Null Prozent Transportschäden sind kein Erfolgsmaßstab

Christoph Buhl, Geschäftsführer der Buhl-Paperform
Christoph Buhl, Geschäftsführer der Buhl-PaperformBild: Buhl-Paperform GmbH

Für viele Unternehmen ist Transportschäden zu vermeiden, möglichst vollständig, ein Top-Ziel und somit nach wie vor der zentrale Maßstab bei der Bewertung von Verpackungen. Sinkende Schadensquoten gelten als Erfolg, zusätzliche Schutzmaßnahmen als Qualitätsgewinn. Doch genau diese Sichtweise führt in der Praxis häufig zu einer Entwicklung, die Unternehmen teuer zu stehen kommt: Verpackungen werden immer weiter verstärkt, obwohl der wirtschaftliche Nutzen der zusätzlichen Sicherheitsreserven längst nicht mehr gegeben ist.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie sich jeder einzelne Schaden verhindern lässt. Die entscheidende Frage lautet, welche Verpackung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die beste Lösung darstellt.

Sicherheit ist kein Selbstzweck

Ein Blick in die Automobilindustrie verdeutlicht diesen Zusammenhang. Moderne Fahrzeuge verfügen über hochentwickelte Sicherheitskonzepte und schützen ihre Insassen bei den Belastungen, die im realen Straßenverkehr zu erwarten sind. Niemand würde jedoch fordern, ein Fahrzeug müsse selbst einen Frontalaufprall mit 100km/h gegen eine Betonwand ohne Schaden überstehen. Sicherheit wird auf realistische Beanspruchungen ausgelegt und nicht auf jeden theoretisch denkbaren Extremfall.

Bei Verpackungen wird dieser Grundsatz häufig anders bewertet. Produkte werden geworfen, unsachgemäß gestapelt oder unter ungünstigen Bedingungen transportiert. Treten Schäden auf, lautet die Reaktion oft: mehr Material, mehr Polsterung, mehr Sicherheitsreserven.

Dabei wird selten hinterfragt, ob der zusätzliche Schutz tatsächlich einen wirtschaftlichen Mehrwert schafft. Buhl-Paperform geht hier einen anderen Ansatz zusammen mit den Kunden, denn hier wird die Sinnhaftigkeit jeder Schutzmaßnahme hinterfragt, denn schließlich verursacht diese Kosten. Kosten, die nicht nur beim Verpackungsmaterial selbst entstehen, sondern entlang der gesamten Lieferkette.

„Verpackungen müssen den tatsächlichen Anforderungen der Lieferkette standhalten. Sie müssen jedoch nicht jeden theoretisch möglichen Ausnahmefall absichern“, sagt Christoph Buhl, Geschäftsführer von Buhl-Paperform. „Entscheidend ist nicht die maximal mögliche Sicherheit, sondern die wirtschaftlich optimale Balance zwischen Produktschutz und Ressourceneinsatz.“

Wenn Schadensquoten zur falschen Kennzahl werden

Grundsätzlich lassen sich Transportschäden nahezu beliebig weiter reduzieren. Kartonagen können verstärkt, Polsterungen erweitert und Sicherheitsreserven erhöht werden. Mit jeder zusätzlichen Schutzmaßnahme steigen jedoch auch Materialverbrauch, Verpackungsgewicht, Handlingkosten, CO2 Belastung und Volumen.

Die Folgen sind unmittelbar spürbar: höhere Materialkosten, mehr Lagerfläche, geringere Palettenauslastung, höhere Transportkosten und komplexere Verpackungsprozesse. Gleichzeitig nimmt der wirtschaftliche Nutzen der zusätzlichen Schutzmaßnahmen kontinuierlich ab. Anders formuliert: Die letzten Zehntelprozent einer Schadensquote sind häufig die teuersten.

„Viele Unternehmen investieren erhebliche Mittel, um Transportschäden weiter zu reduzieren“, erklärt Buhl. „Dabei wird oft übersehen, dass die dadurch entstehenden Mehrkosten höher sein können als die Kosten der Schäden, die vermieden werden sollen.“

Genau an diesem Punkt wird deutlich, warum die isolierte Betrachtung von Schadensquoten zu kurz greift. Eine Verpackung kann technisch hervorragend funktionieren und gleichzeitig wirtschaftlich ineffizient sein.

Die Branche verändert ihre Perspektive

Diese Entwicklung wird inzwischen auch von Institutionen und Marktteilnehmern aufgegriffen. So formuliert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bewusst, dass Verpackungen den „zu erwartenden Beanspruchungen“ standhalten müssen. Auch das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) betrachtet Verpackungen heute nicht mehr ausschließlich als Schutzfunktion, sondern als wichtigen Bestandteil effizienter und nachhaltiger Lieferketten.

Die Fragestellung verschiebt sich damit signifikant von der maximalen Sicherheit hin zur optimalen und kosteneffizientesten Gesamtlösung. Ein einfaches Beispiel ist Amazon. Der Konzern nutzt künstliche Intelligenz, um Verpackungen anhand historischer Schadensdaten, Produkteigenschaften und logistischer Rahmenbedingungen gezielt zu optimieren. Ziel ist ausdrücklich nicht die größtmögliche Verpackung, sondern die wirtschaftlich sinnvollste. Dadurch konnten Millionen Tonnen Verpackungsmaterial eingespart und unnötige Versandverpackungen erheblich reduziert werden. Manche Artikel werden sogar komplett ohne zusätzliche Schutzverpackung versandt. Die Erkenntnis dahinter ist ebenso einfach wie relevant: Mehr Verpackung bedeutet nicht automatisch mehr Wirtschaftlichkeit.

Verpackung muss als Gesamtsystem betrachtet werden

Auch das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) verweist auf die erheblichen Potenziale einer systematischen Verpackungsoptimierung. Denn jede unnötige Verpackungsreserve beeinflusst Transporteffizienz, Lagerkapazitäten, CO2-Ausstoß und Prozesskosten.

Aus diesem Grund betrachtet Buhl-Paperform Verpackungen nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines Gesamtsystems. Und dies macht besonders aktuell in Zeiten der PPWR-Regulierungen noch mehr Sinn.

„Wir analysieren gemeinsam mit unseren Kunden Produkte, Transportwege, Lagerbedingungen, Handhabungsprozesse und Schadenskosten“, erläutert Christoph Buhl. „Erst wenn alle Einflussfaktoren betrachtet werden, lässt sich beurteilen, welche Verpackung wirtschaftlich die beste Lösung darstellt.“ Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Schäden zu akzeptieren oder Qualitätsstandards zu senken.

„Eine beanspruchungsgerechte Verpackung wird in der Praxis niemals dauerhaft bei null Prozent Transportschäden liegen“, so Buhl. „Außergewöhnliche Belastungen und Fehlhandhabungen lassen sich nie vollständig ausschließen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob einzelne Schäden auftreten können, sondern ob die Gesamtlösung wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Die wirtschaftlich beste Verpackung ist selten die massivste

Steigende Kosten, zunehmender Wettbewerbsdruck und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen sowie PPWR zwingen Unternehmen heute dazu, Verpackungen neu zu bewerten. Gefragt sind Lösungen, die Produktschutz, Wirtschaftlichkeit und Ressourceneffizienz miteinander verbinden.

Die Zukunft gehört deshalb nicht den Verpackungen mit den größten Sicherheitsreserven, sondern den Verpackungen mit der höchsten Effizienz.

„Wer Verpackungen ausschließlich über die Schadensquote bewertet, greift zu kurz“, sagt Buhl. „Erfolgreiche Verpackungskonzepte entstehen dort, wo Produktschutz, Logistik, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gemeinsam optimiert werden.“

Null Prozent Transportschäden mögen auf den ersten Blick nach einem Idealzustand klingen. Für Unternehmen sind sie jedoch kein Erfolgsmaßstab. Erfolgreich ist eine Verpackung dann, wenn sie den erforderlichen Schutz mit dem geringstmöglichen Ressourceneinsatz erreicht. Nur so wird entlang der gesamten Lieferkette der größte wirtschaftliche Nutzen geschaffen.