Anspruchsvoll war unter anderem die Anbindung der Produktionsversorgung für die Wiegezentrale. „Für bestimmte Wirkstoffe ist nicht allein das Gewicht des Rohstoffs entscheidend, je nach Charge kann der Wirkstoffgehalt variieren. Die benötigte Menge muss dadurch je Charge genaustens abgewogen werden.“, sagt Timo Bögeholz. Auch die Integration von Informationen aus dem Versand gehörte zum Projekt. Datenlogger an Paletten erfassen während des Transports Temperaturverläufe und Erschütterungen. So lässt sich unter anderem die Kühlkette kontrollieren.
Nach der Realize-Phase begann eine intensive Dokumentations-, Test- und Validierungsphase. Bis kurz vor dem Go-live wurden Prozesse wiederholt getestet, Fehler analysiert und die erforderlichen Nachweise erstellt. Ein wesentlicher Bestandteil waren Testwochenenden an der automatisierten Anlage. Dabei prüfte das Team, ob Paletten den vorgesehenen Weg nehmen, die Lastverteilung über die Gassen funktioniert und alle Fördertechnikkomponenten korrekt zusammenspielen. Fehler durften nicht erst im laufenden Betrieb sichtbar werden. Nach rund 15 Monaten ging SAP EWM zusammen mit dem S/4Hana ERP-System Anfang Juli produktiv. Im anschließenden Hypercare konnte das Projektteam den Betrieb eng begleiten und offene Aufgaben unmittelbar lösen.
Der Standort verfügte bereits über weitgehend effiziente Prozesse. Ziel war daher vor allem, das bisherige Leistungsniveau zu sichern, die Systemarchitektur zu vereinfachen und eine zukunftsfähige Basis für weitere Automatisierungsprojekte zu schaffen. Deshalb wurden Prozesse bereits so modelliert, dass sie künftig beispielsweise von einem fahrerlosen Transportsystem übernommen werden können.
Ein solches System soll ab 2027 Paletten automatisiert vom Lager bis zu Übergabepunkten an den Produktionslinien transportieren. Das würde die Mitarbeiter des Drei-Schicht-Betriebs entlasten. Zudem lässt sich so der Personenverkehr reduzieren, was bei den Anforderungen an Reinräume eine Rolle spielt.

Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
NTT Data Business Solutions setzte das EWM-Projekt über Teams, Standorte und Zeitzonen hinweg um. Die Zusammenarbeit erforderte daher klare Verantwortlichkeiten und eine enge Abstimmung. Timo Bögeholz: „Wir mussten globale Vorgaben mit lokalen Prozessen, regulatorischen Anforderungen und einer besonderen Anlagenstruktur in Einklang bringen. Ein globales Template kann dann funktionieren, wenn die standortspezifischen Anforderungen frühzeitig erkannt und integriert werden.“
Das Ergebnis ist mehr als die Ablösung eines alten Warehouse-Management-Systems. Es ist ein wichtiger Baustein der S/4Hana-Transformation und eine Grundlage dafür, die Logistik des Standorts auch in Zukunft zuverlässig weiterzuentwickeln. SAP EWM bildet daher nicht nur die aktuelle Logistikrealität ab, sondern schafft Raum für die nächsten Schritte.
















