
Laut einer Studie gibt es in der Intralogistik eine signifikante Fachkräftelücke. Trotz leichter Besserung zeigt eine Umfrage, dass der Mangel weiterhin beträchtlich bleibt. Mladen Milicevic, Geschäftsführer des Unternehmens Unchained Robotics mit Sitz in Paderborn, erklärt: „Automatisierung wird noch immer als zu teuer und zu komplex in der Bedienung wahrgenommen. Lange Zeit traf auch beides zu. Inzwischen ist die Technik jedoch so weit, dass diese Hürde überwunden werden kann.“
Automatisierung darf keine Raketenwissenschaft sein
Das Paderborner Unternehmen bietet seit 2019 modulare, schlüsselfertige Lösungen für zentrale logistische Aufgaben wie das Palettieren und die Maschinenbeschickung. „Damit die Unternehmen Zeit und Geld sparen, laufen unsere Produkte auf einem firmeneigenen Automatisierungsbetriebssystem. Dieses haben wir von Grund auf so konzipiert, dass die Bedienung auch für Laien möglich ist“, erklärt Milicevic. So können Lagerarbeiter selbstständig und ohne aufwendige Schulungen Änderungen und Anpassungen an Logistikprozessen vornehmen. Die Installation der Systeme ist innerhalb weniger Stunden möglich. Dieses Automatisierungsbetriebssystem heißt Luna und ist das Herzstück des modularen, schlüsselfertigen Systems von Unchained Robotics, dem Malocher Bot. Dieses Betriebssystem ist Teil des Umbruchs, der die Automatisierungsbranche erfasst – nämlich, dass die Automatisierung auf den Menschen ausgerichtet sein muss. Bisher war die Benutzerfreundlichkeit von Automatisierungssoftware für Roboter- und Automatisierungsentwickler und Systemdesigner eher zweitrangig. Sie konzentrierten sich in erster Linie auf die Optimierung der Zykluszeiten und der Produktionsgeschwindigkeit – beides extrem wichtig für den historischen Hauptkunden der Automatisierungsbranche – die Automobilhersteller. Als jedoch der Bedarf an Automatisierung in anderen Branchen wie der Logistik stieg, wurden die eigentliche Benutzeroberfläche des Automatisierungssystems und die Möglichkeit für Nicht-Programmierer, Änderungen am Produktionsplan vorzunehmen, immer wichtiger. Es gab einfach keine gute Lösung für Benutzer, die in der Lage sein wollten, Änderungen an ihrer Automatisierungslösung vorzunehmen (z.B. neue Kartongrößen oder Palettenmuster für eine Palettierlösung einzugeben), ohne sich tiefgehende Programmierkenntnisse anzueignen.
Dies trug wesentlich zu dem Ruf der Automatisierung bei, sehr komplex zu sein.
Auch die Tatsache, dass die Systeme schwierig zu installieren waren und die Implementierung in Fabriken und Lagern oft Wochen dauerte, trug viel zu diesem Imageproblem bei. Schließlich handelte es sich um Sondermaschinenbau. Mit dem Malocher Bot und dem Luna-Betriebssystem hat sich einiges geändert: Statt wie früher zahlreiche Einzelkomponenten zu kaufen und dafür eigene Software installieren zu müssen, erhält man nun eine all-in-one Automatisierungslösung. Der Malocher Bot kombiniert ein erweiterbares Standard-Betriebssystem mit einer intuitiven, benutzerfreundlichen Oberfläche – alles in einem Gerät, das umfassend getestet und anpassbar ist.
Ein offener Marktplatz bringt Transparenz in die Branche
Unchained Robotics bietet sowohl Komplettlösungen als auch einen Marktplatz mit einzelnen Roboterkomponenten an. Milicevic: „Wir möchten Unternehmen, die nach Automatisierungslösungen suchen, genau das bieten, was sie brauchen: sei es eine Komplettlösung, einzelne Roboter oder spezielle Teile. Dabei sind wir völlig markenneutral.“ Wichtig ist hierbei auch das Thema Preistransparenz. Milicevic: „Als wir anfingen, unsere Partner aufzufordern, ihre UVP, also die unverbindliche Preisempfehlung, offen auf unserer Website zu veröffentlichen, mussten wir viele erst überzeugen.“ Fünf Jahre später ist ein transparenteres Modell allmählich zur Norm geworden. „Dies ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass die Robotik nicht mehr als Raketenwissenschaft erscheint, sondern als etwas, das jedes kleine und mittlere Logistikunternehmen nutzen kann, um die großen Probleme unserer Zeit zu lösen: den Mangel an Arbeitskräften.“

Vom Lager bis zum Chemielabor: Roboter im Einsatz gegen den Fachkräftemangel
Die Lösungen von Unchained Robotics kommen bereits in verschiedenen Industriezweigen zum Einsatz, insbesondere da, wo der Fachkräftemangel am stärksten zu spüren ist. In der Logistik übernehmen Roboter Aufgaben wie das Be- und Entladen, Sortieren und Transportieren von Waren. „Zu unseren Kunden zählt einer der größten Chemiehersteller weltweit. Für ihn haben wir eine Komponente geliefert, mit der kleine Mengen von Lösungsmitteln automatisch dosiert werden können. Bisher musste das von ausgebildeten Chemietechnikern manuell durchgeführt werden“, erklärt Milicevic. Studien zeigen, dass in den meisten Branchen in Deutschland und Europa – vom Chemielabor bis zur Lagerhalle – ein akuter Mangel an Arbeitskräften herrscht. Automatisierung bietet hier eine Lösung, sowohl kurzfristig als auch langfristig. Sie ermöglicht es, dass sich Arbeitnehmer auf Tätigkeiten konzentrieren können, die Roboter nicht übernehmen können – Aufgaben, die in der Regel weniger gefährlich, abwechslungsreicher und von höherer Wertschöpfung sind. Neben der Weiterentwicklung bestehender Systeme, wie etwa der Palettier- und Boxhandling-Lösungen, plant Unchained Robotics auch den Einstieg in neue Bereiche, darunter die Oberflächenbearbeitung und Dosieranlagen für die Verarbeitung von Klebstoffen und anderen Flüssigkeiten.
Warum auch kleine und mittelständische Logistikunternehmen nicht mehr vor Automatisierungslösungen zurückschrecken müssen.
Expansion in die USA
Im vergangenen Jahr erhielt Unchained Robotics ein Investment von 5,5 Millionen Euro von Future Industry Ventures, Teklas Ventures, vent.io sowie von bestehenden Investoren und branchenbekannten Business Angels. Mit dem Investment will das Unternehmen seinen Vertrieb und Service weltweit ausbauen. Angefangen hat das Automatisierungsunternehmen bereits mit der Expansion in die USA. In Zukunft plant das Unternehmen, auch die neuesten technologischen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu integrieren. Hierbei erweist sich Paderborn weiterhin als idealer Unternehmenssitz. „Die Region Ostwestfalen ist ein bedeutender Standort für die Automatisierungsindustrie, mit vielen Hidden Champions. Die Nähe zur Universität Paderborn ermöglicht es uns, qualifizierte Mitarbeitende direkt aus der Hochschule zu rekrutieren. In der Tat kamen alle ersten Mitarbeiter direkt von der UPB“, so Milicevic. Ein langfristiges Ziel ist es, Automatisierungslösungen zu entwickeln, die in der Lage sind, selbstständig neue Programme zu erstellen, basierend auf einfachen Anweisungen des Nutzers. „Das wäre für uns und auch für viele Hersteller ein Traum“, sagt Milicevic. Unchained Robotics ist bereits auf dem besten Weg, diesen Traum zu verwirklichen, und die ersten Ergebnisse bieten bereits große Vorteile für Logistikkunden, die anpassungsfähige, intuitive und schnell zu installierende Lösungen für gängige Aufgaben wie Boxhandling, Palettieren und mehr suchen. Früher war die Robotik vielleicht noch eine Raketenwissenschaft, aber mit dem Malocher Bot sind diese Zeiten vorbei.

















