Behälter für Messe Recycling

Teppich Recycling
Die Kippmulde 2024 von Eichinger verfügt über eine Traglast von 2,5t und ist in verschiedenen Größen mit einem Fassungsvermögen von 3.000 bis 5.000l erhältlich. – Bild: NürnbergMesse

Teppichreste am Boden, Müllhaufen in den Ecken, zurückgelassene Broschüren, leere Kaffeebecher und die letzten Gerippe ehemaliger Informationsstände. Während Messen pulsieren, voller Leben sind und vor neuen Ideen nur so strotzen, ist ihr Ende meist wenig inspirierend. Zurück bleibt in der Regel sehr viel Abfall, den es schnellstmöglich zu beseitigen gilt. Denn schon wenige Tage später will eine andere Branche ihre neuesten Innovationen und Ideen vorstellen.

Gemeinsames Projekt mehrerer Akteure

Dass Recycling trotz kurzer Auf- und Abbauphasen möglich ist, zeigt aktuell das Beispiel der Nürnberg Messe. Mehrere Akteure – die Messegesellschaft selbst sowie mehrere Service Partner – haben sich hier zusammen getan, um den Müllberg am Ende von Veranstaltungen zu reduzieren, Wertstoffe zu erhalten und das nicht gerade emissionsarme Segment Messe auf diese Weise nachhaltiger zu gestalten. „Wir sind schon immer darum bemüht, Müll zu reduzieren“, berichtet Iris Wörnlein, Geschäftsführerin in vierter Generation des traditionsreichen Familienbetriebs Messebau Wörnlein. Das Unternehmen ist bereits seit über 100 Jahren bzw. seit der allerersten Messe in der fränkischen Großstadt Service Partner der Nürnberg Messe. Aktuell läuft die Geschäftsübergabe an die fünfte Generation. „Wir haben schon solang ich denken kann Photovoltaik auf dem Dach, lange bevor es dafür eine staatliche Förderung gab“, berichtet die scheidende Senior-Geschäftsführerin. Müll falle vor allem in Form von Folien und Teppichen an. Letzterer landet seit Anfang des Jahres nicht mehr auf dem Müll. Wörnlein hat auf recyclingfähige Teppiche umgestellt, die in einem geschlossenen Kreislauf der Wiederaufbereitung zugeführt werden.

Recyclingfähige Teppiche reduzieren Müllberg

„Eine abermalige Verwendung von Teppichen schließt sich aufgrund der Messe typischen Verunreinigungen etwa durch Kaffee oder Ketchup-Semmeln aus“, berichtet Wörnlein. „Man kann einem Kunden keinen gebrauchten Teppich hinlegen, der nicht einwandfrei ist.“ Auch unterscheide sich der im Messebau verwendete Teppich qualitativ von handelsüblicher Auslegeware. Die Teppiche sind deutlich dünner und entsprechend weniger strapazierfähig. Nach einer Veranstaltung sind sie vielfach abgenutzt. Jedoch sei inzwischen recyclingfähiger Teppich verfügbar, der durch einen geschlossenen Wertstoff-Kreislauf überzeugt.

Sortenreines Recycling erfordert veränderte Abläufe

Damit die Teppiche und die in ihnen enthaltenen Wertstoffe während des stressigen Messeabbaus auch tatsächlich erhalten bleiben und nicht auf dem allgemeinen Müllberg landen, waren einige logistische Anpassungen notwendig. „Die Teppiche einfach auf einem separaten Haufen in der Halle zu sammeln, hat nicht funktioniert“, berichtet Alexander Woderer von der Firma Markus, die im Auftrag von Messebau Wörnlein bei der Nürnberg Messe die Bodenbeläge verlegt und wieder einsammelt. Entweder hätten sich im allgemeinen Abbauchaos andere Abfälle oder Teppiche dazu gesellt, so dass die erforderliche Sortenreinheit nicht mehr gegeben war, oder die Teppiche sind verschwunden. „Ab einem gewissen Zeitpunkt nimmt die Reinigung rigoros alles mit, so dass nichts mehr in den Hallen zurück bleibt“, erklärt Woderer.

Die Kippfunktion der Mulder 2024 ermöglicht das Entleeren in Sekundenschnelle - einfach per Seilzug vom Fahrerbock aus.
Die Kippfunktion der Mulder 2024 ermöglicht das Entleeren in Sekundenschnelle – einfach per Seilzug vom Fahrerbock aus.Bild: NürnbergMesse

Ziel: jeden verlegten Quadratmeter wieder aufnehmen

So war schnell klar, dass die Teppiche nach dem Ende einer Messe schnellstmöglich aus den Hallen entfernt werden müssen, um sie tatsächlich dem Recycling zuführen zu können. Als Sammelort wurde ein Container aufgestellt, für den die Nürnberg Messe einen zentralen, von allen Hallen gut zu erreichenden Standort zur Verfügung stellte. Für den Zwischentransport aus den Hallen zum Container wurden anfangs noch Plattformwägen eingesetzt, was sich aber als zu langsam und zudem mühsam herausstellte. Schnell waren die Wägen voll und nur manuell zu bewegen. Zudem mussten die Teppiche am Container nochmals per Hand bewegt werden. Das Ziel, auch wirklich jeden Quadratmeter der verlegten recyclingfähigen Teppiche wieder aufzunehmen, war angesichts von bis zu 25.000m2 pro Messe damit kaum zu schaffen. So musste eine andere Lösung her.

Alexander Woderer: „Wir haben uns gefragt, wie wir die Teppiche so schnell und unkompliziert wie möglich aus den Hallen heraus bekommen.“ Zudem sollte die Lösung per Stapler zu bewegen sein, um durch die bisweilen engen Gänge manövriert zu werden, da einige Messestände dann noch stehen. „Und da ist der Transport mit einer Mulde unschlagbar“, so Woderer, der sich auf dem Markt nach geeigneten Lösungen umsah.

Spezieller Kippbehälter ermöglicht rasches Aufnehmen der Teppiche

Die Entscheidung fiel schließlich auf einen XXXL-Kippbehälter der Firma Eichinger. Die Mulde vom Typ 2024 verfügt über ein Volumen von 4.000l sowie 2,5t Traglast. Sie lässt sich aufgrund ihrer Rollenlagerung per Hand bewegen, kann aufgrund der Einfahrtaschen aber auch rasch vor einem Stapler versetzt werden. Die Kippfunktion ermöglicht das Entleeren in Sekundenschnelle, einfach per Seilzug vom Fahrerbock aus. Durch Aufsetzen auf dem Boden rollt der Behälter automatisch zurück in seine Ausgangslage, wobei der Kippmechanismus wieder einrastet. Eine Sicherungskette verhindert im Zweifelsfall das Abrutschen von den Staplerzinken.

Nachdem der Einsatz des Behälters und die entsprechende Anpassung logistischer Abläufe während des oft chaotisch wirkenden Abbaus über mehrere Monate mehrfach geprobt und optimiert wurde, ist die Lösung nun bei jedem Abbau erfolgreich im Einsatz.

Einfache Entleerung per Stapler

Anhand von Hallenplänen wissen Alexander Woderer und seine Mitarbeiter ganz genau, welche Stände recyclingfähige Teppiche aufweisen. Per Cutter lösen sie das Tape, das den Teppich am Boden fixiert. Anschließend drehen sie ihn auf Links, um den groben Schmutz herunterzuschütteln. Schließlich werden jeweils 10m Teppich zusammengerollt und in den schon parat stehenden Behälter gesteckt. Ist die Mulde voll, wird sie von einem Mitarbeiter per Stapler nach draußen gefahren und in den bereit stehenden Container entleert. Während dieser sich langsam mit Wertstoffen füllt, leert sich die Halle nach und nach. Doch dieses Mal ist der Müllhaufen bedeutend kleiner.

Wörnlein verlegt nur noch recyclingfähige Teppiche

Ein Ergebnis, das alle Beteiligten mit Zufriedenheit erfüllt und die Weichen für eine wichtige Entscheidung stellte. Seit Anfang 2025 verlegt Markus im Auftrag von Messebau Wörnlein nur noch recyclingfähige Nadelfilz-Teppiche, andere vergleichbare Teppiche hat der Messebauer aus seinem Programm genommen. Zwar sind die Eco-Teppiche aktuell rund zehn Prozent teurer als Wegwerfware, nachteilig war diese Entscheidung zugunsten der Nachhaltigkeit für das Unternehmen aber nicht. „Wir haben dadurch nicht weniger Aufträge bekommen“, erklärt Iris Wörnlein, die mit ihrem Team bis zu 500 Stände pro Messe baut.

Lösung hat auch Ergonomie verbessert

Auch die Firma Markus ist zufrieden: „Für uns läuft’s super mit der Mulde“, resümiert Alexander Woderer und denkt schon über die Anschaffung eines weiteren Behälters nach, um die Teppiche noch schneller aus den Hallen zu befördern. Für ihn hat die Anschaffung auch die Ergonomie nach vorn gebracht. Seine Mitarbeiter, die während einer Schicht bis zu 30.000 Schritte zurücklegen, müssen nach der Einführung nun deutlich weniger laufen und können noch effektiver eingesetzt werden. „Der Einsatz der Mulde hilft ganz klar auch, die physische Belastung des Abbau-Teams zu reduzieren, so dass wir auch in dieser Hinsicht nachhaltiger arbeiten.“