Foto: Matthias Schweizer
Technologien und Lösungen für die digitale Welt

Die Herausforderungen für die Intralogistik durch die weltweite Vernetzung und Kommunikation standen im Mittelpunkt des 25. Materialfluss-Kongresses 2016 in Garching bei München.

Rund 400 Experten und zahlreiche Aussteller aus der Branche waren der Einladung der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (GPL) in die Räumlichkeiten der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Universität (TU) München gefolgt.

Das Thema Industrie 4.0, das derzeit die fachliche Diskussion auf Tagungen und Konferenzen beherrscht, stand auch beim Materialfluss-Kongress ganz oben auf der Tagesordnung. Die weltweite digitale Vernetzung von Maschinen, Produktionsmitteln, Prozessen, Waren und nicht zuletzt Menschen stellt Unternehmen quer durch sämtliche Branchen vor neue Herausforderungen und erfordert hochintelligente Technik. „Neben vielen, zum Teil weit in die Zukunft reichenden Visionen werden aber auch eine Vielzahl Erfolg versprechender Lösungsansätze bereits eingeführt“, betonte Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wi.-Ing. Willibald A. Günthner, Leiter des Materialfluss-Kongresses sowie des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik (FML) an der TU München. „Die Intralogistik ist dabei in besonderem Maße betroffen und in vielen Bereichen Vorreiter auf dem Weg zur intelligenten Fabrik.“

 

Automatisierung sorgt für effizientere Prozesse


Wie diese Lösungsansätze im Detail aussehen und wie sie in der Praxis bereits eingesetzt werden, darüber konnten sich die Besucher an den beiden Kongresstagen ein genaues Bild machen. Auf dem Programm standen unter anderem mehr als 40 Fachvorträge zu aktuellen Themen, zum Beispiel dem Einsatz autonomer Systeme, die eine intelligente und effiziente Automatisierung intralogistischer Prozesse ermöglichen. „Immer mehr Logistikunternehmen und Lagerbetreiber setzen auf innerbetriebliche Transportsysteme, die ihre Route eigenständig organisieren, auf Lager, die Leerstände in Echtzeit erkennen und füllen, auf Systeme, die sich dank innovativer IT zu internen Komplettdienstleistern entwickeln“, erläuterte Regina Schnathmann, Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Beumer Group GmbH, die die Vortragsreihe zum Thema „innovative Technologien“ moderierte. Ein praktisches Beispiel dafür stellte ihr Kollege Thomas Wiesmann vor: Der Verkaufsleiter Logistiksysteme berichtete über eine semiautomatische Paketentladung, die Beumer für die Deutsche Post realisiert hat. Das Unternehmen konnte damit seinen Durchsatz erheblich steigern und die Ergonomie beim Entladevorgang deutlich verbessern.


Ein effizienter und reibungsloser Paketversand gewinnt gerade in Zeiten des boomenden Online-Handels enorm an Bedeutung. Über Chancen und Herausforderungen des E-Commerce sprach auch Stephan Meixner, Herausgeber der Internet-Plattform neuhandeln.de. „Viele stationäre Händler werden in den kommenden Jahren nach neuen Umsatzquellen suchen und online gehen“, prognostizierte er in seinem Vortrag. „Dadurch verschärft sich der Wettbewerb, auch weil Konkurrenten aus dem Ausland in den heimischen Markt drängen und um ihre Kunden buhlen.“ Um sich vom Wettbewerb zu differenzieren und die Rendite wieder zu steigern, sollten Händler daher in ihr Sortiment investieren und Eigenmarken entwickeln. Auch Modelle mit mehreren spezialisierten Shops eines Unternehmens seien zukunftsfähig, allerdings mit den entsprechend hohen Anforderungen an die Intralogistik.

 

Herausforderung Datensicherheit


Prinzipiell sei die Branche jedoch auf die Veränderungen des digitalen Zeitalters bereits sehr gut vorbereitet, befand Mathias Thomas, Geschäftsführer des Systemanbieters Dr. Thomas GmbH & Co. KG. „Ich bin ehrlich gesagt etwas verwundert, dass wir das Thema Digitalisierung im Bereich der Intralogistik gerade wie eine Offenbarung behandeln“, wendete er ein. Das Erfassen von Daten über Durchlauf, Nachschub, Anlagenzustände, freie Kapazitäten, den Status von Maschinen sowie die auf diesen Daten basierende automatische Anlagensteuerung sei bereits seit mehr als zehn Jahren gang und gäbe. „Der Unterschied zu früher ist, dass die Server heute noch am Internet hängen und der CEO den Status jeder Maschine und den Standort jedes Mitarbeiters in Echtzeit abfragen kann“, erklärte er. Dadurch ergäben sich jedoch auch neue Herausforderungen, etwa bei der Datensicherheit. Hier sieht der Experte saubere und klar definierte Schnittstellen als wichtige Voraussetzung, um Transparenz und damit einen zuverlässigen Datenschutz sicherzustellen.


Um die zunehmende Komplexität intralogistischer Prozesse zu beherrschen, ist leistungsfähige und intelligente Software der Schlüssel, so lautete die einhellige Meinung auf dem Kongress. Dies verdeutlichte auch Christian Thoma, Projektleiter bei der Kaeser Kompressoren GmbH. Das Unternehmen hatte mithilfe der Viastore Software GmbH sein vorhandenes SAP LES auf das moderne und zukunftssichere SAP EWM und anschließend das Datenbanksystem auf SAP HANA umgestellt. „Unser Ziel war, die Steuerung einer komplexen Logistikanlage mit mehreren automatischen Paletten- und Kleinteilelagern, Lager-Liften, Regalbediengeräten, fahrerlosen Transportsystemen und Fördertechniken direkt an die Lagerverwaltung und das Materialfluss-System anzubinden“, beschrieb er in seinem Vortrag. Mit der Lösung kann Kaeser seine Kunden nun deutlich schneller und nahezu fehlerfrei beliefern. „Das sorgt für Kosteneinsparungen und eine hohe Arbeitsqualität“, betonte Thoma.

 

Vanderlande gewinnt VDI-Innovationspreis


Gewinner des VDI-Innovationspreises Logistik war in diesem Jahr die Vanderlande Industries GmbH. Das Unternehmen wurde für das hochflexible und modulare 3D-Shuttle-System Adapto ausgezeichnet, ein skalierbares Lager-, Entnahme- und Transportkonzept. Dieses besteht aus einer Regalstruktur mit Schienensystem sowie multidirektionalen Shuttles, die Behälter zwischen den Lagerplätzen und den Ein-/Auslagerplätzen transportieren. Lifte befördern die Shuttles zwischen den einzelnen Ebenen, eine Software steuert den gesamten Verkehr. „Damit lassen sich die unterschiedlichsten Auftragsstrukturen, schwankende Durchsatzanforderungen und die sich stetig ändernden Geschäftsbedingungen der Kunden bestens bewältigen“, lobte der Jury-Vorsitzende Prof. Willibald A. Günthner. Johannes Seiler, Absolvent der TU München, konnte sich für seine Master-Arbeit „Untersuchungen zur Planung manueller Lagersysteme mithilfe eines Optimierungsalgorithmus“ über den mit 500 Euro dotierten VDI Studienpreis Logistik freuen.

www.materialflusskongress.de

 

Beitrag aus dhf 5.2016

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