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Lesedauer: 13 min
17. Dezember 2020
Der Kunde im Mittelpunkt des Handelns
Auch in diesem Jahr konnte sich Toyota Material Handling den ersten Platz der 'Weltrangliste der Flurförderzeuge 2019/2020' von dhf Intralogistik sichern. Im Interview spricht Dr. Ernesto Dominguez, Präsident und CEO von Toyota Material Handling Europe, über die Herausforderung Coronavirus, die Wichtigkeit enger Kundenbeziehungen sowie die zunehmende Bedeutung alternativer Antriebstechnologien, Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Intralogistik.
Dr. Ernesto Dominguez, CEO von Toyota Material Handling Europe. Bild: Toyota Material Handling Europe AB

dhf Intralogistik Herr Dr. Dominguez, Sie sind seit über 20 Jahren für Toyota Material Handling tätig. Sie waren Geschäftsführer in Spanien und Frankreich und wurden vor etwas mehr als einem halben Jahr als CEO an die Spitze von Toyota Material Handling Europe berufen. Wie war Ihr Start und wie sahen Ihre ersten Aufgaben aus?

Dr. Ernesto Dominguez: Am 13. März 2020 bin ich von Barcelona nach Schweden geflogen und genau einen Tag später wurden die Grenzen geschlossen. Ich bin sozusagen zeitgleich mit der Corona-Pandemie in Mjölby an meiner neuen Wirkungsstätte eingetroffen. Das hat meinen Start bei Toyota Material Handling Europe natürlich maßgeblich beeinflusst. Es musste unmittelbar gehandelt und wichtige Entscheidungen getroffen werden. Die gute Vorbereitung und Übergabe meines Vorgängers Matthias Fischer hat mir den Einstieg sehr erleichtert, sodass ich mit voller Motivation in meine neue Aufgabe, eine große Organisation mit mehr als 11.000 Mitarbeitern zu führen, starten konnte.

dhf Intralogistik Was nehmen Sie mit von Ihrer Arbeit als Geschäftsführer einer Landesgesellschaft für Ihre neue Position als CEO bei TMHE?

Dr. Dominguez: Als Geschäftsführer einer Landesgesellschaft war ich täglich im engen Kontakt mit unseren Kunden – mit ihren Bedürfnissen und ihren Herausforderungen. Diese direkte Verbindung möchte ich unbedingt beibehalten. Sowohl in den Landesgesellschaften als auch in der Zentrale sollten unsere Aktivitäten immer darauf ausgerichtet sein, den Kunden und seinen Bedarf zu verstehen und ihn so mit den besten Lösungen zu bedienen.

dhf Intralogistik Welchen Einfluss hatte Covid-19 auf Ihren Start als CEO?

Dr. Dominguez: Gerade die ersten Monate waren von großer Unsicherheit geprägt. Wir wussten nicht, welchen Einfluss die Pandemie auf unsere Mitarbeiter und Kunden sowie unser eigenes Unternehmen haben wird. Um die laufenden Entwicklungen genau zu beobachten und frühzeitig reagieren zu können, haben wir direkt eine Corona-Taskforce eingerichtet. An erster Stelle stehen dabei die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, als Zweites der Schutz unserer Kunden und drittens die Stabilität unseres Unternehmens. Zudem wollten wir unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht werden. So haben unsere Flurförderzeuge in ganz Europa dazu beigetragen, dass wichtige Güter wie Lebensmittel und Medikamente auch weiterhin befördert werden konnten.

dhf Intralogistik Welche Themen stehen neben Corona noch auf Ihrer Agenda?

Dr. Dominguez: Wir müssen uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden sowie die Entwicklung zukünftiger Technologien fokussieren. Hier geht es vor allem um die Bereiche Energie, Konnektivität und Automatisierung. Ein Thema, das ich für sehr wichtig halte und deshalb ebenfalls ganz oben auf meiner Agenda steht, ist die Stärkung der Resilienz unseres Unternehmens. Wir müssen flexibel auf zukünftige Veränderungen und Herausforderungen reagieren und diese als Chancen erkennen und nutzen. Dazu müssen wir alle – Führungskräfte und Mitarbeiter – ähnlich wie bei einem Startup offen, neu und kreativ denken und sehr flexibel bleiben.

dhf Intralogistik In der ‚Weltrangliste der Flurförderzeuge 2019/2020‘ von dhf Intralogistik hat sich Toyota den ersten Platz gesichert – was bedeutet es für Sie, der Marktführer zu sein?

Dr. Dominguez: Marktführer zu sein steht in unmittelbarem Zusammenhang damit, wie der Markt unser Unternehmen wahrnimmt. Wenn ein Entscheider heute an Materialfluss denkt, denkt er an Toyota – das ist der entscheidende Punkt. Das bedeutet natürlich auch, dass wir die Erwartungen unserer Kunden erfüllen müssen, indem wir Produkte und Lösungen passend zu den Kundenbedürfnissen entwickeln und liefern.

dhf Intralogistik Ihr Unternehmen belegt seit Jahren die Spitzenposition in der Weltrangliste. Was zeichnet Toyota aus?

Dr. Dominguez: Bei Toyota haben wir einen ‚Frontrunner Spirit‘. Unser Anspruch ist es, voraus zu gehen. Aber es geht nicht darum der Größte oder die Nummer eins zu sein. Das allein hat keinen Wert für den Kunden. Erst wenn unsere Kunden unsere Produkte wertschätzen und wir tatsächlich auch die besten Lösungen abgestimmt auf ihre Bedürfnisse anbieten, dann sind wir der wahre Marktführer.

Was tun wir, um das zu erreichen? Die Qualität unserer Produkte und die Zuverlässigkeit unseres Service stellen unser Verkaufsversprechen dar. Wir verfügen europaweit über eine sehr gute Vertriebsabdeckung durch unser loyales und professionelles Händlernetzwerk sowie unsere eigenen Niederlassungen. Hinzu kommen unsere Finanzkraft und nicht zuletzt unsere engagierten Mitarbeiter – das alles bestmöglich kombiniert sorgt für unsere Top-Position. Zudem konzentrieren wir uns auf die Themen Energie, Konnektivität und Automatisierung, um unsere Vorreiterrolle auch nachhaltig auszubauen.

dhf Intralogistik Gutes Stichwort: Wo geht Ihre Reise in den Bereichen ‚Digitalisierung‘ und ‚Automatisierung‘ hin?

Dr. Dominguez: Im Bereich Konnektivität sind wir der einzige Hersteller, der Telematik-Einheiten serienmäßig in nahezu alle Lagertechnikgeräte integriert. Aktuell haben wir rund 150.000 vernetzte Flurförderzeuge im Markt. Zu den Vorteilen dieser vernetzten Geräte zählen unter anderem die Möglichkeit zur vorausschauenden Wartung sowie eine erhöhte Sicherheit.

Gemeinsam mit unseren Schwesterunternehmen Vanderlande und Bastian können wir sowohl hardware- als auch softwareseitig Automatisierungsprojekte aus einer Hand anbieten und umsetzen. Damit zählen wir im Bereich Automatisierung zu den erfolgreichsten Unternehmen der Logistikbranche.

dhf Intralogistik Flurförderzeuge werden immer intelligenter. Wie lange wird es noch Fahrer für diese Hightech-Maschinen geben?

Dr. Dominguez: Meiner Meinung nach wird der Mensch immer eine wichtige Rolle spielen. Klassische Gabelstapler mit Fahrer sind sehr flexibel und arbeiten in Bereichen, in denen sie unschlagbar sind. Aber auch automatisierte Geräte bieten für bestimmte Einsatzbereiche und Anwendungen unbestreitbare Effizienzpotenziale. Für mich besteht die Zukunft in einer Kombination aus beiden Systemen.

dhf Intralogistik Green Logistics! TMH hat sich dazu verpflichtet bis 2030 in den eigenen Betrieben CO2-neutral zu arbeiten. Wie wollen Sie dieses ambitionierte Ziel erreichen?

Dr. Dominguez: Toyota möchte sein Geschäft nachhaltig gestalten – aus Sicht der Menschen und der Umwelt. Wir wollen keinen Profit auf Kosten der Erde und der Gesellschaft machen. Deshalb haben wir uns mit Blick auf die Umwelt strenge Ziele gesetzt, die jährlich überprüft und fortgeschrieben werden. In Europa haben wir in den vergangenen acht Jahren die CO2-Emmission bereits um 15 Prozent reduziert. Über 90 Prozent des Stroms, den wir in Europa zukaufen, ist grüne Elektrizität. Unser Energieverbrauch ist von 2018 auf 2019 um fünf Prozent gesunken. Diesen Weg der Energieeinsparung werden wir sukzessive fortsetzen.

Unsere Fabrik in Mjölby, Schweden, arbeitet bereits komplett CO2-neutral. Auch die Produktion in Italien hat ihre CO2-Emissionen halbiert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Das zeigt die Auszeichnung mit dem Platin-Level von EcoVadis. Damit gehören wir zu den top ein Prozent von 70.000 weltweit ausgezeichneten Unternehmen. Zudem steht unser Mutterkonzern Tico auf der CDP A-Liste für Klimawandel.

Unsere Kunden unterstützen wir beim Thema Nachhaltigkeit, indem wir eng mit ihnen zusammenarbeiten. Dazu haben wir ein vierstufiges Modell entwickelt. Im ersten Schritt muss der Energieverbrauch zuverlässig erfasst werden. Zweitens soll jegliche Energieverschwendung vermieden werden. Im dritten Schritt sind Innovationen zur Steigerung der Energieeffizienz gefordert. Das bedeutet für uns, wir müssen entsprechende Technologien entwickeln, um traditionelle Systeme abzulösen. Abschließend sind innovative CO2-reduzierte Technologien gefragt. So können auch Unternehmen, die bereits einen sehr geringen CO2-Fußabdruck haben, diesen mit Hilfe unserer Technologien weiter reduzieren.

dhf Intralogistik Thema Antriebstechnik: ‚Lithium-Ionen-Batterien‘ hat der Markt mittlerweile verstanden. Welchen Stellenwert hat die Brennstoffzelle aktuell bei Toyota?

Dr. Dominguez: Lithium-Ionen-Batterien sind im Markt angekommen und leisten ihren Beitrag zu einer besseren CO2-Bilanz. Unser Toyota Batteriesystem mit seiner modularen Bauweise, verringert das Gerätegewicht deutlich. Durch die innovative Technik kann der Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent reduziert werden. Unsere Lithium-Ionen-Batterien sorgen somit schon heute bei unseren Kunden für geringere CO2-Emmissionen.

Bis der Markt diese Technik und seine Vorteile angenommen hat, hat es eine bestimmte Zeit gebraucht. Ich denke, dasselbe wird mit der Brennstoffzelle passieren. Bei Toyota sind wir davon überzeugt, dass der Brennstoffzelle als Antriebstechnologie die Zukunft gehören wird – auch in der Intralogistik.

Im Vergleich zu anderen Energiearten entsteht bei der Brennstoffzelle lediglich reines Wasser als Emission, der Betankungsvorgang dauert nur wenige Minuten – genau wie beim Tanken eines Verbrenners. So ist es sehr leicht auf Basis dieser Technologie den durchgängigen Dreischicht-Betrieb in Unternehmen zu organisieren. Auf der anderen Seite stellen die hohen Investitionen in die Infrastruktur zur Wasserstoffversorgung derzeit noch eine Hürde dar. Allerdings gibt es in Europa bereits mehrere Projekte, die diese neue Antriebstechnologie sehr erfolgreich im Einsatz haben. Staatliche Fördermaßnahmen, wie es sie z.B. in Deutschland oder Frankreich gibt, könnten ein Beschleuniger dieser Entwicklung sein.

dhf Intralogistik Richten wir den Blick nach vorne: Welche Ziele haben Sie sich für 2021/2022 gesetzt?

Dr. Dominguez: Für Toyota steht der Kunde immer im Mittelpunkt des Handelns. Daher hat es für mich oberste Priorität sicherzustellen, dass wir weiterhin ein effizienter und verlässlicher Partner sind, der die Bedürfnisse und Herausforderungen seiner Kunden vollumfänglich versteht. Genauso werde ich dafür Sorge tragen, dass unserer Mitarbeiter Toyota auch zukünftig als sicheren und attraktiven Arbeitgeber empfinden. Wir agieren in einer sich ständig verändernden Welt – das ist nicht einfach. Dieser verantwortungsvollen Aufgabe widme ich meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit.

dhf Intralogistik Herr Dr. Dominguez, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Thematik: Flurförderzeuge
Toyota Material Handling Europe AB
www.toyota-forklifts.de

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