Da würde ich gerne auch noch etwas konkreter werden: Gibt es Beispiele dafür, dass eine plastikfreie Lösung weniger nachhaltig ist?

Ein aus meiner Sicht sehr gutes Beispiel ist das Umreifungsband, das gepackten Paletten einen sicheren Halt gibt. Es gibt diese Bänder inzwischen auch aus Papier, diese erreichen jedoch nicht ansatzweise die gleiche Reißfestigkeit und Beständigkeit wie ein PET-Umreifungsband, das meist sogar zu 100 Prozent aus recyceltem Material besteht. Und wenn diese Papierbänder dann in der Praxis häufiger reißen und ersetzt werden oder sogar noch zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, dann ist damit niemandem gedient. Im Gegenteil – dadurch erhöht sich der Ressourcenverbrauch. In diesem Fall ist die plastikfreie Option möglicherweise weniger nachhaltig.

Was bedeutet das für die Entscheidungsträger in der Verpackungsindustrie?

Für diese Antwort möchte ich gerne Zahlen sprechen lassen: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) regelt nach Angaben der Umweltinstitut Offenbach GmbH jährlich Transportschäden in Höhe von 1,2 Mrd. Euro. Ein Großteil hiervon fällt auf mangelnde oder gar fehlende Ladungssicherung zurück. Fakt ist: Das Schadensvolumen steigt, wenn durch nachhaltige Materialien qualitativ schlechtere Ergebnisse erzielt werden. Noch deutlicher wird es, wenn man den Gedanken auf ein einzelnes Produkt reduziert: Wenn aufgrund ökologisch sinnvoller, aber unsicherer Verpackungen mehr Transportschäden entstehen, kippt die Ökobilanz radikal in das Gegenteil um. Denn bei jedem Transportschaden muss zum einen das Produkt neu hergestellt werden und zum anderen fallen drei Transportwege an, bis das neu produzierte Produkt am Ende beim Kunden ist. Der ökologische Fußabdruck gleicht nun dem eines Dinosauriers. Vor diesem Hintergrund sollten Entscheidungsträger sehr sorgfältig abwägen und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Es geht nicht nur darum, den Einsatz von Plastik zu reduzieren, sondern die beste Gesamtlösung zu finden, die sowohl umweltfreundlich als auch funktional und wirtschaftlich ist. Dabei spielen Faktoren wie die Recycelbarkeit der Materialien, die Energieeffizienz in der Produktion und der Transportaufwand eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund kann es durchaus eine nachhaltigere Entscheidung sein, weiterhin Kunststoff zu verwenden, wenn dies unter Berücksichtigung aller Aspekte die geringere Umweltbelastung bedeutet.

Ganzheitlichen Ansatz klingt in der Theorie sehr spannend. Wie sieht dieser in der Praxis aus?

Ein ganzheitlicher Ansatz bedeutet, dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Dazu gehört die Auswahl von Materialien, die recycelbar oder biologisch abbaubar sind, aber auch die Optimierung der Produktionsprozesse, um Energie und Ressourcen zu sparen. Ein Beispiel dafür sind Wickelfolien, die aus post-consumer recycled Material bestehen. Diese Folien enthalten einen hohen Anteil an recyceltem Material und können auf vorhandenen Maschinen verarbeitet werden, was Ersatzinvestitionen vermeidet und den ökologischen Fußabdruck verringert.

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