Datenschutz und Datensicherheit in der Industrie 4.0

In der Intralogistik boomt der flächendeckende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken sowie deren Vernetzung zu einem Internet der Dinge, Dienste und Daten. Die Innovationsgeschwindigkeit ist so hoch, dass rechtliche Aspekte dabei oft übergangen werden.

 

Schon beim Sammeln, Bündeln und Auswerten großer Datenmengen zum Zwecke der Prozessoptimierung, Big Data genannt, ist Vorsicht geboten. „Häufig wird das Datenschutzrecht beiseitegeschoben, weil man irrig annimmt, es gehe nur um Maschinendaten und nicht um personenbezogene Daten“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Dr. Thomas Helbing. „Der Begriff der personenbezogenen Daten ist aber sehr weit.“ Speichere eine Logistiksoftware etwa Fahrtrouten samt Kfz- oder Fahrgestellnummer und erfasse das Logistikunternehmen gleichzeitig, wenn auch in einem gesonderten System, wann welcher Mitarbeiter mit welchem Fahrzeug unterwegs war, so stellte dies bereits personenbezogene Daten dar, die das Bundesdatenschutzgesetz besonders schützt. Für die Erhebung muss in der Regel eine Einwilligung des Mitarbeiters oder des Betriebsrates vorliegen und Speicherzeit und Zugriff begrenzt sein. „Für die Einhaltung des Datenschutzes bleibt das Logistikunternehmen verantwortlich, gerade kleinere Betriebe übersehen das oft“, weiß Rechtsexperte Helbing.


Nicht nur um den Schutz, sondern auch um die Sicherheit ihrer Daten müssen sich die Unternehmen vermehrt kümmern. Für Lagerbetreiber kann ein Bestandsmanagement über eine Internet-Cloud als Alternative für teure Softwarelösungen interessant sein. Die Nutzungsverträge sollten allerdings unbedingt Service-Level-Agreements für einen möglichen Systemausfall enthalten, besser noch eine Regelung für die Haftung bei Datenverlust. Man sollte auf einen Anbieter setzen, der alle seine Server innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums vorhält, denn das hohe Datenschutzniveau, das das deutsche Datenschutzgesetz fordert, erfüllen globale Plattformen kaum.


Datenschutzrechtler Helbing warnt: „Viele EU-Clouds sind juristische Mogelpackungen, weil die Anbieter oder Subunternehmer ihren Sitz in den USA haben und damit rechtlich ein Datenexport stattfindet.“ Und der gilt derzeit nicht als sicher, seit der Europäische Gerichtshof Ende vergangenen Jahres das sogenannte Safe Harbor-Abkommen gekippt hat. Die Europäische Union gibt sich gerade ein neues, strengeres Recht, das EU-weit einheitlich sein soll. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung wird wohl ab Mitte 2018 gelten und Verstöße mit hohen Bußgeldern belegen. Helbing rät deshalb: „Wer heute in neue Systeme investiert, muss auch schon das neue Recht im Blick haben.“


Material- und Warenflüsse könnten sich zukünftig auch durch den 3D-Druck ändern. Statt unzähliger Bau- und Ersatzteile müssten dann nur noch etwas Material sowie die elektronischen Bauanleitungen in Form der sogenannten CAD-Dateien bevorratet werden. Diese Computer-Aided-Design-Dateien stellen bereits heute eigene Wirtschaftsgüter dar und werden legal wie auch illegal im Internet gehandelt. Nicht nur an der Datei, sondern auch am gedruckten Produkt bestehen Urheberrechte, Markenrechte und Designrechte von Programmierern und Erfindern, die insbesondere bei einer gewerblichen Nutzung verletzt werden können. Auch wer sie legal erwirbt, ist verpflichtet, die Datei vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen und manipulationssicher abzuspeichern.

 

 

 

Beitrag aus dhf 4.2016

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