der Hinweis „in Anlehnung“ sorgt für Unbehagen. Es ist Zeit, über die Hintergründe zu informieren, die heutige Norm zu interpretieren und sie bei nächster Gelegenheit anzupassen. Es geht um die EN 12195-2.

Bild: VETTER Industrie GmbH
Bild: VETTER Industrie GmbH
Gabelzinken-Hersteller 
mit Tradition

Gabelzinken-Hersteller mit Tradition

Vetter ist heute einer der führenden Hersteller von Gabelzinken in Europa. An Produktionsstandorten in Deutschland und den USA wird das wohl umfangreichste Gabelzinken-Produktprogramm für die Flurförderzeugindustrie gefertigt. Mit Einführung der SmartFork – der intelligenten Gabelzinke mit integrierter Kamera- und Sensortechnik – ist Vetter Schrittmacher für mehr Sicherheit beim Staplereinsatz und einer erfolgreichen Logistik 4.0.

Bild: Körber AG
Bild: Körber AG
Warehouse der Zukunft

Warehouse der Zukunft

Körber unterstützt mit seinem Geschäftsfeld Supply Chain den Sportfachhändler Intersport beim Neubau und der Erweiterung des Zentrallagers in Heilbronn. Von der Planungsphase bis zur Finalisierung zeichnet Körber sich verantwortlich für die praktische Umsetzung eines vollautomatisierten Lagers, das nicht nur technologisch State of the Art ist, sondern auch den wachsenden Bedarf an intelligenter Lagerkapazität in den kommenden Jahren abdecken kann.

Bild: Schulte-Henke GmbH
Bild: Schulte-Henke GmbH
Sicherer Transport von 
Elektro- und Konsumgütern

Sicherer Transport von Elektro- und Konsumgütern

Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen haben eine Gemeinsamkeit. Sie alle werden mit Hilfe von Karton- und Geräteklammern mittels Gabelstapler schnell und sicher transportiert. Da Stabau seine Kunden in schnellwachsenden Branchen wie der Konsumgüter- und Elektronikindustrie bestmöglich unterstützen möchte, bietet das Unternehmen zahlreiche Varianten des Anbaugeräts und individuelle Sonderlösungen an.

Anzeige

Anzeige

Anzeige