Foto: BVL
Innovative Konzepte für eine Welt in Bewegung

 

32. Deutscher Logistik-Kongress stellt sich den Herausforderungen der Zukunft

3226 Teilnehmer aus mehr als 40 Nationen und Fachbeiträge von rund 130 Referenten: Der Deutsche Logistik- Kongress, zu dem die Bundesvereinigung Logistik (BVL) vom 28. bis 30. Oktober 2015 wieder nach Berlin geladen hatte, war erneut der Anziehungspunkt für zahlreiche Experten aus Logistik und Supply Chain Management.

Drei Tage lang netzwerkten die Kongressteilnehmer und diskutierten Trends und Herausforderungen der Branche, sie informierten sich über innovative Ideen und Lösungen – alles unter dem Motto „Eine Welt in Bewegung“. 


Führende Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Forschung zählten zu den Rednern des 32. BVL-Kongresses. Ihre einhellige Meinung: Die Logistikbranche befindet sich im Wandel, ausgelöst durch globale Megatrends, wie die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung sowie die Individualisierung der Gesellschaft. „Wir erleben eine Zeit rasanten technischen Fortschritts. Alle, die mit Logistik zu tun haben, stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Dr. Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und verantwortlich für Daimler Trucks & Buses. „Dabei ist eines wichtiger denn je: Dass Industrie und Politik auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.“ Eine leistungsfähige Infrastruktur sei eine dieser gemeinsamen Aufgaben und Grundvoraussetzung dafür, dass Deutschland als Industriestandort auch künftig konkurrenzfähig bleibt, betonte Bernhard.

 

Auch die Logistik diskutiert über Flüchtlinge


Einer der Höhepunkte des Kongresses war die Rede von Wolfgang Schäuble am Eröffnungstag. Der Bundesfinanzminister schlug einen gedanklichen Bogen von der Europapolitik über die aktuelle Flüchtlingsdebatte bis hin zu wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen. „Natürlich gilt in Europa wie in Deutschland: Wir müssen den Flüchtlingen helfen. Sonst ist Europa nicht Europa. Unbegrenzt kann Europa und kann Deutschland diese Hilfe allerdings nicht leisten. Die Menschen müssen wissen, wer bleiben kann und wer nicht“, erklärte der Minister. Er stellte klar, dass die mit den großen Flüchtlingszahlen verbundenen Aufgaben zu groß sind, als dass sich die Verantwortlichen darüber streiten dürften. Andere Themen müssten im Moment zurückstehen. „Wir werden nicht die schwarze Null als Argument anführen, wenn es um die Finanzierung der Flüchtlingshilfe geht“, unterstrich Schäuble und führte fort, die europäische Einigung sei nicht ein Mittel zur Effizienzsteigerung, sondern zur Machtbegrenzung, zur Sicherung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Ein wirtschaftlich erfolgreiches Europa könne dazu beitragen, eine Welt in Bewegung zu ordnen.


Die gewaltige Aufgabe der Flüchtlingshilfe beschäftigte den Logistik-Kongress auch an anderer Stelle: Erstmals verlieh die BVL einen Sonderpreis für humanitäre Logistik, um auf die Bedeutung und die Dringlichkeit des Themas aufmerksam zu machen. Die mit einer Spende von 10 000 Euro verbundene Auszeichnung ging an die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz für deren besonderes Engagement und herausragenden logistischen Leistungen bei der Unterbringung und Versorgung der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. „Diese drei Organisationen leisten Großes und arbeiten in der aktuell schwierigen Situation in vorbildlicher Weise zusammen“, lobte der Vorstandsvorsitzende der BVL, Professor Raimund Klinkner. „Die übergreifende Kooperation, über die schon vor einigen Jahren im Zusammenhang mit dem Erdbeben in Haiti nachgedacht wurde, wird jetzt nachvollziehbar in der Praxis umgesetzt.“ Die Publizistin Auma Obama plädierte als Gast der Preisverleihung für einen Dialog auf Augenhöhe zwischen Einheimischen und Migranten. Integration, betonte Obama, dürfe nicht mit Assimilation gleichgesetzt werden.

 

Logistik-Preis für innovatives Kommissioniersystem


Mit dem Deutschen Logistik- Preis zeichnete die BVL in diesem Jahr den Logistikdienstleister BLG LOGISTICS und dessen Kunden, den Spezialisten für Arbeitskleidung Engelbert Strauss, aus. Die beiden Unternehmen konnten die Jury mit ihrem Projekt „Treffpunkt Stargate – Logistik an der Schnittstelle von Mensch und Roboter“ überzeugen. Dabei handelt es sich um eine mobile, skalierbare und effiziente Lager- und Kommissionierlösung, mit der BLG am Standort Frankfurt unter anderem Retouren für Engelbert Strauss abwickelt. Dabei bringen intelligente Transportfahrzeuge die Regale mit den Waren vollautomatisch zu einer multifunktionalen, flexiblen und ergonomisch angelegten Pick-Station. Dies vermeidet lange und zeitaufwendige Wege für die Mitarbeiter und macht den Retourenprozess deutlich effizienter. „Die Innovation steckt im bahnbrechenden Einsatz des Systems“, bemerkte der Vorsitzende der Jury, der Wirtschaftsjournalist und Publizist Roland Tichy. „Gute Logistik wird von den Kunden der Kunden heute als selbstverständlich vorausgesetzt“, betonte Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender von BLG LOGISTICS, in seiner Dankesrede. „Sie ist ein entscheidender Erfolgsbringer.“


Fortschrittliche Lösungen für die Logistik von morgen gab es auch bei der Verleihung des Wissenschaftspreises Logistik zu bestaunen. Preisträger war in diesem Jahr der Ingenieur Tobias Krühn, der sich mit seiner Dissertation „Dezentrale, verteilte Steuerung flächiger Fördersysteme für den innerbetrieblichen Materialfluss“ in der Finalrunde durchsetzen konnte. Ziel seiner Arbeit, die am Institut für Transport- und Automatisierungstechnik der Leibniz Universität Hannover entstand, war die Entwicklung eines modularen Fördertechnik-Systems. Durch die Kooperation vergleichsweise simpel aufgebauter Grundmodule kann dieses auch komplexe Aufgaben einfach und zuverlässig lösen und ist zudem beliebig erweiterbar. Die Jury lobte diese Flexibilität, die bei intralogistischen Systemen immer mehr zu einer maßgeblichen Größe im Wettbewerb werde.

 

Präsentationsplattform für Absolventen


Hochschulabsolventen, deren Abschlussarbeiten in der Logistik verortet sind, zeichnet die BVL jedes Jahr mit dem Thesis Award aus. 90 Nachwuchstalente wurden dafür 2015 von ihren Hochschullehrern nominiert. Die besten von ihnen erhielten neben einer Urkunde auch eine Einladung zur Thesis Conference, die am zweiten Tag des Logistik-Kongresses stattfand. Vier der Absolventen stellten auf der Diskussions- und Präsentationsplattform in Kurzvorträgen ihre Arbeiten vor, etwa über die Wertschätzung von Logistik in Deutschland oder über Frauen in Führungspositionen am Beispiel der Logistik. Zudem hatten die Nachwuchs-Akademiker Gelegenheit, wichtige Kontakte in die Wirtschaft zu knüpfen und Anregungen und Impulse für ihre Karriere zu sammeln.


Der 33. Deutsche Logistik-Kongress findet vom 19. bis 21. Oktober 2016 in Berlin statt. 

www.bvl.de

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Beitrag aus dhf 11.2015

 

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