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Lesedauer: 11 min
14. Dezember 2020
Experten für smarte Digitalisierung
Wanzl unterstützt Unternehmen bei der Optimierung ihrer Prozesse und sorgt mittels Digitalisierung für sicheres Transportieren. Markus Spengler, Head of Business Division, und Cassandra Klein, Produkt- und Projektmanagerin Digital Solutions, sprechen über Vorteile von Asset Tracking und wie sich damit ökonomischer Nutzen generieren lässt.

dhf Intralogistik Herr Spengler, wie hat sich die Intralogistik in den letzten Jahren durch die fortschreitende Digitalisierung und Industrie 4.0 verändert?

 Cassandra Klein, Produkt- und Projektmanagerin Digital Solutions bei Wanzl Material Handling.
Cassandra Klein, Produkt- und Projektmanagerin Digital Solutions bei Wanzl Material Handling.Bild: Wanzl Metallwarenfabrik GmbH

Markus Spengler: In den vergangenen Jahren haben wir einen Trend zur Automatisierung der Arbeitsprozesse bei unseren Kunden festgestellt. Speziell in den Monaten der Pandemie wirkte Covid-19 wie ein Beschleuniger für die Einführung digitaler Prozesse – natürlich auch getrieben durch den Online-Handel. Ebenfalls haben sich die Ansprüche der Kunden bei ihren Bestellungen geändert, gerade in puncto Warenverfügbarkeit. Das heißt, das Online-Geschäft muss schneller, exakter und individualisierter sein. Das veränderte Kaufverhalten stellt neue Anforderungen an die Intralogistikprozesse im Hintergrund. Da Wanzl im B2B-Umfeld Lösungen anbietet, sind diese Veränderungen auch für uns ein Thema.

Heute kommt es uns zugute, dass Wanzl vor ein paar Jahren unser ‚Digital Office‘ gegründet hat. Neben dem Prozess-Knowhow ist hier auch die Hard- und Softwarekompetenz zu Hause – die Basis dafür, dass die digitale Technik in den Systemen unserer Kunden auch einwandfrei funktioniert.

dhf Intralogistik Wie geht Wanzl mit den neuen Herausforderungen um?

Spengler: Wanzl ist Experte für smarte Digitalisierung und Optimierung von Abläufen. Wir wollen keinen Kunden komplett durchdigitalisieren, aber mit smarten Lösungen seine Prozesse optimieren bzw. zu Peak-Zeiten, wie am Black Friday, aufrechterhalten. Dafür bieten wir z.B. mobile Arbeitsplätze an – höhenverstellbare ergonomische Tische mit Rollen, integrierter Lithium-Ionen-Batterie und benötigter Elektronik. Der Kunde braucht nur noch seinen Laptop anzuschließen und sofort ist ein neuer Arbeitsplatz mit dem hauseigenen Warenwirtschaftssystem verbunden. Wenn gewünscht, integrieren wir auch einen ProGlove-Scan-Handschuh und ein weiterer Kommissionierplatz steht bereit.

Als zweites Beispiel möchte ich unseren ‚Smart Secure Trolley‘ nennen. Diese Lösung haben wir für den führenden Elektroniklogistikdienstleister in Europa entwickelt. Da in diesen Trolleys neueste Smartphones und Elektronikkomponenten transportiert werden, müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllt werden. Die geschlossenen Rollcontainer verfügen über elektronische Schlösser und sind zudem mit Asset Trackern ausgestattet. So kann der Trolley weltweit lückenlos lokalisiert werden.

Das dritte Beispiel ist unser getrackter Paketrollbehälter. Aufgrund der internen Prozesse unseres Kunden, eines Elektronikgroßhändlers, haben wir einen Container mit 180cm Höhe entwickelt. Die weiteren Abmessungen entsprechen einer Europalette, für den einfachen Transport durch Gabelstapler. Der Rollbehälter ist durchsichtig, damit man sofort den Inhalt erkennen kann, ist mit einem Trackingsystem zur Ortsbestimmung ausgestattet – verfügt allerdings über kein elektronisches Schließsystem.

dhf Intralogistik Frau Klein, welche Idee und Technologie stecken hinter dem Projekt Asset Tracking?

Cassandra Klein: Als Asset wird in der Logistik ein Gegenstand bezeichnet, wie z.B. ein Ladungsträger, ein Rollcontainer oder die Ware selbst. Das Asset wird mit einem kleinen Funksender oder Tracker ausgestattet, anhand dessen die aktuelle Position des Gegenstands verfolgt werden kann. Die Datenübertragung erfolgt über das Low Power Wide Area Network (LPWAN) von Sigfox, das bereits weltweit in 70 Ländern installiert ist. Der Vorteil ist die hohe Netzabdeckung, in Deutschland beispielsweise schon 86 Prozent, europaweites Roaming sowie eine energieeffiziente Datenübertragung. Die Datenpakete beinhalten eine Zeit- und Positionsangabe und werden aktiv an Sigfox-Basisstationen gesendet. Diese leiten die Daten wiederum an die Sigfox-Cloud weiter, welche die Daten von allen Trackern sammelt und kundenspezifisch weiterleitet.

Die Positionsbestimmung erfolgt über eine WLAN-basierte Ortung. Dabei wird die Position anhand der Standorte von erkannten WiFi-Hotspots ermittelt. Falls sich keine WLAN-Signale in Reichweite befinden, erfolgt die Lokalisierung über den Standort der Sigfox-Basisstationen. Eine Datenübertragung erfolgt, sobald sich der Standort des Assets ändert. Bei längeren Ruhephasen sendet der Tracker nur in vorgegebenen zeitlichen Intervallen seine Positionsdaten. Dies gewährleistet einen energiesparenden Betrieb. Die Genauigkeit liegt bei WiFi-basierter Ortung bei bis zu 50m, mit Sigfox Funknetztriangulation bis zu 5km.

dhf Intralogistik Welches Potential steckt im Asset Tracking – auch ein ökonomischer Nutzen?

Klein: Bei Diensten wie Bestimmung der Aufenthaltsorte von Ladungsträgern oder Nachverfolgung der Transportstrecke werden die erfassten Daten verarbeitet- einen ökonomischen Nutzen hat der Kunde davon noch nicht. Ein Payback seiner Investition erreicht der Kunde, in dem er z.B. die Auslastung der Containerflotte erhöht. Im Monitoring des Flottenmanagements sieht er genau, welche Container wo stehen und wie lange oder ob ein Container aus dem vorgesehenen Kreislauf entfernt worden ist und beispielsweise als mobiles Lager verwendet wird – hierfür könnte er gleich Miete verlangen.

Bei großen Flotten ist eine weitere Möglichkeit zur Erhöhung des ROIs, die Langlebigkeit zu steigern. Das Flottenmanagementsystem zeigt wie viele Einsätze ein Ladungsträger geleistet hat. So können Wartungsintervalle exakt auf diese Daten abgestimmt werden. Wartung, nur wenn nötig, Ersatzteile, nur wenn gebraucht – diese Ressourcenoptimierung führt schnell zu einer Kostenreduzierung.

dhf Intralogistik Herr Spengler, ist Asset Tracking bereits bei Kunden im Praxiseinsatz?

Spengler: Wir sind momentan in der Rollout-Phase bei Deutschlands führendem B2B-Elektrogroßhändler. Das Rollout ist über 18 Monate angelegt und es werden mehrere 1.000 Container mit Asset Tracking für die Abwicklung des Online-Geschäfts einfließen. Der Kunde hat die Entscheidung für das System einerseits wegen der ökonomischen Vorteile und andererseits aufgrund der hohen Datenverfügbarkeit getroffen. Der dadurch gewonnene Nutzen ist so groß, dass er nach und nach seine ganze Flotte umstellt.

Mit dem Smart Secure Trolley sind wir ebenfalls in der Rollout-Phase. Ein Logistikdienstleister aus der Schweiz mit Niederlassungen in 27 europäischen Ländern, der auf Sicherheitstransporte spezialisiert ist, hat das System inzwischen in drei Ländern fest installiert und die anderen Länder werden jetzt Zug um Zug folgen. Er rüstet seine ganze Flotte mit Asset Tracker gestützten Trolleys aus, die für höchste Sicherheit auch über elektronische Schließsysteme verfügen.

Auch an einen großen deutschen Paketversender liefern wir viele tausend Paketrollbehälter im Jahr. Allerdings werden hier die Tracker als zugeliefertes Bauteil in unserer Fertigung in den Rollbehältern verbaut – mit der Softwareintegration beim Kunden haben wir in diesem Fall nichts tun. Bis heute wurden von uns um die 100.000 Tracker montiert.

dhf Intralogistik Sehen Sie neben der Digitalisierung noch weitere Entwicklungen, auf die Logistiker aktuell und zukünftig reagieren müssen?

Spengler: Es gibt einige Megatrends, die uns besonders durch Covid-19 bewusst geworden sind. Ein kommendes Thema ist die Urbanisierung, ein anderes der eCommerce aus Sicht der Generation Y und Z – warum zum Supermarkt gehen, wenn das kalte Bier auch direkt zur Party geliefert werden kann. Mit unserer Kompetenz in Sachen E-Food sind wir in der Lage auf das veränderte Kaufverhalten sofort zu reagieren. Es ist eine Customer Journey mit neuen Fulfillment-Modellen, die sich viel stärker am Einkaufsverhalten der Endkunden orientieren. Wir sehen heute schon, wie Store- und Lagerflächen immer mehr verschwimmen. Online-Order Fulfillment findet im Lager statt – ein Mitarbeiter stellt dort die Online-Bestellung zusammen und bedient dann im Laden weiter. On- und Offline-Shopping, Click&Collect, Pick-in-Store, 24/7-Shops mit automatisierter Kommissionierung und Ausgabestationen sind gerade im Entstehen und werden mit hoher Dynamik schnell Realität.

Wanzl ist in der Lage den kompletten Prozess von Inbound-Logistik bis zum Ausgabeautomaten abzubilden. Durch die Partnerschaft mit der Firma Knapp können wir einen Dark-Store installieren. Bei den personalfreien 24/7 Self-Service-Konzepten erfolgt die Steuerung via Cloud-Technik. Z.B. haben wir die Würth24-Stores entwickelt und realisiert. Möchte ein Kunde eintreten generiert er über die Würth-App einen QR-Code, den er am Zutrittsterminal abscannt. Daraufhin geht automatisch die Schiebetür auf, das Licht geht an, das Radio spielt und der Kunde kann sich nachts frei durch die Filiale bewegen und die benötigten Produkte über den Scantunnel erfassen – ein ganz neues 24/7-Erlebnis.

dhf Intralogistik Frau Klein, Herr Spengler, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Wanzl Metallwarenfabrik GmbH
http://www.wanzl-zutrittskontrollen.com

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