Foto: Igus
So einfach wie im Supermarkt

Die Sorin Group Deutschland, Hersteller von medizinischen Geräten, setzt bei der Rohmaterialbeschaffung auf ein Kanban-System.

So werden viele C- und B-Teile, wie schmierfreie Kunststoffgleitlager der Firma Igus, vom Handelsunternehmen Ludwig Meister bereitgestellt und das mit deutlich reduzierter Komplexität und niedrigeren Prozesskosten.

 

Die Sorin S.P.A. mit Konzernsitz in Mailand, Italien, ist ein Hersteller von Geräten und Produkten für die Behandlung von Herzkrankheiten. Im Werk München werden unter anderem Herz-Lungen-Maschinen entwickelt und gefertigt, die während einer Operation den Blutkreislauf und die Sauerstoffversorgung des Patienten aufrechterhalten. Seit über 20 Jahren ist das Unternehmen im Segment Herz-Lungen- Maschine weltweit Marktführer.

 

Versorgungssichere Lieferung bei gleichzeitiger Kosteneinsparung


„Zwei von drei Herz-Lungen-Maschinen, die weltweit im Einsatz sind, stammen aus unserem Werk in München“, so Stephan Süß, Lean Manufacturing Specialist bei Sorin. „In unserer Branche herrschen strenge regulatorische Rahmenbedingungen, die durch regelmäßige Audits, zum Beispiel durch den TÜV oder die amerikanische FDA, geprüft werden.“ Jede Maschine wird auf die Kundenbedürfnisse individuell zusammengestellt. Neben dem modularen Produktkonzept setzen die Münchner vor allem auf eine hohe Fertigungstiefe, um das Know-how und die Qualität ihrer Maschinen in der eigenen Hand zu behalten. Einige dieser Komponenten, zu denen beispielsweise schmierfreie Kunststoffkomponenten des Motion Plastics-Spezialisten Igus gehören, werden seit einiger Zeit im Kanban-Verfahren beschafft. „Immer mehr Artikel werden uns heute von der Firma Ludwig Meister aus Dachau geliefert“, erklärt Stephan Süß das System. „Es sind immer mehrere Behälter von einem Artikel vorhanden. Die leergewordenen Kisten werden einmal die Woche abgeholt und nachgefüllt.“ Auf diese Weise muss sich bei Sorin niemand mehr um einzelne Bestellungen kümmern.

 

Das System bewährt sich bereits im Arbeitsalltag.


„Unser Fahrer kommt einmal die Woche hierher, scannt die zu liefernden Artikel und erstellt so automatisch einen Auftrag, der durch den Innendienst geprüft und freigegeben wird“, beschreibt Soner Göcek, zuständiger Außendienstmitarbeiter bei Ludwig Meister, den Arbeitsablauf seines Unternehmens. „Als wir das System hier eingeführt haben, war ich anfangs wöchentlich vor Ort bei Sorin und habe mir den Verbrauch der einzelnen Artikel angeschaut. Inzwischen läuft das System aber reibungslos, sodass unser Kollege die Tour alleine macht.“

 

Auf dem Weg zur geforderten Prozessverschlankung


Ein großer Vorteil des Kanban- Systems ist zweifelsohne der gesparte Arbeitsaufwand für Sorin. „Unser Einkauf muss nicht immer alles einzeln bestellen, und auch die Wareneingangskontrolle und -buchung entfällt“, so Stephan Süß. In der von Ludwig Meister entwickelten elektronischen Kanban-Lösung liegt ein weiteres Plus für den Kunden. Die nachzuliefernden Produkte werden per Scan erfasst und in ein Lagerjournal, ein angelegtes virtuelles Kundenlager, geschrieben. Verbrauch und Lagerbestand bleiben für Sorin dadurch immer transparent und nachvollziehbar. Die Losgrößen aller Artikel können so leicht über eine von Ludwig Meister speziell entwickelte Webanwendung analysiert, weiter optimiert und den Bedürfnissen angepasst werden. „Ein weiterer großer Vorteil ist aber auch, dass praktisch kein Vorrat an Bauteilen mehr leerlaufen kann, da immer von allem genug da ist“, so Stephan Süß. Somit spart das Unternehmen nochmals, da es gerade bei Engpässen oft teuer wird, wenn Produkte schnell geliefert werden müssen. Denn dann liegt der tatsächliche Warenwert oft unter den indirekten Beschaffungskosten der Artikel. Wenn jedoch, wie im Fall von Sorin, bei der Einzelfertigung eine Komponente fehlt, kann die Maschine nicht fertiggestellt werden. „Das Kanban-System schließt diese Engpässe praktisch aus, und dennoch ist es für uns beruhigend, darauf vertrauen zu können, dass es mit Ludwig Meister zur Not auch einmal schnell gehen kann, wenn es bei uns schnell gehen muss“, ergänzt Stephan Süß.


Auch in der Medizinbranche ist Kostenoptimierung ein großes Thema, ohne bei der Qualität Abstriche zu machen. „Die Maschinen müssen sehr hohen Standards entsprechen, die mitunter sehr teuer sind. Es gilt, jährliche Effizienzverbesserungen zu erreichen“, erklärt Lean Manufacturing Specialist Süß. „Woanders sind nur noch Cent-Beträge in der Optimierung zu erreichen, aber in der Verwaltung steckt noch sehr viel Potenzial.“ Früher hatte das Unternehmen über 500 verschiedene Lieferanten, die Sorin jedoch sukzessive bündeln möchte. Ein Kanban- System mit wenigen zentralen Lieferanten kann hier in einer Gesamtkostenbetrachtung deutliche Einsparungen bringen.

 

Modernes Logistiksystem


Auch bei Ludwig Meister denkt man strategisch: „Wir haben bei uns vor rund fünf Jahren mit dem strategischem Einkauf angefangen, was auch für uns viel effizienter in der Bestandführung ist“, so Göcek von Ludwig Meister. „Wir garantieren unseren Kunden, dass wir immer lieferfähig sind. Um das erreichen zu können, ist ein optimales Logistiksystem unbedingt notwendig.“


Dieses hat Ludwig Meister in seinem neuen Logistikzentrum, das Ende 2013 in Betrieb genommen wurde, erreicht. Hier arbeitet das Handelsunternehmen mit dem sogenannten „Autostore-System“. In einem dreidimensionalen Aluminiumraster werden in dessen Zwischenräumen Warenbehälter direkt übereinander gestapelt. Derzeit sind dies bei Ludwig Meister 900 Stapel zu je 24 Behältern. Auf dem 45 mal 20 Meter großen Raster fahren 14 Roboter, die die Warenbehälter des vielfältigen Ludwig Meister-Sortiments einsammeln und diese nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ direkt zum Personal an die Kommissionierplätze bringen. Die Lagermitarbeiter warten so durchschnittlich nur rund zehn Sekunden auf ein benötigtes Produkt. Soner Göcek: „Als wir unser neues Lager bauten, haben während der Bauphase alle Mitarbeiter am Wochenende mitgemacht. Was heute im neuen Lager ein Mitarbeiter macht, haben früher drei Leute gemacht. Wir haben, wie geplant, niemanden entlassen, da wir administrative Aufgaben der Warenwirtschaft ins Lager verlegt und glücklicherweise den Umsatz deutlich gesteigert haben.“ Bei großen Bauteilen, die ebenfalls im Kanban-System enthalten sind, liegt eines bei Sorin und eines bei Ludwig Meister auf Lager. „Dadurch müssen unsere Kunden nicht so viel Lagerfläche bereithalten“, so Göcek. Dazu ergänzt Franz Allertseder, der bei der Firma Sorin für die Fertigungssteuerung im Montagebereich verantwortlich ist: „Es sieht zwar so aus, als hätten wir weniger Teile auf Lager. Aber durch die regelmäßige Befüllung durch Ludwig Meister ist die Materialversorgung immer gesichert. Somit können wir uns auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren.


Mit Blick auf die Lagerhaltung lassen sich durch das Kanban-System somit Prozesse vereinfachen. Die Flächen, die einst als Lager gedient haben, können anderweitig genutzt werden. Ein weiterer Pluspunkt beim Service von Ludwig Meister ist, dass einzelne Komponenten, wie beispielsweise verschiedene Gleitlagerprodukte, als Kit direkt von Ludwig Meister ausgeliefert werden und nicht nur einzelne Buchsen. „Etwas knifflig ist es in unserer Branche immer mit bestimmten Zulassungsvoraussetzungen und Freigaben, bis sich schlussendlich etwas an den Lieferbedingungen ändern darf“, fasst Stephan Süß zusammen. „Aber durch ein gutes System wie dieses sparen wir unterm Strich und wollen daher in Zukunft noch mehr Artikel direkt über Ludwig Meister beziehen.“ 

www.igus.de


Titelthema aus dhf 9.2015

15_9_TT_igus_SEI.jpg

 
 

Hier finden Sie die Titelthemen der vergangenen Ausgaben

 

Gerne können Sie dhf 9.2015 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de         

oder:      Kontaktformular

AGT Verlag Thum GmbH
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56


 

spacer
Online Werbung @ dhf
  
  
spacer