
Die Logistics Hall of Fame nimmt erstmals seit zehn Jahren wieder mehrere Mitglieder in einem Jahr auf. Neun Persönlichkeiten werden für Leistungen ausgezeichnet, die Produktion, Transport, Lagertechnik und Logistikmanagement nachhaltig verändert haben. Darüber hinaus würdigt die internationale Jury die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) für die unter ihrer Schirmherrschaft entstandene CMR-Konvention.
„Logistikgeschichte wird auf ganz unterschiedliche Weise geschrieben: durch unternehmerischen Mut, technische Durchbrüche, wissenschaftliche Pionierarbeit oder verlässliche internationale Regeln. Gemeinsam haben alle eines: Sie wurden von Menschen gemacht, deren Pionierleistungen weit über ihre Zeit und ihre Unternehmen hinauswirken – und die Logistik bis heute prägen. Unsere neuen Mitglieder stehen für Leistungen, die nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Branchen verändert haben“, sagt Anita Würmser, Geschäftsführende Juryvorsitzende der Logistics Hall of Fame.
30 Vorschläge aus neun Nationen waren bei der Award-Organisation eingegangen. Das Council nominierte daraus zunächst elf Persönlichkeiten. Die endgültige Entscheidung traf im Juli die internationale Jury, der 70 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien aus 13 Nationen angehören.
Mit ihrer Entscheidung würdigen Council und Jury herausragende Leistungen aus unterschiedlichen Epochen und Bereichen der Logistik. Entscheidend für eine Aufnahme sind weder die Größe eines Unternehmens noch der Bekanntheitsgrad einer Person, sondern der nachweisbare Nutzen für die Logistik über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus.
CMR-Konvention unter der Schirmherrschaft der UNECE
Kaum ein anderes Regelwerk hat den internationalen Straßengüterverkehr so nachhaltig geprägt wie die CMR-Konvention. Das ‚Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr‘, das unter der Schirmherrschaft der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) am 19. Mai 1956 in Genf verabschiedet wurde, trat 1961 in Kraft. Es brachte erstmals einen einheitlichen rechtlichen Rahmen für grenzüberschreitende Transporte und wurde damit zu einer der wichtigsten Grundlagen der modernen Logistik. Historisch betrachtet war dies ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Integration Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Von besonderer Bedeutung war die Einführung eines Haftungsregimes sowie des standardisierten CMR-Frachtbriefs. Bis heute dient er als wichtigstes Begleitdokument im internationalen Straßengüterverkehr. Die Segmented Transfer Plates schließen die Lücken der Übergabestellen Ihrer Bandförderanlage. Durch einfache Montage sorgen sie für sichere Übergänge, verhindern Staus und Verluste und erhöhen Ihre Betriebssicherheit. ‣ weiterlesen
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Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn und Hans Reuter: Die Hochregallager-Pioniere
In den 1950er-Jahren war Lagerhaltung noch weitgehend von Handarbeit, Staplern und ebenerdiger Lagerung geprägt. Als in Gütersloh Anfang der 1960er-Jahre ein 20m hoher ‚Büchersilo‘ entstand, markierte das den Beginn einer neuen Ära der Lagerlogistik und wurde zum Ausgangspunkt der weltweiten Entwicklung moderner Hochregallager. Fläche wurde durch Höhe ersetzt, Lagerprozesse wurden automatisiert und Materialflüsse konnten systematischer gesteuert werden. Für diese Pionierleistung nimmt die Logistics Hall of Fame Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn und Hans Reuter auf, die mit dem Bertelsmann-Büchersilo den Grundstein für die moderne automatische Lagertechnik legten. Sie zeigten erstmals praktisch, welches Potenzial in der Verbindung von Lagertechnik, Stahlbau, Fördertechnik und Automatisierung steckte. Es war eine Systeminnovation – entstanden aus unternehmerischem Mut und technischer Entwicklungsarbeit.
Johannes Hödlmayr: Pionier der europäischen Fahrzeuglogistik und Gründungsvater der ECG
Als Johannes Hödlmayr Ende der 1990er-Jahre die Idee einer europäischen Interessenvertretung für die Fahrzeuglogistiker vorantrieb, war die Branche weit von einer gemeinsamen Stimme entfernt. Logistikdienstleister, Automobilhersteller und Fahrzeughändler arbeiteten zwar miteinander, doch der Austausch war von nationalen Strukturen, unterschiedlichen Standards und nicht selten auch von Misstrauen geprägt. Als Gründungsvater der ECG – Association of European Vehicle Logistics – legte der österreichische Unternehmer gegen alle Widerstände im Jahr 1997 den Grundstein für den Dialog zwischen Logistikdienstleistern, OEMs und Fahrzeughändlern und damit für die Entwicklung gemeinsamer Standards, den Wissensaustausch sowie die Zusammenarbeit entlang der automobilen Supply Chain.
Günter Knapp: Pionier der automatisierten Pharmalogistik
Die zuverlässige Versorgung von Apotheken mit Medikamenten gehört heute zu den größten logistischen Selbstverständlichkeiten. Mehrmals täglich verlassen Arzneimittel die Großhandelslager, werden innerhalb kürzester Zeit kommissioniert und an Apotheken ausgeliefert. Dahinter steckt eine Technologie, die den Pharmagroßhandel grundlegend verändert hat. Einer ihrer wichtigsten Wegbereiter war Günter Knapp. Der österreichische Erfinder und Unternehmer steht für einen frühen und nachhaltigen Technologiesprung in der technischen Logistik: die Automatisierung der Auftragszusammenstellung im Pharmagroßhandel. Mit der Entwicklung des A-Frame-Kommissionierautomaten schuf Günter Knapp die Grundlage für eine schnelle, fehlerarme und automatisierte Kommissionierung von Medikamentenpackungen und revolutionierte damit die Pharmalogistik.
Oskar Schunck: Pionier der Transportversicherung
Wer Waren transportiert, übernimmt Verantwortung – und trägt Risiken. Heute erscheint es selbstverständlich, dass Transportschäden, Haftungsfragen und wirtschaftliche Folgen abgesichert werden können. Vor gut hundert Jahren war das keineswegs selbstverständlich. Einer der wichtigsten Wegbereiter für eine neue Form des Risikomanagements wurde Oskar Schunck (1877 bis 1936). Er erkannte diese Lücke früh und prägte das Prinzip ‚Versicherung ersetzt Haftung‘. Sein Ansatz war für die damalige Zeit einzigartig und schaffte so offenkundige Mehrwerte für alle am Transport beteiligten Wirtschaftskreise, dass Verbände, Verlader und die Speditionswelt diesem Versicherungsansatz folgten. Schuncks besondere Bedeutung für die Logistik liegt in der maßgeblichen Mitwirkung an den Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp), die fast zeitgleich initiiert wurden, in Verbindung mit der ‚automatisierten‘ Verkehrshaftungsversicherung.
Kiichir? Toyoda: Wegbereiter von Just-in-Time und des Toyota Production Systems
Produzieren, was gebraucht wird – genau dann, wenn es gebraucht wird, und nur in der benötigten Menge: In der Welt der frühen industriellen Massenproduktion war das eine radikale Idee. Sie entstand nicht aus Überfluss, sondern unter Bedingungen, die kaum ungünstiger hätten sein können: wenig Kapital, knappe Rohstoffe und ein Markt, der von ausländischen Automobilherstellern beherrscht wurde. Kiichir? Toyoda, Gründer der Toyota Motor Co., Ltd., war der Vater des Just-in-Time-Prinzips. Es war eine wesentliche Grundlage für das spätere Toyota Production System und veränderte Produktion und Logistik weltweit. Viele Elemente des Toyota Production Systems wurden später unter dem Begriff ‚Lean Production‘ bekannt. Heute prägen sie nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch Logistik, Maschinenbau, Handel, Gesundheitswesen und zahlreiche weitere Branchen. Kiichir? Toyoda gründete damit mehr als einen Automobilhersteller. Er gab den konzeptionellen Anstoß für eines der einflussreichsten Produktions- und Logistiksysteme der Industriegeschichte.
Jürgen Weber: Pionier des Logistik-Controllings
Es gab eine Zeit, da war die Logistik in Unternehmen unverzichtbar – und gleichzeitig ein blinder Fleck der Betriebswirtschaft. Während andere Unternehmensbereiche längst mit Kennzahlen gesteuert wurden, fehlte der Logistik eine gemeinsame Sprache. Genau hier setzte in den 1980er-Jahren Prof. Emeritus Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber (*1953) an und begann, diesen blinden Fleck zu vermessen. Weber ist einer der prägenden Kennzahlen-Pioniere der Logistik und ein weltweit anerkannter Experte für Logistik- und Supply-Chain-Controlling. Er ‚konstruierte‘ die Logiken, auf deren Grundlage industrielle Logistik heute weltweit gemessen, bewertet und gesteuert wird. Damit hat er maßgeblich dazu beigetragen, Logistik als strategische Wertschöpfungsfunktion in Unternehmen zu verankern.
Offiziell aufgenommen werden die neuen Mitglieder im Rahmen der jährlichen Gala der Logistics Hall of Fame am 4. Dezember in der Wiener Hofburg. Bisher wurden 46 Logistikerinnen und Logistiker in die Ruhmeshalle der Logistik aufgenommen.
Hintergrund der Logistics Hall of Fame
Die Logistics Hall of Fame ehrt international Persönlichkeiten, die sich um die Weiterentwicklung von Logistik und Supply Chain Management außergewöhnlich verdient gemacht haben. Ziel ist es, als weltweite Plattform die Meilensteine der Logistik zu dokumentieren und ihre Macher auszuzeichnen, um so die Bedeutung der Logistik für Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstreichen. Die Logistics Hall of Fame verleiht zudem die Auszeichnung Logistics Leader of the Year an aktuelle Taktgeber der Logistik. Außerdem zeichnet die Logistics Hall of Fame innovative Logistikprojekte von humanitären Organisationen mit der Lynn C. Fritz Medal for Excellence in Humanitarian Logistics aus. Stifter ist das Fritz Institute. Die Non-Profit-Initiative wird unterstützt von Politik, Verbänden, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Schirmherrschaft hat Steffen Bilger, Bundesminister für Verkehr, inne.














