Prozesse neu gestalten – S/4HANA-Vorstudie gibt Sicherheit

Mit dem Umstieg auf SAP S/4HANA gehen Unternehmen den ersten Schritt, um Prozesse neu und digital zu denken. Von der Produktion über Logistik und Finanzen bis zum Vertrieb - in allen Bereichen besteht die Chance, historisch gewachsene Strukturen sowie Prozesse zu prüfen, sie neu zu gestalten und, durch ein modernes ERP-System, die Voraussetzungen für das Thema IoT zu schaffen.
Ein S/4HANA-Vorprojekt bringt Sicherheit für die Transformation im Unternehmen.
Ein S/4HANA-Vorprojekt bringt Sicherheit für die Transformation im Unternehmen.Bild: abat AG

Drei Schritte haben sich als Best-Practice in der Transformation von Unternehmen etabliert. Dabei bedient man sich aus einem Baukasten von Ansätzen, Tools und Methoden der Transformations-Experten. Auf Basis eigener Präferenzen können Unternehmen jedoch ihren individuellen Weg zur erfolgreichen Einführung von S/4HANA finden. Von der Erstellung einer Roadmap und dem „Was?“ über die Vorstudie und dem „Wie?“ bis zur Realisierung und dem „Umsetzen!“, bieten sich individuelle Einstiegsmöglichkeiten.

Große Vorteile einer SAP S/4HANA-Einführung sind, moderne Technologien wie IoT, künstliche Intelligenz sowie weitere aktuelle IT-Errungenschaften für das Unternehmen nutzen zu können. Die Verwendung cloudbasierter Lösungen findet hierbei immer mehr Zuspruch und etabliert sich neben On-Premise-Lösungen. Doch welcher Ansatz für ein Unternehmen der ideale ist, muss individuell betrachtet werden. Es handelt sich dabei keineswegs um ein reines IT-Thema. Bereiche wie Prozess-Governance sowie die Erstellung eines ersten Change-Management-Maßnahmenplans, um von Anfang an durch Transparenz und zielgerichtete Kommunikation den maximalen Buy-in der Mitarbeiter herzustellen, sind essenziell.

Wie gestaltet sich also der Weg in die Zukunft? Was passiert mit den bestehenden logistischen Prozessen? Komplexe Systemverbunde auflösen und ins SAP integrieren, alte „Prozesszöpfe“ in der Logistik abschneiden und im Rahmen eines Greenfield-Ansatzes ganz neu aufsetzen oder doch die etablierten Prozesse im Rahmen eines Brownfield-Ansatzes sichern?

Große Vorteile einer SAP S/4HANA-Einführung sind, moderne Technologien wie IoT, künstliche Intelligenz sowie weitere aktuelle IT-Errungenschaften nutzen zu können.
Große Vorteile einer SAP S/4HANA-Einführung sind, moderne Technologien wie IoT, künstliche Intelligenz sowie weitere aktuelle IT-Errungenschaften nutzen zu können. Bild: abat AG

Zurück zum Kern und damit in die Zukunft

Durch die Ankündigung der SAP, das SAP ECC Ende 2027 aus der Wartung und das SAP Warehouse Management (WM) auf SAP S/4HANA unter dem Stock Room Management laufen zu lassen, stehen immer noch viele Unternehmen vor der Entscheidung, worauf sie zukünftig setzen sollen. Ein Schritt für die Integration der eigenen Lagerverwaltung in die S/4HANA-Welt der SAP ist die Verwendung des Embedded Extended Warehouse Management (SAP Embedded EWM). Im Gegensatz zur bisherigen dezentralen Lagerverwaltung mit SAP EWM stellt die nun ermöglichte zentrale Lösung eine höhere Benutzerfreundlichkeit und eine vereinfachte Architektur bereit. Erstmals wurde ein Embedded EWM mit dem SAP S/4HANA Release 1610 ausgeliefert. Dazu ist mit dem Embedded Transportation Management (SAP Embedded TM) ein weiteres „Satellitensystem“ optional in den Kern zurückgekehrt. Wenn jetzt TM und EWM jeweils embedded eingesetzt werden, entfalten sich endlich die Potenziale gemeinsamer integrierter Prozesse und Strukturen im SAP-S/4HANA-System.

Integration erhöht die Wettbewerbsfähigkeit

Beide zukunftsweisende Systeme haben das Ziel, dass der weltweite oder regionale Warenfluss schnell und reibungslos verläuft. Das Zusammenspiel dieser modernen Systeme wird durch die SAP immer weiter vorangetrieben und die Prozesse aufeinander abgestimmt, um die Erreichung der geschäftlichen Zielsetzungen zu ermöglichen. Dieser integrative Ansatz zwischen EWM und TM kann Unternehmen helfen, operative Logistikprozesse zu optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken. Da eine ideale Auslastung der Lkw ebenso relevant ist, wie die Existenz schlanker Lagerprozesse, ist eine gute Integration und Kommunikation über beide Systeme hinweg ein echter Mehrwert.

So ist es bei der Integrationsanalyse von Lager- und Transportprozessen hilfreich, frühzeitig zu entscheiden, welches System über die Dispositionshoheit verfügen soll. Hierzu können die Versandarten herangezogen werden. Ist beispielsweise im Bereich Stückgut keine Vorlaufzeit für die Planung vorhanden, stehen Angaben zu Liefermengen erst taggleich zur Verfügung. Transportmittel (z.B. Wechselbrücken) werden täglich geordert und über das Scannen von Handling Units beladen. Hier liegt die Dispositionshoheit sinnvollerweise im Lager und somit im EWM. Um die Vorkommissionierung systemseitig abzubilden, werden im TM „Frachtauftragshüllen“ mit bekanntem Ankunftsdatum und Ziellokation angelegt. Das Setzen des Freigabe-Status übergibt den Frachtauftrag an das EWM. Nach Übergabe wird eine Transporteinheit angelegt, die durch Informationen und Status aus dem Lagerprozess ergänzt wird. Anschließend erfolgt ein Update an das TM.

Ein S/4HANA-Vorprojekt bringt Sicherheit für die Transformation

Um die Mehrwerte der beschriebenen TM-EWM-Integration zu heben, ist die Transformation zu S/4HANA unumgänglich. Doch wie schon beschrieben: Etablierte Prozesse beibehalten? Oder alte Zöpfe abschneiden und die Dinge neu denken? Eine Antwort darauf zu geben ist nicht möglich, ohne die Systemlandschaft auf Zukunftsfähigkeit zu prüfen, ohne individuelle Prozesse und Anforderungen zu berücksichtigen, ohne Abhängigkeiten zwischen den Systemen zu berücksichtigen und ohne Risiken der Umstellung zu erkennen. Viele Kunden entscheiden sich deshalb für einen stufenweisen Umstieg, beispielsweise je Organisationseinheit oder Prozesscluster. Es geht also um das „Wie und mit welchen Mitteln möchten Unternehmen die Strategie umsetzen?“ Ein Transformationsmanagement sowie der Aufbau eines IT-Konzeptes kann darum beim Umstieg auf SAP S/4HANA helfen.

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