Anzeige

Anzeige

Lesedauer: 4 min
12. Juni 2020
Maschine zum Anziehen
Ein am Körper getragenes Exoskelett kann den Menschen bei einseitig belastenden Tätigkeiten unterstützen. Je stärker der Support, umso höher fallen die Anforderungen an Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Datenschutz aus.
Bild: Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik

An Datenbrille und Scanhandschuh hat man sich in der Intralogistik gewöhnt. Futuristisch anmutende Apparaturen, die ähnlich wie ein Rucksack aufgesetzt oder wie ein Korsett umgeschnürt werden, sind jedoch noch Exoten. Diese Exoskelette sollen den Mitarbeitern beim Bewegen schwerer Lasten helfen und sie bei bestimmten Zwangshaltungen stützen und entlasten. Ihr Einsatz im Lager, in der Produktion und beim Transport kann für Arbeitgeber durchaus sinnvoll sein. „Der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel verstärken für die Wirtschaft die Herausforderung, Beschäftigte möglichst lange und gesund im Arbeitsleben zu halten“, bringt es Ralf Schick, Referatsleiter Physische Belastungen bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW), auf den Punkt. „Hier könnten Exoskelette ein Lösungsansatz sein.“ Denn Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind in Deutschland der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.

Zwei Typen

Exoskelette unterstützen einzelne Köpersegmente bei bestimmten Haltungen und Bewegungen und reduzieren so die körperliche Beanspruchung. Das ist beispielsweise hilfreich bei der Überkopfarbeit oder beim Kommissionieren schwerer Sendungen. Man unterscheidet zwischen passiven und aktiven Modellen. Die passiven Helfer kommen ohne Energiezufuhr von außen aus. Sie funktionieren mechanisch über Federn, Seilzüge, Dämpfer und leiten die Last von Schultern und Rücken auf Brust, Hüfte, Oberschenkel um. Aktive Modelle sind dagegen nicht nur mit Akkus und Motoren versehen, sondern auch mit WLAN-Anbindung.

Unzulässige Überwachung

Das ruft den Beschäftigtendatenschutz auf den Plan, etwa wenn „ein Arbeitgeber den Datenschatz bergen will, der in den personenbezogenen Geräteinformationen – individuelle Arbeitszeit, Kraftaufwand, Ortung usw. – schlummert, um beispielsweise Mitarbeiterprofile anzulegen“, erläutert Dr. Jonas Botta, Referent ‚Transformation des Staates in Zeiten der Digitalisierung‘ am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung in Speyer. „Je mehr der Arbeitgeber eine reine Effizienzsteigerung anstatt den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter im Blick hat, umso höher sind die Anforderungen an eine zulässige Datenverarbeitung“, so Botta. Eine Einwilligung des Mitarbeiters wird dann notwendig.

Arbeits- und Gesundheitsschutz gehen vor

Sowohl Aktiv- als auch Passivmodelle haben den Arbeitsschutzvorschriften zu genügen. „Bei der erforderlichen Gefährdungsbeurteilung sind Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu ermitteln, zu bewerten sowie wirksame Schutzmaßnahmen abzuleiten und umzusetzen“, sagt BGHW-Experte Schick. Unförmige Exoskelette etwa bergen die Gefahr, dass man damit hängenbleibt, das Gleichgewicht verliert, sich in Notsituationen vielleicht nicht schnell genug befreien kann.

Ohnehin gilt im Arbeitsschutzrecht das TOP-Prinzip, nach dem Gefahren zuerst durch technische (T), dann erst organisatorische (O) und nur zuletzt personenbezogene (P) Maßnahmen zu beseitigen sind. „Exoskelette sind als personenbezogene Maßnahmen einzuordnen“, betont Jurist Botta. Zum Anheben müssten also vorrangig technische Mittel wie Gabelstapler, Hubwagen & Co. eingesetzt werden. Bei aller Faszination für das Mensch/Maschine-Zusammenspiel bei Exoskeletten setzt der Arbeits- und Gesundheitsschutz hier Grenzen.

Anja Falkenstein ist als Rechtsanwältin in Karlsruhe tätig und schreibt zu Themen an der Schnittstelle Logistik/Recht.

Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik

Das könnte Sie auch interessieren

Bild: Still GmbH
Bild: Still GmbH
Herstellerumfrage: Flurförderzeuge im Spannungsfeld von E-Commerce und KI

Herstellerumfrage: Flurförderzeuge im Spannungsfeld von E-Commerce und KI

Mit der diesjährigen Herstellerumfrage adressiert dhf Intralogistik die Themen Märkte und Fahrzeugtechnik. Vor dem Hintergrund des boomenden E-Commerce und der rasanten Weiterentwicklung von Technologien wie künstliche Intelligenz und Machine Learning stellen Kunden hohe Anforderungen in Sachen TCO, Effizienz und Sicherheit. Sich den aktuellen Trends bewusst, haben Flurförderzeughersteller schon heute für nahezu jedes
Einsatzszenario die passende Lösung parat.

Bild: Vollert Anlagenbau GmbH
Bild: Vollert Anlagenbau GmbH
Herstellerumfrage: Nahtlose Integration  in Produktion und Logistiker

Herstellerumfrage: Nahtlose Integration in Produktion und Logistiker

Prozessautomatisierung und zustandsbasierte Instandhaltung sind bestimmende Themen bei Krananlagen. Digitale Technologien sorgen für höchste Effizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit im Betrieb. Mit welchen Ansätzen Hersteller aktuell auf diese Entwicklung reagieren und mit welchen Lösungen sie Arbeitsprozesse noch weiter optimieren, zeigt die neueste Marktumfrage von dhf Intralogistik.

Bild: SSI SCHÄFER FRITZ SCHÄFER GMBH
Bild: SSI SCHÄFER FRITZ SCHÄFER GMBH
Produktionsversorgung 
automatisch im Griff

Produktionsversorgung automatisch im Griff

Die Kernaufgabe der Produktionslogistik ist es, die Durchlaufzeit der Produktion zu reduzieren. Gestiegene Kundenanforderungen und ein globaler Wettkampf zwingen Unternehmen dazu, sich mit einem ebenso zahlreichen wie heterogenen Materialbestand auf maßgeschneiderte Fertigungsprozesse einzustellen, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Für Abhilfe sorgen modulare, flexibel skalierbare (teil-)automatisierte Materialflusslösungen in Kombination mit einer intelligenten Logistiksoftware, die die einzelnen Module im Verbund geschickt steuert. SSI Schäfer bietet solche Lösungen für nachhaltige, zukunftsfähige Systeme, die maßgeschneidert und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit realisiert werden.

Bild: Kardex Mlog
Bild: Kardex Mlog
Mit Puffer ganz auf Nummer sicher

Mit Puffer ganz auf Nummer sicher

Durch ein automatisches Hochregallager und umfangreicher Fördertechnik von Kardex Mlog hat die Molkereigenossenschaft Kärntnermilch auf minimaler Fläche rund 3.000 Palettenstellplätze hinzugewonnen. Diese fügt sich nahtlos in den Materialfluss zwischen Wareneingang, Produktion und Versand ein.

Bild: Bang Kransysteme
Bild: Bang Kransysteme
Intelligente Krane für die Intralogistik

Intelligente Krane für die Intralogistik

Die nahtlose Integration in Produktion und Logistik ist nur eine der Anforderungen, die an moderne Kransysteme gestellt wird. Für einen reibungslosen Kranbetrieb stehen ebenso die Themen Sicherheit und Zuverlässigkeit im Fokus. Anwender fordern zudem intelligente Technologien für die Steuerung und Überwachung der Krananlagen – zur Steigerung von Effizienz und Produktivität. Mit welchen Ansätzen Hersteller aktuell auf diese Entwicklung reagieren und mit welchen Lösungen sie Arbeitsprozesse noch weiter optimieren, zeigt die jüngste Marktumfrage von dhf Intralogistik.

Bild: SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG
Bild: SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG
Maximale Flexibilität und höchste Effizienz

Maximale Flexibilität und höchste Effizienz

Unternehmen stehen ständig vor der Herausforderung, Produktionslinien stückzahl- oder portfoliobedingt zu erweitern und umzubauen. Durch das Auflösen traditioneller Fertigungslinien in einzelne Produktionsmodule entstehen Einheiten, die bei Bedarfsänderungen flexibel erweitert oder anders angeordnet werden können. Die räumliche Entkopplung der Logistik sowie die Vernetzung der Produktionseinrichtungen mittels mobiler Assistenzsysteme erhöhen die Flexibilität um 25 Prozent.

Bild: SCHMALE LOGTEC GmbH
Bild: SCHMALE LOGTEC GmbH
FTS Übergabestationen – zuverlässig, wartungsarm und kostengünstig

FTS Übergabestationen – zuverlässig, wartungsarm und kostengünstig

Mit der Produktlinie AGV Connect hat Anlagen- und Systementwickler Schmale Logtec eine ganzheitlich konzipierte Übergabestation für das Be- und Entladen Fahrerloser Transportsysteme (FTS) entwickelt. Drei spezifische Baureihen decken mit ihren Ausstattungskomponenten sämtliche Bedarfe für die Ladungsträger Behälter und Paletten sowie für Sonderlösungen wie etwa Wagen mit Lenkrollen.

Anzeige