In 15 Monaten zur neuen Lagerlogistik

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Der deutsche Pharmastandort ist Teil eines internationalen Produktions- und Distributionsnetzwerks, das mehr als 100 Länder versorgt.
Der deutsche Pharmastandort ist Teil eines internationalen Produktions- und Distributionsnetzwerks, das mehr als 100 Länder versorgt. – Bild: NTT Data Deutschland AG

Ein Pharmaproduktionsstandort in Schleswig-Holstein: Dort produzieren und vertreiben rund 500 Mitarbeiter Arzneimittel unter hohen regulatorischen Anforderungen, arbeiten mit einer komplexen, automatisierten Lagerlogistik. Und sie spielen eine wichtige Rolle im internationalen Produktions- und Distributionsnetzwerk der Pharmagruppe – für mehr als 100 Länder. Als der lokale Wechsel auf SAP Extended Warehouse Management (EWM) vorbereitet wurde, war eines schnell klar: Ein Standard-Rollout mit dem Template des internationalen Mutterkonzerns würde den Anforderungen vor Ort nicht gerecht werden.

Daher übernahm NTT Data Business Solutions aus Deutschland die Konzeption, Umsetzung und Validierung der SAP EWM Lösung. Innerhalb von nur 15 Monaten wurde das Projekt realisiert und Anfang Juli produktiv gesetzt. Mit dem Abschluss der SAP EWM Hypercare-Phase erreichte das Team einen wichtigen Meilenstein im globalen SAP S/4Hana Programm der Pharmagruppe. Doch bis dahin gab es einige kniffelige Aufgaben zu lösen.

Der Wechsel auf SAP S/4Hana und SAP EWM war Teil einer globalen Initiative: Die bestehende SAP-Landschaft sollte an allen internationalen Niederlassungen zukunftsfähig und vereinheitlicht werden. Das Ziel waren harmonisierte, effizientere Prozesse, die die Wartung und Weiterentwicklung der Systeme erleichtern, und außerdem einheitliche Stammdaten und Bestandsinformationen für mehr konzernweite Transparenz.

In der Pharmabranche sind lückenlose Nachvollziehbarkeit und validierte Prozesse zentrale Anforderungen an die Logistik.
In der Pharmabranche sind lückenlose Nachvollziehbarkeit und validierte Prozesse zentrale Anforderungen an die Logistik. – Bild: ©sanjeri/gettyimages.com

Kein Standard-Rollout, sondern individuelle Anpassung

Am deutschen Standort war wie vielerorts zuvor SAP ECC mit dem klassischen Warehouse Management (WM) im Einsatz. Trotzdem war eine 1:1-Übernahme des globalen EWM-Templates aus erfolgreichen Vorgängerprojekten nicht möglich: Die Lagerstruktur, die Produktionsversorgung und die Automatisierung unterschieden sich deutlich. NTT Data Business Solutions brachte deshalb spezifische Projekterfahrung und Knowhow zu SAP EWM ein und zudem die notwendige Nähe zur deutschen Niederlassung. „Gerade bei einer komplexen Automatisierung ist es entscheidend, Anforderungen mit den Verantwortlichen vor Ort zu besprechen und technische Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Dass wir dabei dieselbe Sprache sprechen, ist ein echter Vorteil: Fachliche Details und Rückfragen können unmittelbar und ohne sprachliche Missverständnisse geklärt werden. Das hat unsere Zusammenarbeit erheblich erleichtert“, sagt Timo Bögeholz, Projektleiter bei NTT Data Business Solutions.

Eine wesentliche Zielsetzung bestand darin, die bestehende Systemarchitektur zu vereinfachen. Im bisherigen Szenario war das Warehouse Management über einen Schnittstellenserver mit dem automatisierten Lager verbunden. Das in SAP EWM integrierte Materialflusssystem (MFS) ermöglicht dagegen eine direkte Anbindung an die speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Die Logistiker können so Lagerbewegungen unmittelbar im EWM steuern und transparent abbilden.

Die komplexe Anlagenstruktur am Standort erforderte eine SAP-EWM-Lösung, die gezielt an die lokalen Prozesse angepasst wurde.
Die komplexe Anlagenstruktur am Standort erforderte eine SAP-EWM-Lösung, die gezielt an die lokalen Prozesse angepasst wurde. – Bild: ©Traimak_Ivan/istockphoto.com

10.500 Stellplätze für Rohstoffe und fertige Produkte

Neben der eigenen Produktion übernimmt der Standort auch eine Rolle als europäischer Distributionshub. Entsprechend anspruchsvoll ist die Infrastruktur: ein automatisiertes Palettenlager für Rohstoffe und Fertigware mit rund 10.500 Stellplätzen, verteilt auf sieben Gassen plus eine kleinere Anlage mit rund 4.200 Stellplätzen und vier Gassen für Versandware. Hinzu kommen Gassenwechsler, Wickelanlage, Kommissionierarbeitsplätze, mehrere Wareneingangs- und Warenausgangszonen, automatisierte Palettentransporte (‚Taxifahrten‘) und eine bidirektionale Gangbrücke. Alle Assets mussten so in SAP EWM integriert werden, dass Ein-, Aus-, Umlagerung und Materialbereitstellung an den Produktionslinien zuverlässig zusammenspielen.

Im Pharmabereich müssen alle relevanten Funktionen nachvollziehbar dokumentiert, getestet und validiert werden. Denn Fehler in der Materialbereitstellung können unmittelbare Auswirkungen auf die Produktqualität und die Patientensicherheit haben. Eine besondere Bedeutung hat daher die Chargenverfolgung: Wenn die Produktion Rohstoffe und Verpackungsmaterialien aus dem Lager anfordert, muss SAP EWM sicherstellen, dass nicht nur das richtige Material, sondern auch die korrekte Charge bereitgestellt wird.

Lückenlose Chargenverfolgung schafft Transparenz vom Lager bis in die Pharmaproduktion.
Lückenlose Chargenverfolgung schafft Transparenz vom Lager bis in die Pharmaproduktion. – Bild: ©Guteksk7/dreamstime.com

Anforderungen kontinuierlich nachgeschärft

Das Projekt startete im April 2025 nach einer ersten Explore-Phase, in der Anforderungen des Standorts und die User Requirements erfasst wurden. Das Team von NTT Data Business Solutions organisierte dann die agile Umsetzung in fünf Sprints. Jeder dauerte rund sechs Wochen und endete mit einer Playback-Session. Der Kunde erhielt dabei einen Einblick in den aktuellen Systemstand, konnte offene Punkte bewerten und Änderungswünsche frühzeitig einbringen. Auf diese Weise ließen sich Anforderungen kontinuierlich nachschärfen, bevor sie in späteren Projektphasen zu größeren Anpassungen geführt hätten.

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