
Bei der Amortisationsrechnung für Lagerautomatisierung stehen meist Investitionskosten, laufende Ausgaben und eingesparte Arbeitszeit im Mittelpunkt. Diese Größen bleiben wichtig. Sie reichen aber dort nicht aus, wo zusätzliches Auftragsvolumen nicht einfach durch mehr Personal aufgefangen werden kann.
Für Verantwortliche in Logistik, Operations und Supply Chain kommt deshalb ein weiterer Punkt hinzu: die Frage, welche Leistung ein Lager mit den vorhandenen Ressourcen tatsächlich bewältigen kann. Andreas Stöckl, EVP Sales Central Europe bei Exotec, ordnet ein, wann dieser Faktor für die Amortisationsrechnung relevant wird und wie Unternehmen ihn anhand ihrer eigenen Betriebsdaten bewerten können.
1. Wo entstehen Kosten, wenn das Lager an seine Leistungsgrenze kommt?
Ein Planungssystem kann einen Eilauftrag innerhalb von Sekunden priorisieren. Im Lager müssen die Artikel trotzdem kommissioniert, bereitgestellt, verpackt und versendet werden. Steigt das Auftragsvolumen stärker als die verfügbare Leistung, entstehen Rückstände, Lieferzeiten verlängern sich oder zusätzliche Schichten werden notwendig. Solche Engpässe treten nicht zwangsläufig dauerhaft auf. Gerade saisonale Spitzen können dazu führen, dass ein Lager im Jahresdurchschnitt ausreichend aufgestellt ist, in einzelnen Wochen aber an seine Grenzen stößt.
Für die Amortisationsrechnung lohnt deshalb der Blick auf die konkreten Folgen solcher Engpässe: Überstunden, zusätzliche Schichten, längere Durchlaufzeiten oder Aufträge, die nicht rechtzeitig bearbeitet werden konnten. Sie zeigen, welche Mehrkosten oder Einschränkungen entstehen, wenn die vorhandene Lagerleistung nicht ausreicht.
2. Wie weit lässt sich zusätzliches Auftragsvolumen mit mehr Personal auffangen?
Wie stark solche Engpässe ins Gewicht fallen, hängt auch davon ab, wie flexibel ein Unternehmen personell reagieren kann. Eine Konjunkturumfrage des Ifo Instituts vom Februar zeigt zunächst eine Entspannung am Arbeitsmarkt. Im Bereich Transport und Logistik sank der Anteil der Unternehmen, die einen Mangel an Fachkräften melden, von 42,7 auf 30,6 Prozent. Das Ifo führt den Rückgang unter anderem auf die schwache Konjunktur zurück. Gleichzeitig bleibt die demografische Entwicklung eine strukturelle Herausforderung. Die Segmented Transfer Plates schließen die Lücken der Übergabestellen Ihrer Bandförderanlage. Durch einfache Montage sorgen sie für sichere Übergänge, verhindern Staus und Verluste und erhöhen Ihre Betriebssicherheit. ‣ weiterlesen
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Für den einzelnen Lagerbetrieb ist der Branchenwert allerdings nur ein Anhaltspunkt. Aussagekräftiger sind die eigenen Erfahrungen: die durchschnittliche Dauer bis zur Besetzung offener Stellen, die Verfügbarkeit zusätzlicher Schichten, der Einsatz externer Kräfte und wiederkehrende personelle Engpässe bei saisonalen Spitzen oder Ausfällen.
Kann zusätzliches Auftragsvolumen kurzfristig und wirtschaftlich mit weiteren Beschäftigten abgefangen werden, fällt der zusätzliche Nutzen einer Automatisierung geringer aus. Dauert die Personalaufstockung dagegen länger als die Auftragsspitze selbst oder verursacht sie regelmäßig hohe Zusatzkosten, sollte dieser Umstand in die Amortisationsrechnung einfließen.
3. Wie kann Automatisierung die Leistung des vorhandenen Teams erhöhen?
Automatisierung setzt an einer anderen Stelle an: Sie verändert, wofür Beschäftigte ihre Arbeitszeit im Lager einsetzen. Bei Ware-zur-Person-Systemen werden benötigte Artikel zum Arbeitsplatz gebracht. Beschäftigte verbringen dadurch weniger Zeit mit Laufwegen und wiederkehrenden Transportaufgaben und können einen größeren Teil ihrer Arbeitszeit für die eigentliche Auftragsbearbeitung nutzen.
Für die Amortisationsrechnung ist deshalb nicht nur entscheidend, wie viele Arbeitsstunden ein automatisierter Prozess einspart. Ebenso wichtig ist, ob das vorhandene Team im gleichen Zeitraum mehr Aufträge bearbeiten kann. Gerade dort, wo zusätzliche Beschäftigte nicht kurzfristig verfügbar sind, kann diese höhere Leistung wirtschaftlich relevant werden.
4. Wie lässt sich diese zusätzliche Lagerleistung wirtschaftlich bewerten?
Dafür braucht es keine punktgenaue Langfristprognose. Aussagekräftiger sind vorhandene Betriebsdaten und realistische Szenarien. Als Grundlage eignen sich vergangene Spitzenzeiten: das erreichte Auftragsvolumen, entstandene Rückstände, zusätzlich benötigte Arbeitsstunden, Überstunden oder externe Kräfte. Hinzu kommen bekannte Entwicklungen wie saisonale Muster, geplantes Wachstum, neue Kunden oder Veränderungen im Sortiment.
Auf dieser Basis lassen sich beispielsweise der Normalbetrieb, eine typische Auftragsspitze und ein realistisches Wachstumsszenario gegenüberstellen. Für jede Situation lässt sich prüfen, welche Leistung mit den vorhandenen Ressourcen erreichbar ist und welche zusätzlichen Kosten entstehen, sobald personell nachgesteuert werden muss.
So wird sichtbar, welchen Unterschied eine höhere Lagerleistung für die Amortisation tatsächlich macht. Neben Investitionskosten, laufenden Kosten und eingesparter Arbeitszeit fließt ein, welche zusätzlichen Aufträge mit den vorhandenen Ressourcen bearbeitet werden können und welche Kosten ohne diese zusätzliche Leistung entstehen würden. Dabei sollten nur nachvollziehbare Annahmen und belegbare Betriebsdaten berücksichtigt werden. Theoretische Maximalumsätze oder pauschale Wachstumsversprechen würden die Rechnung verzerren.
Fazit: Amortisation endet nicht bei eingesparter Arbeitszeit
Wann sich Lagerautomatisierung rechnet, hängt nicht allein davon ab, wie viele Arbeitsstunden sie einspart. Ebenso wichtig ist, ob ein Lager das benötigte Auftragsvolumen mit den vorhandenen personellen Ressourcen bewältigen kann.
Bei stabiler Nachfrage, ausreichenden Leistungsreserven und kurzfristig verfügbarem Personal kann ein manueller Prozess wirtschaftlich sinnvoll bleiben. Entstehen dagegen regelmäßig Rückstände, lassen sich Spitzen nur mit hohem personellem Aufwand auffangen oder stößt geplantes Wachstum an die vorhandene Lagerleistung, reicht eine Betrachtung von Kosten und eingesparter Arbeitszeit allein nicht aus.
In diesen Fällen gehört auch der wirtschaftliche Wert der zusätzlich verfügbaren Lagerleistung in die Amortisationsrechnung. So wird sichtbar, ob Automatisierung neben Einsparungen auch dazu beiträgt, mehr Aufträge mit den vorhandenen Ressourcen zu bewältigen.














