Mehr Transparenz in der Lieferkette

Eine zukunftsorientierte Logistik ist entscheidend für den Erfolg vieler geschäftlicher Aktivitäten. Sie sorgt nicht nur dafür, dass alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, sondern versteht auch die Warenflüsse, erkennt Engpässe und optimiert sich laufend. Nur so ist sie den ständigen Veränderungen gewachsen und sorgt für Resilienz des gesamten Geschäfts. Automatisierte Datenerfassung umgesetzt durch Identifikations- und Ortungssysteme ist hier das entscheidende Element für die nötige Transparenz.
 Im Warenausgang lesen RFID-Antennen berührungslos die Transponder/Tags an sogenannten Dollys aus und erkennen dabei die Richtigkeit der Ware und die Laderichtung.
Im Warenausgang lesen RFID-Antennen berührungslos die Transponder/Tags an sogenannten Dollys aus und erkennen dabei die Richtigkeit der Ware und die Laderichtung.Bild: Siemens AG

Nicht nur im Onlinehandel treffen mehrere Herausforderungen aufeinander. Es besteht einerseits eine sehr hohe Erwartungshaltung in Bezug auf Geschwindigkeit, und das nicht nur im Consumer Bereich. „Heute bestellt, morgen geliefert“, ist keineswegs die Ausnahme, sondern wird mehr und mehr zur Differenzierung zwischen durchschnittlicher und exzellenter Logistikleistung.

Eine zusätzliche Herausforderung bildet ferner die Genauigkeit der Aussage. Auch dies nicht ohne Grund, denn häufig sind Zusagen der Warenempfänger im Spiel, die wiederum ihren Kunden Versprechen abliefern und auf präzise Vorhersagen der Liefertermine angewiesen sind. Kurze Lieferzeiten bewirken noch einen weiteren Effekt. Die Auftragsumfänge können kleiner werden, da es immer wünschenswert ist, mit kleineren Beständen zu hantieren und so weniger Kapital zu binden.

Und als Folge davon kann es schließlich passieren, dass zu bestimmten Zeiten sehr hohes Logistikaufkommen zu beobachten ist. Auch wenn es zu bestimmten Zeiten – etwa in der Vorweihnachtszeit – akzeptabel erscheint, in der Leistung nachzulassen, so ist es doch erstrebenswert, gerade dann mit exzellenter Logistikleistung zu überzeugen. Durchsatz und Genauigkeit stehen hier in direkter Korrelation zum erzielten Umsatz.

Die Kombination all dieser Effekte – alle davon aus gutem Grund – stellt einen enormen Druck auf Logistikketten dar. Diesem kann nur begegnet werden, indem die Logistikprozesse adaptierbar und gleichzeitig skalierbar werden. Sie müssen sich also den Bedürfnissen anpassen und gleichzeitig mitwachsen können.

Das ist heute nicht immer der Fall. Häufig werden Prozesse noch manuell und vor allem isoliert voneinander betrieben. Innerhalb einer Lieferung arbeiten Unternehmen für sich, so dass die gewünschte Transparenz für die gesamte Lieferkette nicht hergestellt werden kann. Doch gerade diese Transparenz ist die Grundvoraussetzung für das Erkennen, Verstehen, Vorhersagen und Optimieren der Prozesse.

Die Bedeutung von Wann / Was / Wo?

Um also die Warenflüsse sichtbar zu machen, müssen die Waren hinsichtlich Zeit und Ort transparent gemacht werden. Echtzeitortung (RTLS) und industrielle Identifikation mit RFID oder optischen Codes sind moderne und zuverlässige Lieferanten exakt dieser Echtzeitdaten. Sie bilden die Grundlage einer digitalen Lieferkette.

Im Folgenden ein paar Beispiele. In Intralogistikanwendungen sind meist Behälter, Kisten oder Paletten im Einsatz. Diese können durch das Anbringen von RTLS Transpondern jederzeit lückenlos verfolgt werden. Die Location Intelligence Software ermöglicht die Verknüpfung mit sogenannten ‚Geofencing Zonen‘, also Bereichen in Fertigung oder Lager, und lässt Rückschlüsse auf den Status eines Auftrags zu. Steht also der Behälter in einem bestimmten Bereich, so kann automatisch der Status seines Inhalts – etwa Abschluss eines Fertigungsauftrags – erfasst und gemeldet werden. Dies wiederum könnte der Anstoß für Folgeprozesse sein, also z.B. der Weitertransport in die Auslieferungszone. All das kann ohne jegliche manuelle Interaktion erfolgen. Doch damit nicht genug. Stehen nach einiger Zeit genügend Datensätze zur Verfügung, so kann mit der Optimierung der Prozesse begonnen werden. Beispielsweise die Anpassung der Routenführung von Ort A nach Ort B.

Soll hingegen die Bewegung der Ware außerhalb der Fabrik verfolgt werden, kommt RFID ins Spiel. Durch den Einsatz von gleichermaßen leistungsfähigen wie kostengünstigen Transpondern können Warenflüsse zuverlässig auch in offenen Kreisläufen verfolgt werden. Dabei gibt es viele Anwendungsfälle, die sehr großen Nutzen bringen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Erfassen im Warenausgang. So kann sichergestellt werden, dass Ware in das korrekte Fahrzeug geladen wird. Der Abgleich von Lieferlisten mit der erfassten Ware lässt eine hundertprozentige Genauigkeit in der Aussage zu und kann so Fehllieferung quasi vollständig eliminieren.

Bei der Vereinnahmung der Ware beim Empfänger können die Transponder wiederum einen wertvollen Beitrag in der digitalen Lieferkette leisten. So können die Wareneingänge automatisch verbucht werden, sowie Intralogistik- und Produktionsprozesse angestoßen werden. Die Identifikation hilft dabei, die richtige Ware in der richtigen Reihenfolge an den richtigen Ort zu transportieren. Just-in-time und Just-in-sequence Prozesse werden hier deutlich unterstützt.

Dies zeigt deutlich, dass Ortungs- und Identifikationssysteme, z.B. RTLS und RFID-Systeme von Siemens, in Kombination mit der Location Intelligence Software in der Logistik perfekt zusammenspielen und an der jeweils richtigen Stelle den optimalen Beitrag leisten, Prozesse zu automatisieren und zu optimieren.

Transparenz schaffen bei der Bewegung von Waren

Ein wichtiger Baustein, der eine Klammer um die Technologien bildet und aus den Ortungs- bzw. Identifikationsdaten wertvolle Informationen generiert, ist eine leistungsfähige Software wie Location Intelligence. Dafür braucht sie Schnittstellen zu den RTLS- und RFID-Systemen, um die Rohdaten der Objekte zu erfassen. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, diese Daten zu filtern, zu verarbeiten, zu analysieren und damit einen Mehrwert aus den Daten zu generieren.

Aus dieser neuen Daten-Transparenz entsteht das Potential für die Optimierung, welches die ausgewählten Anwendungsfälle im Folgenden zeigen.

‚Suchen und Finden‘

Moderne Produktionen sind flexibel. Das hat aber auch zur Konsequenz, dass der Überblick über laufende Prozesse schwieriger ist, als bei starren Produktionen. Die Folge ist, dass oft viel Zeit für das Auffinden von Material oder Werkzeugen aufgewendet wird. Durch die Verknüpfung des Fertigungsauftrags mit den Positionsdaten der dazu benötigten Objekte in der Software, wird im Fabrikplan sofort visuell ersichtlich, wo sich die Objekte befinden. Die Suchzeit wird so auf ein Minimum reduziert und die Produktivität entsprechend gesteigert.

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