
Unter Supply Chain Orchestration versteht man die strategische Koordination aller Elemente der Supply Chain, also Prozesse, Beteiligte und Technologien – mit anderen Worten: die Überwachung des gesamten Netzwerks. Ein ganzheitlicher Ansatz, der es vielen in der Tat oft schwer macht, den Einstieg zu finden. Dabei sollten Unternehmen sich auf die wichtigsten Bereiche konzentrieren und den Ansatz auf die Geschäftsanforderungen zuschneiden. Doch wie könnte der erste Schritt nun konkret aussehen?
Ein global tätiger Automobilzulieferer, der mit Supply Chain Orchestration ein End-to-End Management seiner europäischen Exporte realisieren wollte, hat für genau diese Konkretisierung den Rat von 4flow gesucht, einem führenden Anbieter von Logistikberatung, Logistiksoftware und 4PL-Dienstleistungen. ‚End-to-End‘ bedeutet hier das vollständige und integrierte Management aller an der europäischen Export-Supply-Chain beteiligten Prozesse, Datenflüsse und Akteure. Mittlerweile währt die Zusammenarbeit über zehn Jahre und hat dafür gesorgt, dass Intralogistik und Supply Chain Management heute reibungslos funktionieren.
Störungsanfälligkeit der Supply Chain sorgt für Herausforderungen
Mit über 500 Zulieferern in ganz Europa und mehreren Fabriken in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien war das Unternehmen in der Vergangenheit besonders anfällig für Störungen. Nur eine einzige Unregelmäßigkeit innerhalb der Supply Chain konnte Produktionsausfälle nach sich ziehen, die sechsstellige Eurobeträge pro Stunde kosteten.
Die Waren mussten täglich in einem Zentrallager in Westeuropa konsolidiert werden, bevor sie an verschiedene Montagestandorte weltweit versandt wurden. Jegliche Verzögerung bei der internen Abwicklung, beim Cross-Docking oder im Warenausgang konnte zu Zusatzkosten für Sonderfahrten, überschüssigen Beständen oder Produktionsausfällen in den Montagestandorten führen.
4flow identifizierte schwankende Lagerkapazitäten, unterbrochene Transportströme und Disruptionen als die größten Herausforderungen. Eine detaillierte ROI-Analyse bestätigte, dass eine besser orchestrierte Supply Chain zu erheblichen Kosteneinsparungen und einer verbesserten Materialverfügbarkeit führen würde. Das MOVEsystem von IEF-Werner transportiert Bauteile und Produkte zuverlässig, modular und kosteneffizient – ob auf Werkstückträgern, direkt auf Riemen oder in Paletten. Anwender profitieren von maximaler Flexibilität. ‣ weiterlesen
MOVEsystem bewegt mehr:
Über ein personalisiertes Dashboard informiert der Control Tower über Daten, Geschäftskennzahlen und Ereignisse in der gesamten Supply Chain.
Vernetzte Supply Chains benötigen eine Datenstrategie
Im ersten Schritt war es außerdem wichtig, eine Datenstrategie zu entwickeln, um den Grad der Integration und die Datenqualität zu ermitteln, die zur Erzielung der erwarteten Vorteile erforderlich sind. Supply Chain Orchestration bedeutet, dass das gesamte Netzwerk überwacht und gezielt gesteuert wird. Um Kosten zu sparen und Sendungen konsolidieren zu können, wurde ein Logistics Control Tower eingerichtet. Dabei handelt es sich um eine zumeist cloudbasierte Lösung, die Technologien wie KI, Maschinelles Lernen und IoT nutzt, um Supply Chains proaktiv zu steuern. Die Aufgabe hier: eine Verbesserung des Konsolidierungsprozesses innerhalb des europäischen Distributionszentrums und die Steuerung der ausgehenden Frachtsendungen in die globalen Montagestandorte. Über ein personalisiertes Dashboard informiert der Control Tower über Daten, Geschäftskennzahlen und Ereignisse in der gesamten Supply Chain. Dies hilft, Probleme besser zu verstehen, einzuordnen und in Echtzeit zu lösen.
Im nächsten Schritt integrierte 4flow die Koordination der Lieferantenbestellungen in den Control Tower. Dies führte zu weiteren Konsolidierungseffekten, reduzierten Wartezeiten im Lager und damit einer gesunkenen Gesamtdurchlaufzeit. Zudem verbesserte sich die Leistung der Lieferanten und die Kontrolle, ob Lieferpläne eingehalten werden.
Die Einführung eines Leistungsmanagements für das Lager sorgte für eine optimale Auslastung des Lagers, eine höhere Effizienz von Lagerausstattung und Arbeitskräften, eine kürzere Be- und Entladezeit und eine bessere Transparenz über Lagerbestände. In der Konsequenz verringern sich damit Reklamationen der Spediteure und die Standgeldkosten. Die Bestandsoptimierung reduziert überschüssige und obsolete Bestände, indem Bestandsparameter, wie Sicherheitsbestände oder die Vorlaufzeit, kontinuierlich berechnet werden – angepasst an die aktuelle Zuverlässigkeit der Lieferanten und unter Einhaltung des geforderten Servicelevels.
Darüber hinaus konnten auch die innerbetrieblichen Prozesse im Lager optimiert werden. Die erhöhte Transparenz über tatsächliche Mengen und ein klares Bild über die ‚Estimated Time of Arrival‘ ermöglichen eine verbesserte Planung der Ent- und Beladeprozesse, sowie des Container-Stuffings.
Integration der Supply-Chain-Daten in die Produktionsplanung
Der nächste Schritt in Richtung durchgängiger Supply Chain Orchestration wird die Integration der Supply-Chain-Daten in die Produktionsplanung sein. Davon verspricht sich der Automobilzulieferer die Möglichkeit, Auswirkungen von Verzögerungen simulieren zu können, eine schnellere und genauere Anpassung der Produktionspläne und eine höhere Produktionsstabilität zu erreichen.
So zeigt der Anwendungsfall, dass Orchestrierung nicht auf einmal stattfindet. Es ist ein schrittweiser Prozess. Doch es lohnt sich, denn schon nach dem ersten Schritt waren signifikante Verbesserungen messbar: Eine durchschnittliche Containerauslastung von rund 90 Prozent, Einsparungen der Inbound-Transportkosten von mehr als 13 Prozent, Bestandsoptimierung im Lager von zehn Prozent, eine verbesserte Planungsgenauigkeit und Prozesseffizienz im Lager sowie wesentlich weniger Aufwand für ‚fire-fighting‘. Genau das, was sich der Automobilzulieferer von Supply Chain Orchestration erhofft hat.
Autoren: Antoine Clogne, Director bei 4flow Management und Katharina von Helldorff-Mager, Partner bei 4flow Consulting
















