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Lesedauer: 11 min
30. November 2020
Einführung von Digitalisierungstools und Logistik IT
Seit Beginn der vierten industriellen Revolution, der Digitalisierung, gewinnt auch der Begriff 'Agilität' mehr und mehr an Relevanz. Bekannt wurde das agile Management durch das Scrum Framework, das bei der Softwareentwicklung genutzt wird. Mittlerweile werden agilen Prinzipien in vielen Branchen und Geschäftsfeldern eingesetzt.
Bild: Fraunhofer IML

Agiles Management zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Anforderungen aus. Diese Eigenschaft gewinnt auch oder gerade für die Intralogistik, insbesondere im Rahmen von Digitalisierungsinitiativen, zunehmend an Bedeutung. Bei der digitalen Transformation geht es um mehr als nur um die Einführung von Software und Technologie, um vorhandene Prozesse zu verbessern. Vielmehr geht damit ein vertieftes Verständnis einher, Bestehendes kontinuierlich zu hinterfragen und zu verbessern, was nicht selten zu Veränderungen von Projektinhalten und zu Anpassungen von Anforderungen an den Projektverlauf führt. In klassischen Projekten gehen solche Veränderungen häufig mit einem hohen Ressourceneinsatz und teilweise hohen zusätzlichen Kosten einher. Agile Vorgehensweisen sind deswegen so erfolgreich, weil sie mithilfe der Prinzipien und Methoden dazu befähigen, komplexe Projekte in hoch anpassungsfähige Inkremente herunterzubrechen, die unter Berücksichtigung der zuvor gesetzten Ziele iterativ erarbeitet werden. Doch auch ein agiles Vorgehen führt nicht zwangsläufig zum erfolgreichen Projektabschluss. Die Auswahl sinnvoller Methoden und ein tiefes Verständnis sind von entscheidender Bedeutung.

Bereitschaft alte Strukturen aufzubrechen

Ob und wann Sie ein agiles Vorgehen zur Auswahl und Einführung von Digitalisierungswerkzeugen in der Intralogistik verfolgen sollten, ist sowohl von unternehmens- als auch von projektspezifischen Faktoren abhängig. Gerade in traditionellen Unternehmensstrukturen muss die Bereitschaft bestehen ein geändertes Werteverständnis anzunehmen. Agiles Arbeiten bedeutet auch, dass sich das Unternehmen und die Projektbeteiligten einem Kulturwandel unterziehen, alte Hierarchien aufgebrochen werden und neue Verantwortlichkeiten Akzeptanz finden. Ein Unternehmenskulturwandel erfolgt in der Regel schrittweise und nicht auf Knopfdruck. Werte müssen verstanden und vor allem verinnerlicht werden.

Agile Methoden für komplexe Projekte

Des Weiteren kommt es auf das Projekt, den Projektumfang und das Wissen an, welches über die Erreichung des Zielzustands vorhanden ist. Die Stacey-Matrix bietet eine grobe Übersicht darüber, für welche Projekte sich agiles Arbeiten insbesondere eignet. Die Einstufung des Projekts in die Dimensionen einfach, kompliziert, komplex oder chaotisch gibt Aufschluss darüber, welches Projektvorgehen sinnvoll sein könnte.

Sind die Anforderungen an das ‚Was‘ klar und der Lösungsansatz, also das ‚Wie‘ ist bekannt, so handelt es sich um ein einfaches Projekt. Je unklarer die Anforderungen sind und je unbekannter der Lösungsansatz, desto komplizierter ist ein Projekt.

Bild: Fraunhofer IML

Projekte zur Auswahl und Einführung eines Warehouse Management Systems lassen sich in der Regel in die Kategorie ‚einfach‘ oder ‚kompliziert‘ einsortieren. Die Erfahrung des Fraunhofer IML zeigt, dass sich das Vorgehen zur Auswahl und Einführung mit entsprechender Projekterfahrung relativ standardisiert mit klassischen Projektmanagementmethoden, wie beispielsweise dem Wasserfallmodell durchführen lässt. Auch lassen sich die prozessualen Anforderungen, die in der Ist-Aufnahme gründlich erfasst und analysiert werden, gut in funktionale Anforderungen umwandeln. In Zusammenarbeit mit Experten oder dem Technologie- oder Systemanbieter lässt sich schnell herausfinden, welche Funktionen im Standard abzubilden sind und welche individuell programmiert werden müssen. Nichtsdestotrotz können die Werte des agilen Arbeitens, ebenso wie ausgewählte agile Methoden das Projektgeschäft bereichern.

Ist die Reichweite des Digitalisierungsvorhabens besonders hoch, die Auswahl technologischer Möglichkeiten sehr umfangreich und die prozessualen sowie organisatorischen Anforderungen relativ unklar, so kann das Projekt im komplexen Bereich angesiedelt werden. Komplex bedeutet in diesem Fall, dass sowohl die Anforderungen als auch das Verfahren, mit welchem das Ziel erreicht werden kann, unbekannt sind. Geänderte Kundenanforderungen oder sich wandelnde Märkte erfordern von Unternehmen beispielsweise, ihre Prozesse und Services anzupassen oder neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Fast täglich kommen neue Entwicklungen und Technologien auf den Markt, durch die der Aufbau völlig neuer Services möglich ist. Um eine hohe Anpassungsfähigkeit während des kompletten Projektes zu gewährleisten, bieten sich agile Methoden wie z.B. Scrum oder Kanban an.

Nutzen Sie, was Mehrwert schafft!

Eine projektindividuelle Kombination der passenden Bausteine aus beiden Welten – der klassischen Projektvorgehensweise und dem agilen Projektmanagement – schafft unserer Erfahrung nach sowohl in einfachen, komplizierten, als auch komplexen Digitalisierungsprojekten den größten Mehrwert.

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Fraunhofer IML
www.iml.fhg.de

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