Deutscher Logistik-Preis 2022

90 Prozent des globalen Warenumschlags erfolgt über den Seeweg. Weltweit stoßen Häfen an ihre Grenzen: Flächen reichen nicht aus, um das Wachstum des Warenverkehrs zur bewältigen, Durchlaufzeiten sind zu hoch, ebenso wie Lärm- und Lichtemissionen und die Energieverbräuche in den Terminals. Jetzt gibt es eine Lösung, die all diese Probleme adressiert. Das Konzept Boxbay wurde vom Anlagenbauer SMS Group entwickelt und konnte sich bereits in einem Pilotprojekt in Dubai beweisen. Dieses Konzept wird nun mit dem Deutschen Logistik-Preis 2022 ausgezeichnet.
 Träger des Deutschen Logistik-Preises 2022 (v.l.n.r.): Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer (BVL), Bernd Büdenbender (Amova), Christoph Roth (SMS Group), Carsten Heide (SMS Group), 
Ronald van der Meer (DP World) Volker Brück (SMS Group), Bernd Klein (SMS Group), Martin Aufschläger (SMS Group), Dr. Mathias Dobner (SMS Group), Dr. Ursula Weidenfeld 
(Juryvorsitzende), Christina Thurner (BVL).
Träger des Deutschen Logistik-Preises 2022 (v.l.n.r.): Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer (BVL), Bernd Büdenbender (Amova), Christoph Roth (SMS Group), Carsten Heide (SMS Group), Ronald van der Meer (DP World) Volker Brück (SMS Group), Bernd Klein (SMS Group), Martin Aufschläger (SMS Group), Dr. Mathias Dobner (SMS Group), Dr. Ursula Weidenfeld (Juryvorsitzende), Christina Thurner (BVL).Bild: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V./©Kai Bublitz

Die Lagerkapazität eines Containerterminals auf gleicher Fläche verdreifachen und das aufwändige und unproduktive Umstapeln komplett vermeiden. Diese Lösung kommt in einer Zeit, in der aufgrund immer größerer Schiffe bei einem Hafenstop auch immer mehr Container gelöscht, zwischengelagert und wieder geladen werden müssen. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Verweilzeit eines Containers auf den Terminals auch aufgrund der bekannten Lieferkettenprobleme kontinuierlich gesteigert. Damit Lieferketten robuster werden können, benötigen die Terminals eine größere Pufferkapazität, die auf den begrenzten Flächen mit herkömmlichen Prozessen meist nicht geschaffen werden kann.

„Wenn wir auf die Geschichte des Containers zurückblicken, hat sich seit seiner Einführung 1956 nichts Wesentliches geändert“, sagt Carsten Heide, Leiter Projektmanagement beim SMS-Tochterunternehmen Amova. Das wie ein Hochregallager funktionierende Boxbay-Konzept für Container sämtlicher Standardmaße ändert die Prozesse auf den Terminals nun radikal: Zum einen können statt höchstens sechs Containern nun bis zu elf der Boxen übereinander gelagert werden. Vor allem aber liegen diese separat und nicht direkt aufeinander, so dass Umstapelungen komplett entfallen können. Die Container können an mehreren Seiten von Boxbay ein- und ausgelagert werden und ein umlaufendes Transportsystem, schafft Flexibilität beim Umschlag.

Im Boxbay-Lager lagert jeder Container in einem eigenen Fach, sodass er jederzeit zugänglich ist und ein- oder ausgestapelt werden kann.
Im Boxbay-Lager lagert jeder Container in einem eigenen Fach, sodass er jederzeit zugänglich ist und ein- oder ausgestapelt werden kann.Bild: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

Pilotanlage in Dubai realisiert

Im Januar 2021 ging als Proof of Concept der Partner SMS Group und DP World eine erste Anlage im Hafen von Dubai in Betrieb. Bei einem vollständigen Ausbau der 230m langen, 26m breiten und 50m hohen Pilotanlage lassen sich wasserseitig 500 Ein- und Auslagerungen pro Stunde sowie landseitig 300 Ein- und Auslagerungen pro Stunde realisieren. Die kaiseitige Umschlagtechnologie mit den vorhandenen Containerbrücken kann weitergenutzt werden. Die Boxen werden anschließend von den im Terminal eingesetzten Transportsystemen übernommen und bis zur Aufnahmeposition des Boxbay-Lagers transportiert. Dort übernehmen Regalbediengeräte die Container und transportieren sie über Gassen zu den Regallagerplätzen von Boxbay. Unter dem Lager befindet sich ein umlaufendes schienengebundenes Paletten-Transportsystem, das die Container zur landseitigen Lkw- oder Bahnübergabestation bringt oder sie abholt.

Im Gegensatz zu konventionellen Systemen wird Boxbay vollständig emissionsfrei mit elektrischer Energie betrieben und kann in Verbindung mit grünem Strom CO2-frei arbeiten. Das Dach der Anlage lässt sich optional mit einer großflächigen Photovoltaik-Anlage ausrüsten, die den Strom für den Betrieb produziert.

Kriterien und Ziele erfüllt

Das Boxbay-Konzept überzeugte die Jury und setzte sich am Ende klar gegen die Mitbewerber durch. Die Jury-Vorsitzende Dr. Ursula Weidenfeld hob in ihrer Laudatio hervor, dass das Projekt neben der Innovation auch den neueren Kriterien für den Deutschen Logistik-Preis wie gesellschaftliche Relevanz und Verbesserung der Resilienz entspricht: „Beim Boxbay-Projekt ist es am offensichtlichsten: Wir sehen eine Verdichtung von Containerflächen auf ein Drittel, Lärm- und Lichtschutz, Stromerzeugung über den eigenen Bedarf hinaus, die Einbindung existierender Hafenumschlags-technologien und den wahlfreien Zugriff auf jeden Container. Obwohl Boxbay in Dubai noch eine Testanlage ist, erfüllt der gesamte Anlagenkomplex schon jetzt alle Kriterien und Ziele des Deutschen Logistik-Preises“, so Weidenfeld. www.bvl.de

Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

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