
Inzwischen ist Trex.Parts nicht mehr der Herausforderer, der den Markt abwartend beobachtet, sondern eine auf Wachstum ausgerichtete Multi-Marken-Plattform für Ersatzteile von Gabelstaplern und vielen anderen Flurförderzeugen. Im Jahr 2025 lag der Umsatz bei 42,9 Mio. Euro und damit mehr als 16 Prozent über dem Vorjahresumsatz. Auch für dieses Jahr erwartet Trex.Parts ein Wachstum in vergleichbarer Größenordnung. Die Gründung war Ergebnis einer präzisen Planung und Marktlogik. Die Fricke Gruppe brachte Erfahrung aus dem B2B-Ersatzteilhandel mit. Jungheinrich steuerte seine Expertise im Flurförderzeuggeschäft bei. Böttcher formuliert den Anspruch der Gründung in zwei Worten: „Think big“. Ohne die solide Finanzkraft der beiden 50:50-Gesellschafter mit ihren hohen Vorfinanzierungen, deren logistische Expertise und Online-Know-how wäre die Anlaufhürde wohl kaum zu bewältigen gewesen. Denn es brauchte Produktmanagement, Vertrieb, Marketing, Pricing, IT, Lager und Datenqualität, lange bevor der Umsatz diese komplexen Strukturen tragen konnte.
Vertrauen und 2.000 Lieferanten gewonnen
Der Markt reagierte zunächst teils skeptisch. Einige Lieferanten glaubten und Wettbewerber hofften wohl, Trex.Parts sei nur der nächste kleine Anbieter, der bald wieder verschwinden oder übernommen werde. Auch Kunden kannten solche Erfahrungen. Hinzu kam ein zweites Vorurteil: Da Jungheinrich einer der Gesellschafter ist, vermuteten manche Hersteller und Kunden eine Dominanz der weltweiten Nummer drei der Flurförderzeug-Branche (hinter Toyota und Kion). Für Böttcher war in diesem Zusammenhang die Klärung entscheidend, dass Trex.Parts als unabhängige Multi-Marken-Plattform agiert. Große Staplermarken wie Toyota, Linde, Heli, Jungheinrich und viele andere stehen im Online-Shop gleichberechtigt nebeneinander. Inzwischen arbeitet Trex.Parts heute mit mehr als 2.000 Herstellern und Lieferanten zusammen.
Lagererweiterung als Meilenstein
Die Hallenerweiterungen unterstreichen den Erfolg des Unternehmens. Es startete mit rund 2.000m² Lagerfläche. Schon nach wenigen Jahren kamen weitere 4.000m² hinzu. Für Böttcher war dies mehr als ein logistischer Vorgang. Er hat einen LKW-Führerschein, packte zusammen mit Mitarbeitern bei der Erweiterung selbst mit an, fuhr Teile ins neue Lager und räumte sie mit den Kolleginnen und Kollegen ein. Die Lagererweiterung wurde zugleich ein Team-Ereignis. Mit einer dritten Halle und insgesamt mehr als 13.000m² ist die Infrastruktur entsprechend der erhöhten Nachfrage weiter gewachsen. Teile, die bis 18 Uhr bestellt und im Bestand sind, werden noch am selben Tag versendet. „Das ist entscheidend in unserem Geschäft, denn Stillstand will sich keiner leisten“, sagt Böttcher.
Transparenz statt Teile-Dschungel
Der Webshop ist das Herzstück der Online-Plattform. Mehr als 14 Millionen Artikelreferenzen zeigen, wie komplex der Markt und das Angebot ist: Einfache Schrauben können je nach Hersteller, Maschine und Einbauvariante viele Artikelnummern haben. Über Suchfunktionen, Produktfinder, Vergleichmenüs und Beratung findet der Kunde die passende Lösung für seine Anfrage. Er bekommt eine Auswahl mit verschiedenen Qualitätsstufen: Originalteile der Hersteller, Erstausrüsterqualität und hochwertige Alternativen beziehungsweise Ident- oder Nachbauteile unter eigener Marke. Entscheidend ist die Wahlfreiheit: Für ein älteres Gerät kann vielleicht die wirtschaftliche Alternative sinnvoll sein, bei einer neueren Maschine eher das Originalteil.
Unabhängig von der gewählten Qualitätsstufe investiert Trex.Parts in Prüfung und Qualitätssicherung. Dafür sorgen ein eigenes Qualitätsmanagement, Material- und Maßprüfungen, Lieferantenaudits, das Qualitäts-Know-how der Fricke Gruppe sowie externe Labore und Prüfinstitute. „Wer wie wir den eigenen Unternehmensnamen für Alternativteile verwendet, muss im gesamten Sortiment eine durchgängig hohe Qualität liefern“, sagt Böttcher.

Digitaler Handel mit menschlicher Nähe
Über 90 Prozent des Trex.Parts-Umsatzes laufen über den Webshop. Gleichzeitig sieht Böttcher Außendienst als unverzichtbar an. Die Außendienstmitarbeiter sind für ihn weniger Verkäufer als Berater. Sie erklären Plattform, Qualitäts- und Preisstufen und technische Hintergründe. Die eigentliche Bestellung erfolgt häufig erst später, wenn der Kunde vor einer konkreten Reparatur steht und den Webshop nutzt.
Künstliche Intelligenz – ein Thema?
Auch beim Thema KI zeigt Trex.Parts eine klare Linie. Künstliche Intelligenz hilft im Hintergrund im Hinblick auf Datenstrukturen, Sortierung, Organisation, Bestandslogistik und perspektivisch bei standardisierten Prozessen. In der Kommunikation mit den Kunden soll kein Chatbot die persönliche Beratung ersetzen. Wer vor einem Stapler steht und die relevanten Teile-Nummern nicht parat hat, soll stets einen kompetenten Menschen erreichen. Nach Erhalt einer Beschreibung oder eines Fotos identifiziert dieser schnell das benötigte Ersatzteil.
Europa als Wachstumsmarkt
Im Gründungsjahr lag für Trex.Parts der Schwerpunkt noch auf Deutschland. Die ersten Exportmärkte waren die Niederlande und Polen. Heute liefert Trex-Parts in mehr als 60 Länder; der Umsatzanteil in Deutschland hat sich dementsprechend nivelliert und beträgt derzeit ca. 25 Prozent. Besonders stark entwickelt hat sich das Unternehmen in den großen europäischen Märkten wie Italien, Frankreich und Polen. In Frankreich und Belgien ist Trex.Parts mit eigenen Tochtergesellschaften präsent. Weitere Auslandsgesellschaften sollen folgen, sobald die zurzeit laufende SAP-Implementierung abgeschlossen ist. Dann rücken Märkte vor allem im Süden und Osten Europas in den Fokus, wo Nachfrage, Kundennähe und lokale Präsenz den nächsten Wachstumsschritt sinnvoll erscheinen lassen.
Eine Marke mit Gesichtern
Dass Trex.Parts mehr als ein Online-Shop ist, zeigt sich besonders auf der Logimat. Für Böttcher ist die Präsenz auf dieser Leitmesse der Intralogistik ein fester Teil der Vertriebs- und Marketingplanung. Der Stand ist dann internationaler Treffpunkt von Kunden und Herstellern. Die Gesichter auf Messestand, Flächen und Motiven zeigen nur eigene Mitarbeitende, anonyme Models oder gar KI-generierte Motive kommen nicht infrage. Das passt zum Teamgeist, den Böttcher pflegen will. Er hat den Ehrgeiz, seine Leute persönlich zu kennen – Vorname, Nachname und auch persönliche Hintergründe. Bei rund 160 Mitarbeitern wird das immer schwieriger. Dennoch will er durch diesen Anspruch beitragen, die Unternehmenskultur jung und authentisch zu erhalten.
Was Trex.Parts bedeutet
Der prägnante Name des Unternehmens ist auch als Markenversprechen zu verstehen. ‚T-Rex‘ mag als Assoziation im Kopf entstehen, jedoch ist die Herleitung eine andere. Der Name Trex.Parts kann als Kombination von ‚Truck Experts‘ und ‚Parts‘ verstanden werden. Was 2019 mit vier Pionieren begann, ist heute eine erfolgreiche europäische Multi-Marken-Plattform für Ersatzteile von Flurförderzeugen.

















