Vollautomatisierung im Lager

Newsletter 06 dhf 46 2024
Bild: Aimtec a. s.

Angesichts zahlreicher Lieferengpässe in den vergangenen Jahren kommt dem Lager wieder eine neue Bedeutung zu, soll es ja genau vor Engpässen jeglicher Art schützen und die Produktion am Laufen halten. Gleichzeitig steigen Fachkräftemangel und Energiekosten. Ein vollautomatisiertes Lager, ein so genanntes Dark Warehouse oder ASRS (Automated Storage and Retrieval System), kann beidem entgegenwirken. Es hat zahlreiche Vorteile: Unternehmen nutzen damit den Platz für den Warenumschlag optimal aus und können die höchste möglichsten Packungsdichte für ihr Lager erreichen. Sie senken menschliche Arbeitskosten und Eingriffe auf ein Minimum. Das Lager läuft 24 Stunden am Tag ohne Schichtwechsel oder Pausenzeiten, ohne Beleuchtung und mit reduzierter Heizung. Auf diese Weise sinken die Energiekosten und der CO2-Ausstoß, was sich durch optimierte Bewegungen der Roboterarme noch einmal verstärkt. Mitarbeitende können sich statt repetitiver Routinen wieder Aufgaben mit größerer Wertschöpfung widmen. Zudem lassen sich per Roboter- und Computersteuerung die Picking-Qualität erhöhen und die Fehlerrate senken. Die Inventory-Daten-Qualität verbessert sich, was schließlich dazu führt, dass eine Inventur komplett verzichtbar wird.

Vor der Implementierung eines Dark Warehouse gibt es allerdings einige Entscheidungen zu treffen und wichtige Rahmenbedingungen zu beachten. Aimtec ist Digitalisierungspartner und hat bereits mehr als 5.200 Projekte weltweit erfolgreich abgeschlossen, darunter zahlreiche Lagerautomatisierungen. Aus dieser Erfahrung hat Aimtec eine Checkliste abgeleitet, die Unternehmen als Leitfaden bei ihrem Vorhaben der vollständigen Lagerautomatisierung unterstützen soll.

Leitfaden für die Einführung eines Dark Warehouse

1. Grundsatz-Check:

Grundsätzlich gibt es beim Dark Warehouse zwei Ansätze. Erstens: der Bau eines komplett neuen Lagers, das von Anfang an als Dark Warehouse konzipiert ist und auf der grünen Wiese entsteht. Zweitens: ein existierendes Lager wird schrittweise umgebaut und Prozesse nach und nach automatisiert. Der zweite Fall ist der deutlich häufigere – und kompliziertere, weil der Betrieb trotz Umbau weitergehen muss. Das macht die Planung der einzelnen Automatisierungsschritte deutlich komplexer.

2. Waren-Check:

Je standardisierter die Waren und Verpackungen und je repetitiver die Tätigkeiten im Lager, desto besser eignen sie sich für die Automatisierung. In der Regel sind Menschen den Maschinen beim Picken loser Waren oder nicht standardisierten Verpackungen klar überlegen. In einem Dark Warehouse sollten die Verpackungen der Waren also unbedingt standardisiert sein und sich auf wenige unterschiedliche Packungsgrößen verteilen. Roboter haben nur eine begrenzte Anzahl an Greifern und können keine beliebigen Gegenstände sicher fassen. Gibt es also eine Vielzahl an verschiedenen Waren (eventuell sogar lose, also ohne Verpackung oder normiertem Behälter), ist eine vollständige Automatisierung nicht zielführend.

3. Ausnahmen-Check:

In einem vollständig automatisierten Warenlager darf es keine unvorhergesehenen Ereignisse geben, da es dort keine Menschen gibt, die solche Situationen unkompliziert lösen können. Bei der Konzeption eines Dark Warehouses müssen daher alle möglichen Ausnahmesituationen im Vorfeld ermittelt und automatisierte Lösungen definiert werden. Dies ist die größte Herausforderung bei der Planung, die besonderes Know-how verlangt und von Unternehmen häufig unterschätzt wird. Sie sollten sich spätestens an dieser Stelle externe Expertise an Bord holen, damit sie nichts übersehen.

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