Exzellente Auftragslage trotz aller Widrigkeiten

Die Intralogistikbranche bewegt sich zurzeit in einem schwierigen Umfeld - Corona-Pandemie, steigende Energie- und Rohstoffkosten, Lieferverzögerungen bei Fahrzeugteilen sowie sehr hohe Frachtkosten. Wie der Flurförderzeughersteller Clark Europe mit dieser prekären Situation umgeht, erläutert Rolf Eiten, President & CEO. Zudem verrät er, welche Neuheiten Clark im nächsten Jahr auf den Markt bringt und welche Rolle die Lithium-Ionen-Technologie dabei spielt.
 Rolf Eiten, President & CEO, Clark Europe: "Wir werden noch in diesem Jahr die Produktpalette im Bereich der Hochhubwagen um Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Technologie erweitern und auch im Bereich der Elektro-Gegengewichtsstapler von Clark wird in naher Zukunft die
Lithium-Ionen-Technologie Einzug halten."
Rolf Eiten, President & CEO, Clark Europe: „Wir werden noch in diesem Jahr die Produktpalette im Bereich der Hochhubwagen um Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Technologie erweitern und auch im Bereich der Elektro-Gegengewichtsstapler von Clark wird in naher Zukunft die Lithium-Ionen-Technologie Einzug halten.“Bild: Clark Europe GmbH

dhf: Herr Eiten, inwieweit sind die Hersteller von Flurförderzeugen von steigenden Rohstoffpreisen betroffen, und was sind die Folgen für Ihr Unternehmen?

Rolf Eiten: Die steigenden Rohstoffpreise stellen die Hersteller von Flurförderzeugen vor sehr große Herausforderungen. Es sind ja nicht nur die Energiekosten gestiegen, sondern auch der Stahlpreis hat um 18 Prozent angezogen. Das trifft selbst große Automobilhersteller hart. Auch sie sind zurzeit aufgrund fehlender Materialien nicht in der Lage, ihre Fließbänder reibungslos laufen zu lassen. Clark als Hersteller von Flurförderzeugen ist ebenfalls auf den Rohstoff Stahl angewiesen. Deshalb haben unsere Fabriken da, wo es möglich war, Lieferanten gewechselt, um Kosten zu senken. Dennoch haben wir mit erheblichen Preissteigerungen bei unseren Fahrzeugen zu kämpfen. Dies ist allerdings nicht allein den höheren Rohstoffpreisen geschuldet, sondern auch den deutlich gestiegenen Frachtkosten. Hat ein 40-Fuß-Container von Asien nach Europa vor der Pandemie etwa 4.000USD gekostet, so sind es heute 16.000USD. Derselbe Container von Asien in die USA kostet gar 20.000USD. Nehmen Sie beispielsweise einen Clark Dieselstapler mit einer Tragfähigkeit von 3t. Normalerweise können wir vier Fahrzeuge in einen Container verladen. Das bedeutet, dass die durchschnittlichen Containerfrachtkosten vor der Pandemie 1.000USD pro Einheit betrugen. Heute sind es 4.000USD pro Einheit. Diese enormen Preissteigerungen können wir nicht eins zu eins an unsere Vertragspartner weitergeben, denn viele unserer Händler sind mittlere und kleine Familienbetriebe. Wir geben also nur einen Teil der Kosten weiter und müssen den Rest durch Kosteneinsparungen in anderen Bereichen auffangen.

dhf: Inwieweit sind Sie bei Ihren Fahrzeugen von Lieferverzögerungen durch Engpässe in der Seefrachtbetroffen? Auf welche Teile warten Sie am dringendsten?

Rolf Eiten: Wie viele unserer Wettbewerber sind auch wir abhängig von der Teilebeschaffung aus Asien. Unsere Fahrzeuge werden in Werken in Asien produziert – also in Korea, China und Vietnam. Somit bekommen wir diese Problematik bei der Lieferung von Neumaschinen sowie bei der Ersatzteilversorgung zu spüren. Aber auch unsere Fabriken haben Probleme bei der Beschaffung von Teilen. Dies betrifft vor allen Achsen und Getriebe für unsere Gabelstapler.

dhf: Wie sind die Engpässe bei den Lieferanten zu begründen? Spielen hier auch Engpässe in der Seefracht eine Rolle?

Rolf Eiten: Bei dem einen oder anderen Lieferanten mag dies ebenfalls eine Rolle spielen. Aber hauptsächlich ist dies darauf zurückzuführen, dass zum einen nicht nur Clark Europe, sondern auch unsere weltweiten Schwesterunternehmen in 2021 60 Prozent mehr Aufträge erhalten haben. Da unsere Marktbegleiter einen ähnlichen Anstieg bei den Auftragseingängen verzeichnen, überfordert das generelle Marktwachstum in der Branche die Zulieferer. Sie können mit der derzeitigen Nachfrage nicht mehr Schritt halten.

dhf: Dann gibt es ja grundsätzlich auch Grund zur Freude, denn Ihr Geschäft läuft ja offensichtlich trotz der eben genannten Widrigkeiten recht gut?

Rolf Eiten: In 2021 ist die Auftragslage so gut wie nie zuvor. Der Markt für Flurförderzeuge (WITS-Werksaufträge) in unserer Marktregion ist im Jahr 2021 um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Weltweit konnte Clark das Auftragsvolumen um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresergebnis steigern. In der EMEA-Region – also in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika – haben wir unseren Auftragseingang sogar um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Über die Auftragslage können wir uns also nicht beschweren. Die ist sicherlich ein Grund zur Freude.

dhf: Auch beim Ausbau der Produktpalette war Clark im letzten Jahr äußerst aktiv, so wurde unter anderem das Angebot der Niederhubwagen um Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Technologie erweitert?

Rolf Eiten: Ja, das ist richtig! Wir haben mit der WPio-Baureihe mit Lithium-Ionen-Technologie im letzten Jahr unser Sortiment im Bereich der Niederhubwagen ausgebaut. Betreiber können bei Clark zukünftig in diesem Produktsegment von den Vorteilen der Lithium-Ionen-Batterie profitieren: wie der einfachen Handhabung und Wartungsfreiheit, der hohen Energiedichte mit entsprechend hoher Fahrleistung, dem schnellen Zwischenladen ohne Einschränkung der Lebensdauer sowie dem gasungsfreien Nachladen der Batterie. Wir haben mit dem COP1 einen Kommissionierer auf den Markt gebracht, der nicht nur äußerst effizient bei der Kommissionierung von Waren ist, sondern sich auch als Rollleiter oder Arbeitsbühne bewährt – dank einer hochfahrbaren Arbeitsplattform. Wir haben unser Angebot an Handgabelhubwagen um den HPT Eco und HPT Premium erweitert und bieten mit unserem neuen Routenzugsystem eine effiziente Lösung für die Produktionslogistik.

dhf: Was ist das Besondere an diesem Routenzugsystem?

Rolf Eiten: Unser Routenzugsystem ist eine All-in-One-Lösung, die gezielt für die spezifischen Anforderungen von Industriekunden konzipiert worden ist. Der Clark Routenzug besteht aus dem Schlepper CTX40-70 sowie aus den Anhängern CTR01 und CTR02. Dabei ist der als Single U-Frame ausgelegte Anhänger CTR01 für Kunden entwickelt worden, die überwiegend Europaletten transportieren müssen. Der Double U-Frame-Anhänger CTR02 kann sowohl Europaletten als auch andere in der Industrie übliche Palettenarten aufnehmen. Über einen verschiebbaren Mittelträger kann der Betreiber flexibel wählen zwischen einem Trolley mit einer Größe von 1600x1000mm und einer Zuladung von bis zu 1600kg oder zwei Trolleys mit je 800kg Lastgewicht.

dhf: Auf welche Neuheiten aus dem Hause Clark können sich Kunden zukünftig freuen?

Rolf Eiten: Wir werden noch in diesem Jahr die Produktpalette im Bereich der Hochhubwagen um Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Technologie erweitern und auch im Bereich der Elektro-Gegengewichtsstapler von Clark wird in naher Zukunft die Lithium-Ionen-Technologie Einzug halten.

dhf: Und der Verbrenner spielt dann auch bei Clark zukünftig eine eher untergeordnete Rolle?

Rolf Eiten: Nein, das kann man so nicht sagen. Wir glauben, dass der verbrennungsmotorische Gabelstapler noch viele Jahre auf dem Markt bleiben wird. Vielleicht weniger in zukunftsweisenden Märkten wie Europa, aber in Schwellen- und Entwicklungsländern wird die Zahl der verbrennungsmotorischen Stapler nach wie vor hoch bleiben. Dies spiegeln auch unsere Verkaufszahlen wider. Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir unseren Auftragseingang bei den verbrennungsmotorischen Fahrzeugen um 160 Prozent, bei den Elektro-Gegengewichtsstaplern um 99 Prozent und bei den Lagertechnikgeräten um 28 Prozent steigern. Insgesamt liegt unser Auftragsanteil bei den verbrennungsmotorischen Fahrzeugen bei 38 Prozent, bei den Elektro-Gegengewichtsstaplern bei 24 Prozent und der Rest entfällt auf die elektrisch betriebenen Lagertechnikgeräte mit 38 Prozent. Insgesamt entfallen rund 62 Prozent unseres Auftragseingangs auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Das zeigt, dass der Elektroanteil zwar zunimmt, aber der Verbrenner bei uns immer noch einen hohen und wichtigen Anteil hat.

dhf: Herr Eiten, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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