
Herr Scheuermann, aktuell wird das Thema Nachhaltigkeit allen Ortes sehr kontrovers diskutiert. Vor allem im Verpackungsbereich erklingen immer wieder Stimmen, die den Verzicht auf Kunststoffe fordern. Innerhalb dieser Diskussion wird meist der Eindruck erweckt, dass Nachhaltigkeit und Plastikfreiheit stets dasselbe bedeuten. Ist das so?
Reinhard Scheuermann: Dabei handelt es sich tatsächlich um ein weit verbreitetes Missverständnis. Nachhaltigkeit und Plastikfreiheit sind zwei verschiedene Konzepte, die leider sehr oft miteinander vermischt werden. Während Plastikfreiheit nur einen spezifischen Aspekt betrifft, nämlich den Verzicht auf Kunststoff, geht Nachhaltigkeit sehr viel weiter. Es umfasst nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Dimensionen. Nachhaltigkeit bedeutet doch vielmehr langfristig so zu handeln, dass künftige Generationen ebenfalls ihre Bedürfnisse decken können.
Noch einmal konkret nachgefragt: Welche Maßstäbe würden sie innerhalb der Verpackungsindustrie für nachhaltige Produkte anlegen?
In der Verpackungsindustrie bedeutet Nachhaltigkeit, dass wir den gesamten Lebenszyklus eines Produkts betrachten. Es geht darum, Materialien zu wählen, die ressourcenschonend produziert werden und sich gut recyceln lassen. Gleichzeitig müssen wir den Energieverbrauch bei der Herstellung minimieren und Prozesse effizient gestalten. Letztlich zielt ein nachhaltiger Ansatz darauf ab, den ökologischen Fußabdruck eines Produkts über dessen gesamte Lebensdauer hinweg zu reduzieren.
Und dabei Ist der Verzicht auf Plastik bezüglich der Nachhaltigkeit nicht immer die bessere Wahl?
Tatsächlich ist dieser Verzicht nicht immer sinnvoll. Plastikfreiheit kann zwar sehr wohl Teil einer nachhaltigen Strategie sein, aber sie garantiert nicht automatisch eine umweltfreundlichere Lösung. Kunststoff hat in vielen Bereichen klare Vorteile: Er ist im Vergleich zu vielen Alternativmaterialien haltbarer, hat ein geringeres Gewicht und ist sehr wetterbeständig. Und nicht selten kann Kunststoff aufgrund seiner Effizienz und Recyclierbarkeit sogar die nachhaltigere Option sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn alternative Materialien wie Papier oder Glas bei der Herstellung und im Transport höhere Umweltbelastungen verursachen.

















