Das Zwillingshubwerk mit der Einscherung 2/2-1 bietet eine maximale Hubhöhe von 102m für Traglasten bis 16t. Durch die gegenläufige Seilführung wird die Hakenwanderung vermieden und ein sehr exaktes Absetzen schwerer Lasten ermöglicht. Das Hubwerk verfährt auf einer Länge von 12m mit einer Spannweite von 6,3m, um das Schott für den Grundablass zu öffnen und weitere Hebearbeiten zu übernehmen. Es ist auf einem Obergurtfahrwerk montiert und benötigt nur eine geringe Deckenhöhe – damit ist es ideal für die Anwendung in der Staumauer des Rappbode-Talsperrensystems.

Da es sich um ein Zwillingshubwerk handelt, hat nur eines der Hubwerke eine Überlastsicherung. Die Lastmessung erfolgt an der Drehmomentstütze des Getriebes mittels eines Drucksensors, der am Tragwerk befestigt ist. Damit sind Lastmessungen auch im unteren Teillastbereich mit einer hohen Genauigkeit von ±6 Prozent der Nennlast möglich. Als Steuergerät kommt der Multi-Controller SMC22 zum Einsatz. Er ist direkt am Hubwerk montiert und erfasst die wichtigsten Betriebsdaten in Echtzeit. Mit seiner kontinuierlichen Lastkontrolle kann er das Hubwerk bei Überlast sofort abschalten.

Das Fahr- und Hubwerk sowie die Seiltrommeln mit angepasster Länge sind allesamt Sonderanfertigungen. Zudem ist an beiden Seiten der Katze der stationäre Stirnradflaschenzug Yale-VSIII für Wartungszwecke angebaut. Die beiden Wartungskettenzüge haben eine Tragfähigkeit von 500kg und eine Hubhöhe 4m, um die Anforderungen, die bei den typischen Wartungs- und Hilfsarbeiten in der Staumauer gestellt werden, optimal zu erfüllen. Ergänzt wird die Sonderlösung durch eine Hakenflasche, die für den Unterwasserbetrieb ausgelegt ist.

Schwierige Montage vor Ort

Jedes Crane Kit ist bei der Auslieferung bereits vormontiert und enthält alle notwendigen Dokumentationen und Anleitungen. Die Montage der Krananlage vor Ort erfolgt nach dem anwenderfreundlichen Plug-and-Play-Prinzip. Jedoch gab es bei der Realisierung der Lösung in der Rappbode-Talsperre einige Hürden zu nehmen: auf Grund der begrenzten Platzverhältnisse, war die Demontage des alten Krans und der Einbau des neuen Krans in den Innenraum der Staumauer besonders schwierig.

Die Krankomponenten mussten mit einem Autokran von der Straße aus durch eine 2x4m enge Luke in der Staumauer gehoben werden. Das ist bei Bauteilen, die aufgrund der Spannweite zum Teil über 6m lang sind, eine echte Herausforderung. Auch unterhalb der Luke ging es eng zu. Der mögliche Abstand zwischen Kranbahn und Deckenunterkante war sehr klein. Deshalb kam es bei dem Projekt auf ein geschicktes Vorgehen bei der Montage der Hubwerk-Sonderausführung an.

Trotz der schwierigen Umstände konnte das Projekt in kurzer Zeit realisiert werden. Die Planung, Bestellung und Anfertigung begann im Juli 2024, die Umsetzung vor Ort im September 2025, die Inbetriebnahme erfolgte im Oktober 2025. Weitere Projekte zwischen Stahl Cranesystems und der Voigt Seilerei sind bereits in Planung.

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