Kommissionierprobleme gelöst, Bestandsmanagement verbessert

Das Alptraumszenario eines Lagerleiters! Ein Kunde wird nach seiner Meinung zum Service gefragt - die Antwort: "Einer der schlechtesten Lieferanten in puncto Fehleranfälligkeit." Sehr hilfreich ist, dass die Frage gestellt wurde und der Kunde eine ehrliche Antwort gegeben hat. Wie aber kann der Lieferant die Ungenauigkeiten bei der Kommissionierung verbessern - und das möglichst schnell?
 Der Sprachdialog des Lydia Voice-Kommissioniersystems der EPG basiert auf einer anpassungsfähigen Auswahl kurzer Sprachbefehle.
Der Sprachdialog des Lydia Voice-Kommissioniersystems der EPG basiert auf einer anpassungsfähigen Auswahl kurzer Sprachbefehle.Bild: Ehrhardt + Partner GmbH & Co. KG

Genau vor diesem Problem stand im Jahr 2016 Niglon, seit über 50 Jahren Lieferant von elektrischen Komponenten mit Fokus auf den Elektrogroßhandel. Niglon erweitert sein Sortiment ständig um neue Produkte, darunter Stromkreisschutz, Verdrahtungszubehör, Kabelmanagement und vieles mehr. Die Großhändler verlassen sich auf Niglon, wenn es darum geht, eine riesige Produktpalette mit nur einer Bestellung sowie einer einzigen und zugleich schnellen Lieferung zu beziehen. Die Kunden profitieren dabei von dem persönlichen Kundendienst des Familienunternehmens Niglon, aber auch von einer Erfüllungsrate, die sonst nur Unternehmen mit großen Kapazitäten anbieten können.

Die Geschäftsleitung von Niglon sah aufgrund der Rückmeldung des Kunden dringenden Handlungsbedarf und beschloss, eine Kommissioniertechnik zu suchen, die sowohl auf dem neuesten Stand der Technik als auch hocheffizient und zuverlässig ist.

Die Herausforderungen

Diese Aufgabe gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn es gab eine lange Liste von Herausforderungen zu beachten. Erstens ist eine genaue Kommissionierung selbst in normalen Zeiten schwierig, wenn es um komplexe elektrische Bauteile geht. So sieht beispielsweise ein 9V-Schalter einem 8,6V-Schalter sehr ähnlich, beide haben häufig auch einen analogen Produktcode und eine identische Verpackung. Diese Herausforderung sollte das neue Kommissioniersystem im besten Fall lösen können.

Die bestehende Kommissionierlösung des Unternehmens war noch papierbasiert und wurde über das firmeneigene ERP-System angesteuert. Dies brachte weitere Nachteile mit sich und erforderte viel Einarbeitungszeit für neue Mitarbeitende. Da die Personalfluktuation, wie in vielen anderen Lagerbetrieben, in den letzten zehn Jahren zunahm, musste immer mehr Zeit für die Schulung neuer oder saisonaler Kommissionierer aufgewendet werden. Durch das schnelle Wachstum von Niglon und den bevorstehenden Umzug in größere Räumlichkeiten musste die Entscheidung zeitnah getroffen werden.

Es gab auch noch einen anderen wichtigen Aspekt. Niglon wollte erhebliche Investitionen in ein neues Lagerverwaltungssystem (LVS) vermeiden. Im Idealfall wollte das Unternehmen seinen Kommissionierbetrieb auf ein hochmodernes Niveau bringen, ohne dabei in ein neues WMS investieren zu müssen.

Kein neues, vollumfängliches LVS nötig

Das Führungsteam von Niglon recherchierte auf dem Markt nach Lösungen und besuchte eine Messe für Lagerhaltung und Logistik. Dort trafen sie Vertreter des Voice-Picking-Spezialisten Ehrhardt Partner Group (EPG), der mit seiner Supply Chain Execution Suite eine intelligente Gesamtlösung für die Logistik anbietet.

Das Lydia Voice-Kommissioniersystem der EPG kommt ohne Papier aus und erfordert nicht zwingend ein Upgrade auf ein vollumfängliches LVS. Der Sprachdialog basiert auf einer anpassungsfähigen Auswahl kurzer Sprachbefehle. Die Dialogabläufe können an den jeweiligen Prozess angepasst werden, sind dabei aber immer kurz und einfach zu befolgen. Lydia Voice ist auch in der Lage, Akzente und Dialekte zu verstehen. Niglon wählte ein System, bei dem die Kommissionierer Headsets tragen; Anwender können aber auch eine innovative Weste wählen, in welche die gesamte Elektronik vollständig integriert ist. Die Lydia VoiceWear bietet zusätzliche Vorteile, wie z.B. bessere Hygiene und höheren Benutzerkomfort, die bereits Benutzer anderer Lydia-Standorte überzeugen konnten. In diesem Fall hören die Niglon-Mitarbeiter die Sprachbefehle über ihre Headsets und lesen die letzten Ziffern der Artikelcodes oder die zweistelligen Prüfziffern am Lagerplatz nach Anweisung ab. Das System ist so intuitiv bedienbar, dass keine erweiterte Schulung notwendig ist. Neue Anwenderinnen und Anwender sind sehr schnell eingearbeitet und können ohne Vorlaufzeit auch zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln. Das spart Zeit und Geld.

Angesichts der hohen Anforderungen, die Niglon an sich selbst stellt, lag die Messlatte auch für die EPG hoch. Die Herausforderung bestand darin, die Genauigkeit der Kommissionierung auf 99,9 Prozent zu erhöhen, ausgehend von dem bestehenden Gesamtwert von 96 Prozent, der durch fehlende oder falsche Produkte bei der Kommissionierung zustande kam. Die Anforderung an die Lydia Voice-Technologie war es, 3.000 Palettenplätze und 4.500 SKUs (gegenüber 2.000 am alten Standort) zu bedienen, bei 250 bis 300 Aufträgen pro Tag. Dies resultiert insgesamt in etwa 5.000 bis 6.000 SKUs pro Monat mit durchschnittlich fünf Zeilen pro Auftrag.

Deutliche Steigerung von Produktivität und Genauigkeit

Lydia Voice wurde im April 2017 bei Niglon implementiert, ein Jahr nach dem Umzug in neue Räumlichkeiten. Abgesehen von einem kurzzeitigen Ausfall sechs Monate nach der Implementierung war der Dienst unterbrechungsfrei und zuverlässig. Auch im Jahr 2021 ist Niglon mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Witron Logistik + Informatik GmbH
Bild: Witron Logistik + Informatik GmbH
Neuer Code für die Tourenplanung

Neuer Code für die Tourenplanung

Dr. Stefan Bauer von Witron verantwortet das CPMS-Wellpappengeschäft der Oberpfälzer. Ebenso sind er und sein Team an der Entwicklung und Weiterentwicklung diverser Plattform-Lösungen beteiligt, die später auch im Lebensmitteleinzelhandel in Logistikzentren auf der ganzen Welt installiert werden. Das gilt auch für das jüngste Witron-Projekt unter der Verantwortung von Dr. Bauer: Die Automatisierung der Tourenplanung mit integrierter 3D-Beladeoptimierung im Rahmen eines Entwicklungsprojektes mit der TU Dresden.