Steigerung der Logistikkapazitäten

Newsletter 04 dhf 32 2026
Bild: SSI Schäfer – Fritz Schäfer GmbH

Im Bausektor zählt die Marke Warema zu den führenden Anbietern von hochwertigen, technischen Sonnenschutzlösungen. Ungeachtet aller Konjunkturschwankungen befindet sich das Familienunternehmen auf stabilem Wachstumskurs. An seinem Stammsitz in Marktheidenfeld stieß Warema jedoch an Kapazitätsgrenzen. Daher entschied die Geschäftsführung 2018, ein neues Produktions- und Logistikzentrum im nahe gelegenen Wertheim zu errichten. Mitte 2021 folgte die Eröffnung. Der Standort dient jetzt als zentrales Distributionszentrum für den europäischen Markt.

Schmalgang schafft noch mehr Platz für Regale

Warema hat das Logistikzentrum gemeinsam mit dem Intralogistikspezialisten SSI Schäfer konzipiert. Die Entscheidung für die Zusammenarbeit fiel aufgrund der ausgewiesenen Fachkompetenz von SSI Schäfer beim Bau von hochverdichteten Lagerlösungen. Herzstück der Anlage sind sieben Schwerlast-Verschieberegale des Typs ESZ. „Verschieberegalanlagen verfügen über ein Schienensystem, auf dem sich die Regale horizontal versetzen und somit zu kompakten Blöcken verdichten lassen. In der Folge braucht der Kunde nur noch eine einzige Arbeitsgasse, wodurch sich eine Platzersparnis von bis zu 45 Prozent ergibt“, erklärt Michael Wegner, der als Head of Sales den Bereich Product & Equipment Central Europe bei SSI Schäfer leitet. „Im Vergleich zu feststehenden Regalsystemen erhöht sich damit die Hallenkapazität um mehr als 90 Prozent“, so Michael Wegner weiter.

„In unserem Fall liegen die Werte sogar noch etwas höher“, ergänzt Ulrich Liebler, Projektleiter bei Warema, der das Design des Versandlagers in Wertheim mit entwickelte. „Was vor allem an der geringen Gassenbreite liegt, die wir gewählt haben. Mit 1,5m setzen wir hier auf einen echten Schmalgang. Marktüblich sind 2,5 bis 3m. Auf diese Weise gewinnen wir zusätzlichen Platz für die Regale, sodass sich die Lagerkapazität weiter erhöht.“

Mit der Vorgabe, in einem Schmalgang zu arbeiten, ging das Projektteam an die Grenze des technisch Machbaren. Dass dies möglich war, führt Ulrich Liebler nicht zuletzt auch auf die Robustheit des Schienensystems und der Fahrwagen zurück, mit denen SSI Schäfer seine Verschieberegale ausstattet. Die genannten Konstruktionsmerkmale sorgen für minimale Toleranzen im Verfahrweg und ermöglichen eine hohe Wiederholgenauigkeit der Fahrbewegungen. Beides sind zentrale Voraussetzungen, um gerade auch in einer Schmalgang-Umgebung sicher automatisieren zu können.

Flexible Regaltechnik

Die Qualität des Anlagen-Designs zeigt sich auch im Aufbau der Regale: Die Aufteilung der Fächer und die Auswahl des Zubehörs stellen sicher, dass sich jedwede Fertigware sowohl spezifikationsgemäß als auch platzsparend einlagern lässt. Dabei wurde berücksichtigt, dass Warema rein auftragsbezogen fertigt und der Versand daher ein breites Spektrum an heterogenen Waren handhaben muss. Die Bandbreite der einzulagernden Güter reicht vom einfachen Postkuvert bis zu hochempfindlichen Packstücken mit einer Länge von bis zu sieben Metern und einem Gewicht von bis zu 200kg.

Um die unterschiedlichen Anforderungen an Gewicht, Größe, Volumen und Empfindlichkeit prozesssicher abzubilden, ist jede der sieben Verschieberegalanlagen spezifisch aufgebaut. Die erforderliche Flexibilität liefern Kragarmregale, die Ladungsträger von bis zu 6m Breite aufnehmen. Auf diese Weise erhält der Versand genug Freiheitsgrade, um die Größe der Stellplätze an die aktuell zu bearbeitenden Lieferaufträge anzupassen. Das gesamte Versandlager bietet hierzu 20.000 Regalmeter.

Hohe Verfügbarkeit und Raumeffizienz

Vier der sieben Verschieberegale sind für den Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen (FTS) ausgelegt. Wie schon beim Design der Regaltechnik gingen die Projektentwickler auch bei der Automatisierung bis an die Grenzen der technischen Machbarkeit.

„Unter anderem galt es einen Weg dafür zu finden, Langgutpaletten bis zu einer Regalhöhe von 9m ein- und auszulagern“, erinnert sich Ulrich Liebler. „In einem Schmalgang braucht man dazu einen maßgeschneiderten Ansatz. Daher haben wir uns für die Zusammenarbeit mit einem weiteren Automatisierungsspezialisten entschieden und dann gemeinsam mit SSI Schäfer eine tragfähige Systemlösung entwickelt.“

Derzeit sind zwei fahrerlose Transportsysteme im Einsatz. Zur Gesamtlösung gehören außerdem drei Stapler, die die nichtautomatisierten Verschieberegale bedienen. Sollten tatsächlich einmal beide FTS nicht einsatzfähig sein, können die Stapler die Prozesse im automatisierten Lagerbereich jederzeit übernehmen. Durch die Verzahnung von automatisiertem und nichtautomatisiertem Handling kann Warema die maximale Verfügbarkeit des Versandlagers gewährleisten. Aktuell liegt der Durchsatz im automatisierten Bereich bei etwa 150 Lagerbewegungen pro Tag, in der manuellen Zone bei etwa 600.

Hohe Prozesssicherheit

Zum Automatisierungskonzept gehört auch, dass die jeweils benötigte Fahrgasse systemseitig geöffnet wird. Hierzu wurde die SAP-Lösung von Warema an die speicherprogrammierte Steuerung (SPS) der Fahrwagen angebunden. Sobald ein neuer Transportauftrag aus SAP übermittelt wird, prüft die Verschieberegalanlage, ob die für die Ein- oder Auslagerung benötigte Gasse bereits nutzbar ist. Ist dies nicht der Fall, wird die Gasse geöffnet.

Der vollautomatische Bereitstellungsprozess endet damit, dass sich die Beleuchtung der nun vollständig geöffneten Gasse einschaltet. Hieran erkennen die Staplerfahrer, dass sie einfahren dürfen. Die Sicherheit des Anlagenbetriebs wird auch dadurch erhöht, dass alle Fahrzeuge innerhalb der Arbeitsgasse zwangsgeführt werden. Kollisionen mit den Verschieberegalen sind somit ausgeschlossen. Zu diesem Zweck kommen bei den Staplern lasergestützte Abstandsmesser und bei den FTS Führungsrollen zum Einsatz.

„Dank der Zwangssteuerung geht die Quote der Transportbeschädigungen inzwischen gegen null“, sagt Ulrich Liebler und führt zusätzlich zur Prozessautomatisierung noch einen weiteren Grund an, der die Qualitätskennzahlen in der Versandlogistik verbessert hat: „Unsere Kragarmregale sind so konzipiert, dass jedes Transportfahrzeug direkten Zugriff auf die eingelagerte Fertigware hat. Da somit keinerlei Umsetzungen mehr erforderlich sind, haben wir eine weitere relevante Gefahrenquelle für Transportschäden beseitigt.“

Gestiegene Liefertreue

Darüber hinaus trägt der direkte Zugriff positiv dazu bei, dass die Kundenlieferungen pünktlich auf den LKW kommen. Da Warema feste Touren hat, ist die termingerechte Bereitstellung der Ware essenziell. Im neuen Lager haben sich die Kennzahlen für Liefertreue noch einmal signifikant verbessert, berichtet Ulrich Liebler und unterstreicht: „Mit den Verschieberegalanlagen von SSI Schäfer haben wir eine leistungsstarke Lösung erhalten, die uns im Vergleich zu feststehenden Regalanlagen mehr als 45 Prozent Platzersparnis bringt. Die Kombination aus Schwerlast-Verschieberegalen und flexibler Kragarmtechnik ermöglicht es uns, die ganze Bandbreite unseres Produktportfolios prozesssicher zu handhaben. Besonders wertvoll ist die hohe Verfügbarkeit durch den Parallelbetrieb von FTS und manuellen Staplern. So haben wir die Kapazität und Flexibilität gewonnen, um unser Lieferversprechen wirtschaftlich zu erfüllen und unseren Wachstumsweg erfolgreich fortzusetzen.“