Foto: Jürgen Warmbold
Die Zukunft der Flurförderzeuge

Das Themenspektrum der Hamburger Staplertagung, die am 7. Juli 2016 zum elften Mal in der Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr Hamburg) stattfand, war breit gefächert. Rund um das Flurförderzeug wurden Zukunftstrends sowie Forschungs- und Automatisierungsprojekte vorgestellt.


JÜRGEN WARMBOLD, FACHJOURNALIST

Das Thema Industrie 4.0, zurzeit in aller Munde, durfte auf der Staplertagung nicht fehlen. Dr. Klaus-Dieter Rosenbach, Vorstand Logistiksysteme der Jungheinrich AG, sieht darin kein Neuland, sondern die Fortführung einer Idee, die in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts unter dem Begriff CIM (Computer Integrated Manufacturing) entstanden ist. Das Streben nach Automatisierung habe zwar Ende der Achtzigerjahre nachgelassen, stände jetzt aber wieder im Fokus. Es gehe um flexiblere Systeme, beispielsweise um kleinere Ladungsträger und somit um mehr Einsatzfelder. Die Automatisierung werde sich zu einem Standardtool in der Intralogistik entwickeln, betonte Rosenbach. Aufseiten der Anbieter sei Kompetenz gefragt, vom manuell bedienten über das automatisierte Flurförderzeug bis hin zum Automatiklager.

 

Logistikkonzepte für die Automobilindustrie


Prof. Karl-Heinz Wehking, Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT), Universität Stuttgart, ging in seinem Vortrag auf das Großprojekt ARENA2036 ein, das eine mögliche Zukunft der Automobilproduktion beleuchtet. Wehking mahnt einen Wandel in der Produktionslogistik der Branche an. Um bei einer weiteren Zunahme an Fahrzeugtypen und Varianten einen wesentlichen Anstieg der Logistikkosten zu vermeiden, entwickelt das Institut Logistikkonzepte für die Automobilindustrie. Geplant sei, Autos künftig ohne Takt und Band zu produzieren. Dies erfordere die Entwicklung neuer förder-, lager- und handhabungstechnischer Maschinen und Einrichtungen sowie neuartiger zusätzlicher Ladungsträger. Es sei von einer Zukunft auszugehen, die weitgehend ohne Stapler und Routenzüge auskomme. In der Montage sei ein Mix aus kleinen und großen Fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) gefragt, letztere als mobile Plattformen, auf denen Werker beispielsweise Bodenmodule montieren.

 

Weniger Gewicht – weniger Energieverbrauch


Sergey Stepanyuk, M.Sc., Lehrstuhl für Maschinenelemente und Technische Logistik (MTL), Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, sprach über Gewichtsreduktionspotenziale eines Gegengewichtsstaplers. Ziel sei ein deutlich verringerter Energieverbrauch. Nachteile, die die Gewichtsreduktion hinsichtlich der Standsicherheit mit sich bringe, wolle man durch aktive Stabilisierungssysteme kompensieren. Abgesehen davon könnten die Hersteller schwere Komponenten in den hinteren Bereich der Stapler versetzen. Gravierende Verlängerungen der Arbeitsabläufe seien nicht zu erwarten.

 

Flurförderzeuge lernen hören und sehen


Um eine situative Verhaltenssteuerung für interaktive, ‚Fahrerlose Transportfahrzeuge ging es im Vortrag von Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Björn Eilert, Abteilungsleiter Produktionsautomatisierung am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH). Durch den Einsatz kognitiver Technologien möchte das IPH Flurförderzeuge befähigen, ähnlich dem Menschen flexibel auf physische Umgebungsveränderungen und organisatorische Umstellungen des Arbeitsablaufs zu reagieren. Derart interaktive FTF könnten ihr Verhalten selbstständig an sich wandelnde Produktionsumgebungen und -anforderungen anpassen. Mit der Integration kognitiver Technologien verbinde man das Ziel, dass die FTF die ihnen zugewiesenen Transportaufträge autonom ausführen. Die Aufträge werde der Bediener, der mehrere Fahrzeuge gleichzeitig beauftragen könne, über Sprache und Gestik zuweisen.

 

FTS vor großer Zukunft


Dr.-Ing. Günter Ullrich, Leiter des Forum-FTS, hob in seinem Vortrag die Schlüsselrolle des Fahrerlosen Transportsystems (FTS), ergänzt durch das Service- und Transportsystem (STS), in der Intralogistik, der Smart Factory und der Industrie 4.0 hervor. Nach Ansicht von Ullrich habe der manuell zu bedienende Gabelstapler seine besten Zeiten hinter sich. Er erwarte, dass innovative Flurförderzeughersteller neuartige Fahrzeuge und damit auch revolutionäre Intralogistiklösungen samt den dazu gehörigen Märkten schaffen werden.

 

Interaktion zwischen Mensch und Maschine


Christian Fischer und Volker Viereck von der Still GmbH referierten über das interaktive Zusammenspiel von Mensch und Maschine durch Autonomie. In den Mittelpunkt ihrer Präsentation stellten sie die autonome Systemlösung iGo neo CX 20. Das Flurförderzeug, ein Niederhub-Kommissionierer, folgt dem Bediener ohne zusätzliche Fahrbefehle und fährt je nach Wunsch bis zur ersten oder zweiten Palettenposition vor. Da sich der Mitarbeiter auf die Picks konzentrieren kann, steigt die Kommissionierleistung. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Fehler. Im Hinblick auf die Amortisationszeit rechnen die Referenten mit eineinhalb Jahren.

 

Lithium-Ionen-Batterien für Gegengewichtsstapler


Der Vortrag von Dr. Stefan Wenzel, Director Electrics/Electronics Integration Projects, Kion Group AG, stand unter der Frage, ob Lithium-Ionen-Batterien im Gabelstapler zu teuer und zu gefährlich sind. Wenzel sieht diesen Batterietyp schon heute in vielen Einsätzen als die nachweislich wirtschaftlichere Alternative an. Auch, weil Batteriewechsel und Wartung entfallen. Im Gegengewichtsstapler spiele die Lithium-Ionen-Technologie trotz der genannten Vorteile bisher keine nennenswerte Rolle. Die Gründe seien im mangelnden Angebot ausreichend günstiger, systemintegrierter und staplertauglicher Batterien zu finden. Hinsichtlich der Brand- und Explosionsgefahr habe man in einem Test nachgewiesen, dass ein massiv gestalteter Batterietrog eine Penetration von Zellen bei einem Crash zuverlässig verhindere.

 

Rückwärtige Lösungen


Dr. Anatoly Sherman, Business Unit Manager 3D Compact Systems, Sick AG, setzt auf 3D-Assistenzsysteme, um die Sicherheit für Flurförderzeuge zu erhöhen. Diese bilden eine Grundlage dafür, dass sich die Fahrer auf den Güterumschlag und andere Aufgaben konzentrieren können. Ein wichtiger Punkt, zumal ein Staplerfahrer teilweise stundenlang rückwärts manövrieren muss. Lösungen, die auf der 3D-Technologie basieren, warnen ihn in kritischen Situationen durch akustische und optische Signale und erübrigen damit ständige Blicke auf einen Kontrollmonitor.


Dr. Susanne Frohriep, Grammer AG, sprach über das Dualmotion-Konzept. Dies unterstützt die rückwärtig gerichtete Fahrerhaltung und vergrößert somit spürbar den Kurz- und Langzeitkomfort der Bediener. Hieraus resultieren verringerte Ermüdungserscheinungen und ein Beitrag zur Gesunderhaltung der Wirbelsäule.

 

Neues Reifen- und Felgen-Konzept


Tim de Witte von der Camso Inc., Belgien, stellte das Response-Reifen- und -Felgen-Konzept vor. Es steht unter anderem für einen geringeren Rollwiderstand und Wärmeaufbau von Vollgummireifen, für eine Material-Reduzierung der Reifen sowie für mehr Sicherheit und Komfort.

www.staplertagung.de

 

Beitrag aus dhf 7-8.2016

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