Flottenreduktion durch induktives Laden

Newsletter 09 dhf 07 2026
Bild: Wiferion

Steuerung ist gut, Automatisierung ist die Zukunft. Das hat auch Gessmann erkannt und neben seiner Produktion von Industrie-Joysticks den Gessbot GB 350 entwickelt. Dank der induktiven Ladetechnologie von Wiferion ist das fahrerlose Transportsystem nun noch effizienter: Die nahtlose Integration, höhere Verfügbarkeit und geringe Wartung machen den Gessbot zu einem zukunftsfähigen Partner für jede moderne Produktionsumgebung – und zu einem gewinnbringenden zweiten Standbein für Gessmann.

Neues Geschäftsfeld setzt Maßstäbe in der Automation

Als etablierter Produzent von Mensch-Maschine-Schnittstellen für die Steuerung von Baumaschinen, Kränen, Schiffen und Zügen ist Gessmann seit Jahrzehnten internationaler Marktführer. Seinem Slogan ‚Setting big things into motion‘ ist das Unternehmen stets treu geblieben – auch als technologische Entwicklungen die Erschließung eines neuen Marktes zunehmend sinnvoll erscheinen ließen. „Uns wurde klar, dass das Konzept ‚Mensch steuert Maschine‘ in Zeiten der fortschreitenden Automatisierung nicht unser einziges Standbein bleiben sollte“, sagt Patrick Haberzettl, Projektingenieur Automatisierungstechnik und KVP bei Gessmann. Was zunächst als interne Lösung begann, entwickelte sich schnell zur unternehmerischen Vision: Mit der Entwicklung von fahrerlosen Transportsystemen (AGV) erschloss Gessmann ein neues Geschäftsfeld für sich und setzte zugleich Maßstäbe in der Automation.

Komplettanbieter für fahrerlose Transportsysteme

„Dank unserer hohen Fertigungstiefe und des breiten Know-hows im eigenen Haus waren wir bereits bestens gerüstet, um diese Herausforderung selbst anzugehen“, sagt Patrick Haberzettl. „Neben einer eigenen Platinenfertigung stellen wir unter anderem auch die komplette Elektronik und Kabel für unsere Roboterlösungen selbst her. So sind wir ein Komplettanbieter für fahrerlose Transportfahrzeuge.“ Das Ergebnis dieser Leidenschaft und Expertise: der Gessbot GB 350. Mit einer Nutzlast von bis zu 350kg und einer Geschwindigkeit von 1,2m/s ist das AGV für den Einsatz in modernen Logistikumgebungen ausgelegt. Ob als Rollenförderer, Wagentransporter, Hubsystem oder Cobot – der Gessbot ist in verschiedenen Varianten sowohl als Standardlösung als auch als kundenspezifische Speziallösung erhältlich.

Die starke Kundenorientierung zeigt sich nicht nur in der Möglichkeit, jeden Auftrag auf die individuellen Anforderungen zuzuschneiden, sondern auch in der Vielseitigkeit der Einsatzmöglichkeiten des Gessbots. In realen Logistikumgebungen entwickelt, kommt dieser auch in komplexen, organisch gewachsenen Lagerräumen problemlos zurecht. Nur eine Sache fehlte dem fahrerlosen Transportsystem von Gessmann noch zum effizienten Dauerbetrieb und einer noch höheren Skalierbarkeit: das passende Ladesystem.

Laden ohne Pause: von der Kundenanfrage zum neuen Ladestandard mit Wiferion

Manchmal ist es notwendig, das bestgeplante und durchdachteste Konzept durch einen Impuls von außen zu optimieren. Im Fall des Gessbots war es die spezifische Anfrage von Neff, die das Unternehmen auf die ideale Ladelösung brachte. „Wir haben zunächst mit klassischen Ladekontakten gearbeitet“, erklärt Patrick Haberzettl. „Doch als Neff von der klassischen Förderbandtechnik auf AGV umsteigen wollte, wurde schnell klar, dass dies ohne ein induktives Ladesystem nicht möglich sein würde.“ Der Kunde plante eine mehrschichtige Montage von Haushaltsgeräten ohne Stillstandzeiten. Klassische Batteriewechsel oder kabelgebundene Ladezeitfenster hätten zusätzliche Fahrzeuge, große Ladezonen und einen hohen Investitionsaufwand erfordert. Ein kontinuierliches In-Process-Charging war daher die einzige wirtschaftliche Option.

Für die Lösung fiel die Wahl auf das Ladesystem von Wiferion – a Puls Brand. „Wir haben uns verschiedene Anbieter angesehen. Bei Wiferion hat uns vor allem die hohe Flexibilität des Systems überzeugt“, sagt Patrick Haberzettl. „Das gilt nicht nur für die Positionierung der Ladeplatten am AGV, sondern auch für die kompakte Bauweise der Fahrzeugladeplatte, die uns die Integration besonders einfach gemacht hat.“ Das induktive In-Process-Charging macht zusätzliche Ladepausen überflüssig und ermöglicht eine kontinuierliche Nutzung der AGV. Dank der höheren Fahrzeugverfügbarkeit kann Gessmann die Produktivität des Gessbots um 50 Prozent steigern und 30 Prozent der Flotte einsparen. Dies wirkt sich ebenso wie eine verbesserte Ladeleistung und ein geringer Wartungsaufwand positiv auf die Gesamtbetriebskosten aus. Unterstützt werden auch Nachhaltigkeitsziele wie ein geringerer Energieverbrauch und eine Schonung der Ressourcen durch kleinere Akkus und den Wegfall stationärer Ladebereiche. Aufgrund des hohen Wirkungsgrads entfallen zudem langwierige Andockvorgänge, was eine zusätzliche Zeitersparnis mit sich bringt.

„Insbesondere für unseren Gessbot mit integriertem Cobot sind höhere Verfügbarkeiten ein echter Gamechanger, da sie diese AGV trotz höherem Energiebedarf und höheren Anschaffungskosten deutlich wirtschaftlicher machen“, ergänzt Patrick Haberzettl. Nach einer ersten Testphase war Gessmann von der Praktikabilität des induktiven Ladens derart überzeugt, dass die Lösung von Wiferion zum neuen Ladestandard des Gessbot GB 350 ernannt wurde.

Ausgewählt, getestet, behalten: Ein Beispiel für kundenorientierte Innovation

Dank der Kooperation mit Wiferion profitiert Neff von einer effizienteren Nutzung ihrer Produktionsfläche und einem unterbrechungsfreien Betrieb ihrer Montagelinien. Dieser spezielle Kundenauftrag verdeutlicht zugleich, wie ernst Gessmann die spezifischen Anforderungen seiner Kunden nimmt. Ursprünglich wurde eine induktive Ladelösung nicht in Betracht gezogen, doch diese spezielle Kundenanfrage inspirierte das Unternehmen zum Umdenken. Die Kooperation mit Wiferion brachte schließlich die ideale Lösung hervor. Das Ergebnis ist ein optimiertes Produkt, das nicht nur die Anforderungen von Neff erfüllt, sondern auch eine vielversprechende Basis für zukünftige Entwicklungen bietet.

„Wir arbeiten gerade am Ausbau unseres Portfolios“, sagt Patrick Haberzettl. „Dabei finden wir die Möglichkeit, verschiedene Robotertypen und -größen mit Wiferion laden zu können, besonders attraktiv. So ist nicht nur eine Standardisierung der Software-, sondern auch der Hardware-Infrastruktur möglich.“ Die Wiferion-Ladetechnologie soll als Grundlage dienen, um das ‚One Size Fits All‘-Prinzip umzusetzen, welches eine zukunftssichere und effiziente Lösung für unterschiedlichste AGV-Modelle bietet. Diese Standardisierung wird die Flexibilität erhöhen und die Integration sowie den Betrieb der Roboterflotte weiter vereinfachen.