Autonom im Lager unterwegs

Immer mehr Logistikunternehmen und Lagerbetreiber setzen im Zeitalter von Industrie 4.0 auf autonom agierende Transportsysteme.

Die selbstfahrenden Roboter, die im Lager wie von unsichtbarer Hand gelenkt Regale und Waren transportieren, bringen aber auch Gefahren mit sich.

 

Die fahrerlosen Transportsysteme (FTS) sind für den innerbetrieblichen, flurgebundenen Materialtransport vorgesehen. Das Modell „Marion“ vom Flurförderzeughersteller Still aus Hamburg ist beispielsweise bestens dafür geeignet, die Be- und Entladung von Routenzügen selbstständig auf Basis eigener Entscheidungen zu organisieren. Der Karlsruher Intralogistikanbieter Grenzebach ist mit G-Com am Markt, einem System aus mobilen Regalen, die von kleinen Robotern namens „Carrys“ unterfahren, angehoben und automatisch zur Pick-Station transportiert werden. Aus Böblingen kommt das Doppelkufensystem „LogiMover“ der Firma Eisenmann:  zwei sich parallel bewegende Gabeln fahren flach am Boden entlang und können selbstständig beispielsweise Paletten ausfindig machen, ansteuern, anheben und an einen anderen Lagerplatz transportieren. Die kleinen Helfer arbeiten zuverlässig, leise und schnell und stellen damit ein gewisses Gefahrenpotenzial dar, denn sie können leicht übersehen oder überhört werden.


„Fragen der Sicherheit sind heute bereits weitgehend gelöst“, sagt Volker Viereck, bei Still verantwortlich für die Vorentwicklung autonomer Transportroboter. „Die Fahrzeuge reagieren selbstständig auf Personen, passen ihre Geschwindigkeit entsprechend an und planen ihre Fahrwege vorausschauend.“ Die Carrys von G-Com beispielsweise sind mit separaten Autostopp-Programmen ausgestattet, die unabhängig vom WiFi-Netz funktionieren und auf Fehlfunktionen oder detektierte Hindernisse reagieren. Und auch der Logi Mover ist so konstruiert, dass er für den Einsatz im Mischverkehr mit Flurförderzeugen und Personen geeignet ist. Systeme, die als nicht personensicher eingestuft sind, dürfen sich hingegen nur in einem für das Personal abgeschirmten Raum bewegen. Still stattet seine Fahrzeuge nach dem Dual-Use-Ansatz sogar allesamt mit Fahrersitzen aus, sodass sie, unabhängig vom Automatisierungsgrad, auch manuell bedient werden können, autonome Fahrzeuge und Menschen quasi als Teamplayer.


„Die Intralogistik hat für autonome Fahrzeuge die besten Voraussetzungen“, schwärmt Entwickler Viereck. „Hier gibt es keine Vorbehalte wie im Straßenverkehr, eine ideale Ausgangssituation.“ Statt StVO und StVZO gelten für die fahrerlosen Systeme aber eine Reihe anderer Vorschriften. Auf europäischer Ebene ist die Maschinenrichtlinie maßgebend, die in Deutschland durch das Produktsicherheitsgesetz und die darauf gestützte Maschinenverordnung umgesetzt wurde. Daneben existieren je nach Ausgestaltung des Systems weitere rechtliche Vorgaben, wie die Niederspannungsrichtlinie, die Richtlinie über die elektronische Verträglichkeit sowie technische Anweisungen und berufsgenossenschaftliche Regelungen. Unterhalb von Gesetzen und Verordnungen gibt es etwa die DIN-Normen, die sich die Wirtschaftsbeteiligten freiwillig und einvernehmlich selbst „verordnen“. Speziell der Sicherheit von fahrerlosen Fahrzeugen in der Intralogistik widmet sich die DIN EN 1525 der VDI-Richtlinie 2510. „Dadurch haben wir ganz klare Anforderungen“, stellt FTS-Experte Viereck fest. Die DIN wird gerade überarbeitet und an den aktuellen Stand der sich rasant entwickelnden Technik angepasst.


Neben der Gerätesicherheit muss auch der Schutz der Arbeitnehmer im Umgang mit den selbstfahrenden Systemen gewährleistet sein. Die entsprechenden Normen finden sich vor allem im Arbeitsschutzgesetz, in der Arbeitsstättenverordnung und in der Betriebssicherheitsverordnung. Unerlässlich sind insbesondere intensive Schulungen der Mitarbeiter, um diese mit den Sicherheitsvorkehrungen bekannt zu machen und menschliche Fehler im Umgang mit den kleinen Helfern möglichst auszuschließen.

 

Beitrag aus dhf 5.2016

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