
Was Unternehmen bei der Automatisierung ihrer Intralogistik bedenken sollten! Automatisierung bedeutet Zukunft. Ob KI, Roboter oder fahrerlose Transportsysteme – laut einer Studie der Lufthansa Industry Solutions etablierten bereits über 56 Prozent aller deutschen Firmen vollständig automatisierte Prozesse. Was diese Entscheidung mit sich bringt und ob sie sich für jeden Betrieb eignet, erklärt Logistikexperte Dr. Markus Klevers. Mit seinem Team optimiert der Geschäftsführer der T&O Group die Logistikstrategien etlicher Firmen.
Vorteile und Herausforderungen
Deutschland als Hochlohnstandort, der demografische Wandel und mangelnde Arbeitskräfte treiben die Mechanisierung voran. „Automatisierungsprojekte machen momentan etwa 80 Prozent unserer Aufträge aus“, bemerkt Klevers. Sie verkörpern einen zentralen Punkt der Logistikoptimierung. Besonders für die Bereiche Lagerprozesse und Materialtransport erhoffen sich Unternehmen positive Impulse durch einen Umbruch ihrer Intralogistik. Automatisierung bedeutet flexiblere Skalierung ohne Bedarf an neuen Mitarbeitern. Dabei zieht sie nicht zwingend den Abbau von Arbeitsplätzen nach sich, sondern bietet einen Ausweg aus dem Fachkräftemangel. Zusätzliche Systeme und Maschinen entlasten bestehende Arbeitnehmer und reduzieren Fehler: Wo Menschen versehentlich zum falschen Bauteil greifen oder es ins falsche Fach einräumen, irren sich automatisierte Systeme nie – und sorgen so für reibungslose Prozesse und messbare Qualitätssteigerung.
„Betriebe müssen sich aber auch der Herausforderungen bewusst sein“, warnt der 40-Jährige. „Die Automatisierung verändert das Arbeitsumfeld drastisch und schafft völlig neue Rahmenbedingungen – das unterschätzen viele.“ So brauchen Firmen nach der Umstellung neue Berufsbilder und Experten, die sich mit IT auskennen, denn externe Fachkräfte belasten das Budget. Automatisierung bedeutet auch, auf Technik angewiesen zu sein. Viele Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Systemen und Maschinen wirken sich auf das Fehlerpotenzial aus und führen im Zweifelsfall zu Systemausfällen. Deshalb setzen viele Firmen auf hybride Systeme, mit denen sie notfalls ihr automatisiertes Flurförderzeug gegen den bewährten Gabelstapler tauschen. Das MOVEsystem von IEF-Werner transportiert Bauteile und Produkte zuverlässig, modular und kosteneffizient – ob auf Werkstückträgern, direkt auf Riemen oder in Paletten. Anwender profitieren von maximaler Flexibilität. ‣ weiterlesen
MOVEsystem bewegt mehr:
Branchenunterschiede
Gibt es in der Automatisierung Vorreiter und Nachzügler? Laut Klevers liegen die Automobilbranche und der Handel besonders weit vorne. Erstere nutzt seit vielen Jahren mechanische Fertigungsmethoden und geht diesen Weg auch in der Intralogistik. Aufgrund ihrer hohen Marktmacht befolgen Lieferanten die Lieferbedingungen der Hersteller bis ins Detail – eine gute Vorbereitung und perfekt platzierte Pakete vereinfachen die Weiterverarbeitung. Der Handel, insbesondere E-Commerce, muss Kundenwünschen exakt nachkommen. Abnehmer erwarten Lieferzeiten von 24 bis 48 Stunden. Deshalb setzt die Branche alles daran, ihre Prozesse schneller und genauer zu gestalten. Der Maschinen- und Anlagenbau schneidet schlechter ab. Anders als die Automobilbranche verfügt dieses Segment über weniger Marktmacht. „Dort stellt der Lieferant das Material so vor die Tür, wie er gerade Lust hat“, beschreibt Klevers den Unterschied bildlich. Es folgt ein hochmanuelles Verfahren, um das Material vorzubereiten, zu sortieren und sequenzieren – bevor der automatisierte Prozess überhaupt beginnt.
Automatisierung – für jeden geeignet?
„Jeder manuelle Prozess kann theoretisch automatisiert werden“, erklärt der Unternehmensberater. Aber ist das immer sinnvoll? Markus Klevers warnt bei sehr komplexen oder heterogenen Vorgängen vor einer unüberlegten Automatisierung. Viele unterschiedliche Teile oder sehr variable Aufgaben kann ein System nicht alleine stemmen. Auch hier hat die Automobilindustrie einen Vorsprung – die Teile ähneln sich dort häufig und lassen sich deshalb leichter von automatischen Systemen verarbeiten. Im Maschinenbau variieren Einzelteile stärker. „Überall, wo selektiert und sortiert werden muss, sehe ich den Menschen ganz klar im Vorteil“, stellt Klevers fest. „Es gibt zwar KI-Kamerasysteme, die diese Aufgaben übernehmen können. Sie arbeiten aber viel ungenauer und kosten mehr als ein ausgebildeter Mensch.“ Solche Technologien rechneten sich deshalb selten. Transport und Lager seien hingegen zwei Prozesse, die sich leicht automatisieren ließen.
















