
Herr Lorenz, Toyota Material Handling belegt seit Jahren den ersten Platz der ‚Weltrangliste der Flurförderzeuge‘ von dhf Intralogistik. Wie erreichen Sie in den aktuell wirtschaftlich herausfordernden Zeiten diese hohen Verkaufszahlen?
Jan-Martin Lorenz: Die langjährige Spitzenposition von Toyota Material Handling ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten strategischen Ausrichtung. Entscheidend ist unsere globale Struktur: Wir sind mit fast 80.000 Mitarbeitenden in allen relevanten Märkten weltweit präsent und damit in der Lage, schwächere Marktphasen in einigen Regionen durch starke Wachstumsregionen auszugleichen. Diese Balance und unser breites, voll integriertes Geschäftsportfolio machen uns auch in herausfordernden Zeiten erfolgreich.
Hohe Produktqualität, energieeffiziente Technik, ein sehr leistungsfähiges Service- und Ersatzteilnetzwerk sowie ein breites Angebot an Software- und Automatisierungslösungen schaffen, gepaart mit umfassender Intralogistik- und Finanzierungskompetenz einen messbaren Mehrwert für unsere Kunden. Das sorgt dafür, dass sie uns auch in schwierigen Marktphasen die Treue halten.
Wird Toyota Material Handling in den nächsten Jahren weiterhin führend im Flurförderzeugmarkt bleiben – und wo setzen Sie heute die wichtigsten Wachstumsimpulse? Unser Vorteil ist, dass wir Trends wie Elektrifizierung, Automatisierung und skalierbare Digitalisierung nicht nur bedienen, sondern seit Jahren aktiv mitprägen. Das spüren unsere Kunden und genau das spiegelt sich in unserer Position an der Spitze der Weltrangliste wider.
Wir investieren dort, wo unsere Kunden den größten Bedarf haben. Besonders starke Impulse setzen wir in energieeffizienten Antriebskonzepten, in der Automatisierung und in Lösungen, die die Effizienz intralogistischer Prozesse spürbar erhöhen. Gleichzeitig entwickeln wir unser Portfolio konsequent vom einzelnen Flurförderzeug hin zu vollständig integrierten intralogistischen Gesamtlösungen weiter.
Darüber hinaus – und das ist für uns von zentraler Bedeutung – investieren wir gezielt in unsere Organisation, in die Qualifikation unserer Mitarbeitenden sowie in den Ausbau unseres Service- und Finanzierungsportfolios. Und wir investieren in strategische Kooperationen und Akquisitionen.
Spielen Akquisitionen, Kooperationen und Partnerschaften eine wichtige Rolle in der strategischen Weiterentwicklung von Toyota Material Handling?
Die Herausforderungen unserer Kunden in der Intralogistik lassen sich zunehmend nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen lösen. Deshalb spielen Kooperationen und Partnerschaften eine wichtige Rolle in unserer strategischen Weiterentwicklung. Besonders in den Bereichen Automatisierung, Software, Integration und neuen Technologiekonzepten arbeiten wir gezielt mit etablierten und spezialisierten Partnern wie Viastore und Vanderlande zusammen, um unser Leistungsportfolio sinnvoll zu erweitern.
Dabei stehen Kompetenz und konkreter Kundennutzen im Mittelpunkt. Entscheidend ist, dass jede Partnerschaft oder Akquisition unsere Innovationskraft stärkt und unser Lösungsportfolio für die Kunden noch ganzheitlicher macht und nicht nur im Verkauf, sondern auch im Kundendienst hervorragend funktioniert.
Formate wie Logiconomi Connections zeigen, welchen hohen Stellenwert der Austausch mit Kunden, Experten und Partnern für uns hat. Denn nur wer sehr gut versteht, was Kunden morgen benötigen, kann heute die richtigen Lösungen entwickeln. Wir nennen das ‚Genchi Genbutsu – Gehe zur Quelle‘. Entsprechend wird auch auf der Logimat das Thema Zusammenarbeit mit der neuen Marke Toyota Automated Logistics (TAL) ein zentraler Bestandteil unseres Messeauftritts sein.
In welchen geografischen Märkten sieht Toyota Material Handling aktuell das größte Wachstumspotenzial – und wie erschließen Sie diese strategisch?
In Europa, z.B. in Spanien, Polen und insbesondere in Deutschland, sehen wir weiterhin erhebliche Wachstumspotenziale. Die globalen Herausforderungen, der hohe Automatisierungsdruck, der strukturelle Fachkräftemangel und der steigende Bedarf an effizienten, nachhaltigen Logistikprozessen sorgen dafür, dass viele Märkte und Kundensegmente ihre Intralogistik derzeit grundlegend modernisieren. Der Bedarf an intelligenten, energieeffizienten und vernetzten Lösungen wächst entsprechend dynamisch.
Diese Potenziale erschließen wir durch eine starke lokale Präsenz: einerseits über unseren Direktvertrieb, andererseits über leistungsfähige regionale Vertragshändler. So stellen wir sicher, dass wir nah am Kunden sind und gleichzeitig einheitlich hohe Standards bieten. Mit maßgeschneiderten Lösungen und der engen Verzahnung von Vertrieb, Service und Beratung schaffen wir zudem ideale Voraussetzungen, damit auch international agierende Kunden und Key Accounts überall in Europa von der bekannten Toyota-Qualität profitieren.

Der Flurförderzeugmarkt ist stark konjunkturabhängig. Wie machen Sie Ihre Strategie robuster gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen?
Unsere Strategie ist deshalb so robust gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen, weil wir bewusst auf ein breit diversifiziertes Geschäftsmodell setzen. Und vor allem, weil wir unseren Kunden aufmerksam zuhören. Sie sagen uns sehr deutlich: Sie brauchen flexible und verlässliche Partner, die das gesamte Intralogistikportfolio aus einer Hand anbieten können.
Dazu gehören zuverlässige Service- und Ersatzteilprozesse mit einer hohen First Fix Rate, eine große und jederzeit verfügbare Mietflotte sowie intelligente Finanzierungs- und Leasingmodelle. Das MOVEsystem von IEF-Werner transportiert Bauteile und Produkte zuverlässig, modular und kosteneffizient – ob auf Werkstückträgern, direkt auf Riemen oder in Paletten. Anwender profitieren von maximaler Flexibilität. ‣ weiterlesen
MOVEsystem bewegt mehr:
Was sie hingegen nicht brauchen, sind Anbieter, die kurzfristige Auftragseingänge oder schnelle Marktanteilsgewinne über langfristige Beziehungen stellen und möglicherweise in wenigen Jahren wieder aus dem Markt verschwinden. Unser seit Jahrzehnten bewährtes, breit aufgestelltes Portfolio stellt sicher, dass wir nicht von einzelnen Marktsegmenten abhängig sind und unseren Kunden dauerhaft Stabilität bieten.
Auch im Bereich Automatisierung sind wir in Beratung, Umsetzung und Service breit und zukunftssicher aufgestellt – vom einfachen Punkt zu Punkt Transport über vollautomatisierte Kleinteilelager bis hin zu schlüsselfertigen Hochregallagern. Seit letztem Jahr ergänzen wir dieses Angebot zudem mit Swarm Automation Go.
Swarm Automation Go ist eine Mietlösung, die sich ohne große bauliche Eingriffe an nahezu jede Lagerumgebung anpassen lässt. Systeme können modular erweitert oder verkleinert werden, und die Anzahl der Shuttles und AGVs passt sich dynamisch dem Leistungsbedarf an. Damit ermöglichen wir Unternehmen, schlank und ohne Risiko in die Automatisierung einzusteigen und ihr System nach Bedarf zu skalieren. Ein idealer Ansatz für dynamische Märkte und wechselnde Konjunkturphasen.
Software, Vernetzung und Daten werden immer wichtiger. Wie verändern Digitalisierung und KI das Geschäftsmodell von Toyota Material Handling?
Digitalisierung und datenbasierte, KI-gestützte Anwendungen erweitern unser Geschäftsmodell maßgeblich. Sie erhöhen Transparenz, Effizienz und Sicherheit entlang der gesamten Intralogistikkette.
Ein gutes Beispiel sind die Real-Time-Location-Systems (RTLS) von Toyota Material Handling, mit denen sich Geräte, Waren und Prozesse in Echtzeit lokalisieren und analysieren lassen. In Verbindung mit vernetzten Flurförderzeugen, Flottenmanagementsystemen und ersten KI gestützten Anwendungen entstehen neue Möglichkeiten für vorausschauende Wartung, intelligente Prozessoptimierung und präzisere, datengetriebene Entscheidungen.
Auch Digital Twin Fähigkeiten und simulationsgestützte Planung wird neben Daten- und KI gestützte Services wie Predictive Maintenance, Prozessoptimierung und nutzungsbasierte Leistungsanalysen noch stärker an Bedeutung gewinnen.
Wie diese Technologien heute schon in der Praxis wirken und welchen Mehrwert sie schaffen, zeigen wir u.a. auf der Logimat in Stuttgart.
Service, Wartung und Verfügbarkeit werden immer wichtiger. Wie entwickeln Sie Ihr After-Sales- und Servicemodell weiter?
Der Kundendienst ist ein zentraler Bestandteil unseres Leistungsversprechens. Gemeinsam mit unserem Vertragshändlernetz sind deutschlandweit rund 760 Servicetechniker*innen im Einsatz. Mit einer First-Fix-Rate von 93 Prozent und einem ausgesprochen guten Net Promoter Score von 75 Punkten leisten sie bereits heute hervorragende, kundenorientierte Arbeit.
Gleichzeitig investieren wir konsequent in den weiteren Ausbau unserer Servicenetze und dank unserer eigenen Trainingsakademie in Hannover in die kontinuierliche Qualifizierung unserer Technikerinnen und Techniker sowie in moderne, digitale Serviceprozesse. Unser Ziel ist klar: Stillstandzeiten weiter zu reduzieren, Wartungen planbarer zu machen und unseren Kunden eine maximale Flottenverfügbarkeit zu garantieren.
Digitale Tools, vernetzte Fahrzeuge und datenbasierte Analysen und Apps unterstützen uns bei TMH dabei, Serviceleistungen für unsere Kunden und Lieferanten vorausschauend zu planen und potenzielle Ausfälle frühzeitig zu erkennen, bevor sie im Lager überhaupt spürbar werden.
Wie integriert Toyota Material Handling CO₂-Reduktion und Nachhaltigkeit in Produktentwicklung und Produktion?
Nachhaltigkeit ist fest in unserer Unternehmensphilosophie verankert. Die erneute Auszeichnung mit der EcoVadis-Platin-Medaille und damit die Einstufung unter die Top 1 Prozent von über 150.000 bewerteten Unternehmen unterstreicht das eindrucksvoll. Toyota Material Handling Europe hat diesen Status bereits zum sechsten Mal in Folge erreicht. Unsere deutsche Landesgesellschaft trägt die Platin-Bewertung seit 2024 und damit bereits zum zweiten Mal in Folge.
Unser Engagement geht jedoch weit über heutige Standards hinaus: Als Teil der Toyota Industries Corporation unterstützen wir konsequent die Science Based Targets Initiative (SBTi) mit dem klaren Ziel, bis 2040 entlang der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral zu wirtschaften. Dieses Ziel prägt bereits heute unsere Entwicklungs-, Produktions- und Lieferkettenstrategie.
Ein Beispiel dafür ist die hohe Qualität und Langlebigkeit unserer Geräte: Toyota Gebrauchtgeräte sind so gefragt, weil sie oft einen zweiten und sogar dritten Lebenszyklus durchlaufen. Diese konsequente Verlängerung der Nutzungsdauer, begleitet durch zertifizierte Aufbereitung und qualifizierten Service, ist ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. Denn jedes Gerät, das länger im Einsatz bleibt, spart Ressourcen, reduziert Emissionen und vermeidet unnötige Neuproduktion.
Auch in der Produktion optimieren wir kontinuierlich unsere Prozesse: durch energieeffiziente Fertigungsmethoden, nachhaltige Lieferketten, Kreislaufwirtschaft und eine systematische Reduktion von Scope 1, Scope 2 und somit auch Scope 3 Emissionen. Unser Ziel ist klar: Ressourcen schonen, den CO₂-Fußabdruck von Lieferanten, Kunden und TMH weiter senken und damit den Weg in Richtung Net Zero 2040 aktiv gestalten.
Alle blicken auf die Logimat 2026 – welche Innovationen dürfen Besucher am Toyota-Messestand erwarten?
Unter dem Leitmotiv ‚We deliver for you‘ zeigen wir auf der Logimat 2026, wie wir aktuelle und zukünftige Anforderungen der Logistikbranche konkret adressieren. Im Mittelpunkt stehen neue Flurförderzeuge, intelligente Automatisierungslösungen und innovative Ansätze für effiziente Materialflüsse.
Mit dem neuen Toyota Traigo 80 haben wir einen unserer Bestseller nicht nur im Design grundlegend überarbeitet. Der leistungsstarke Elektro-Gegengewichtsstapler mit bis zu fünf Tonnen Tragfähigkeit bietet sowohl im Innen- als auch im Außeneinsatz eine nochmals höhere Performance – bei gleichzeitig weiter reduziertem Energieverbrauch und neuen Assistenzsystemen.
Ergänzt wird unser Portfolio zur Optimierung des Warenflusses im Lager durch die komplett neue Tracto Baureihe elektrischer Fahrersitz-Schlepper sowie die weiterentwickelten Toyota Optio Niederhub Kommissionierer.
Weitere Neuheiten umfassen eine neue Mastgeneration für die Toyota Traigo Gegengewichtsstapler, die sowohl eine optimierte Sicht als auch ein deutlich reduziertes Geräuschlevel bietet.
Und ein Highlight im Sinne der Sicherheit freut uns ganz besonders: Wir zeigen erstmals den serienreifen Operator Detection Assist (ODA), der den Schutz der Bedienerinnen und Bediener bei Mitgängergeräten spürbar erhöht.
Der größte Innovationsschub findet aus meiner Sicht jedoch im Bereich Automatisierung und Systemintegration statt – mit der neuen Marke Toyota Automated Logistics. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei unserem Messeauftritt daher auf dem Thema Automatisierung: In Halle 10 erleben Besucher Automation und System Integration ‚live‘ sowie verschiedene Systeme aus unserer Swarm Automation Serie, darunter einen neuen automatisierten Hochhubwagen für flexible Punkt-zu-Punkt-Transporte.
Ergänzt wird unser Messeauftritt durch Anwendungen zur Energiesteuerung, Software, Integration und digitale Services, die zeigen, wie wir die gesamte Intralogistikkette ganzheitlich vernetzen und effizienter machen.
Und vor allem: Sie sehen unser Team. Wir sind mit rund 100 Intralogistikexpertinnen und -experten aus Deutschland und Europa für Sie vor Ort – engagiert, kompetent und bereit für den direkten Austausch. Wir freuen uns schon jetzt auf viele gute Gespräche, wertvolle Impulse und vielleicht auch den einen oder anderen erfolgreichen Abschluss.
„Unser Vorteil ist, dass wir Trends wie Elektrifizierung, Automatisierung und skalierbare Digitalisierung nicht nur bedienen, sondern seit Jahren aktiv mitprägen.“
















