Lieferketten der Zukunft

Newsletter 09 dhf 18 2026
Bild: Kion Group GmbH

Siemens und Kion machen Lieferketten und Warenlager mit KI-, Automatisierungs- und Simulationstechnologien zukunftsfähig. Dazu sind beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft eingegangen. Das Ziel: Komplexe Intralogistikprozesse zu digitalisieren, um sie vorhersehbarer und flexibler zu gestalten – und damit Produktivität und Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Möglich machen sollen das intelligente Warenlager, in denen die digitale und reale Welt verschmelzen. Dabei erfassen Kameras und Sensoren vor Ort riesige Datenmengen, die künstliche Intelligenz (KI) auswertet. Daraus entstehen digitale Zwillinge einzelner Maschinen, ganzer Anlagen und Warenlager, auf deren Basis komplette Prozesse simuliert werden. So können zum Beispiel Logistikunternehmen virtuell prüfen, wie sich Veränderungen im Lageraufbau auf die Menge der abgewickelten Waren auswirken. Dafür wird Kion als erstes Unternehmen in Europa die neue Simulationssoftware Digital Twin Composer von Siemens nutzen. Die Lösung kann die verschiedenen Prozesse parallel und in Echtzeit simulieren. Das ermöglicht ein bislang unerreichtes Ausmaß an Effizienz und Flexibilität.

„Lieferketten müssen heute nicht nur effizient, sondern vor allem widerstandsfähig sein“, sagt Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO von Siemens Digital Industries. „Gemeinsam mit Kion nutzen wir digitale Zwillinge und industrielle KI, um das Warenlager vom physischen Knotenpunkt zu einem digitalen Nervenzentrum der Lieferkette zu entwickeln – und legen damit das Fundament für mehr Resilienz und Flexibilität.“

„Als das Supply-Chain-Solutions-Unternehmen orchestriert Kion ganzheitliche Lösungen für unsere Kunden – innerhalb von Lagerhäusern und Fabriken und perspektivisch entlang der gesamten Lieferkette. Mit Siemens als strategischem Partner stärkt Kion seine Fähigkeit, die digitale und die physische Welt in großem Maßstab miteinander zu verbinden. Damit entwickeln wir unsere Lösungen, die auf digitalen Zwillingen basieren, auf ein neues Level“, sagt Rob Smith, CEO der Kion Group.

Digital Twin Composer als Werkzeugkasten

Siemens hat den Digital Twin Composer erstmals im Januar auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Die Software ist wie ein modularer Baukasten für die digitale Fabrik und Logistik – damit können Unternehmen einen KI-gestützten digitalen Zwilling ihrer Produkte, Produktionsanlagen oder Prozesse erstellen und diesen in einer Industrial-Metaverse-Umgebung vollständig optimieren. Sobald ein Warenlager in Betrieb ist, funktioniert der Digital Twin Composer als Werkzeugkasten, mit dem sich Abläufe laufend verbessern lassen. Dadurch können Unternehmen industrielle KI, Simulation und physische Echtzeitdaten einsetzen, um Prozesse besser zu planen, Lösungen früher zu prüfen und Systeme virtuell zu testen.

Warenlager und Prozesse in der Planungsphase simulieren

Kion nutzt eine eigene Softwareumgebung, um Logistiklösungen zu planen und umzusetzen. In Kombination mit der Siemens PLM-Software Teamcenter und digitalen Zwillingen kann Kion damit Logistiklösungen über den gesamten Lebenszyklus steuern. Für Unternehmen bedeutet das: Sie können ihre Warenlager und Prozesse bereits in der Planungsphase simulieren und Entscheidungen datenbasiert treffen. Im physischen Warenlager können Abläufe optimiert und Anpassungen virtuell getestet werden.

Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit haben Siemens und Kion zudem eine Vereinbarung über den Austausch ausgewählter Industriedaten geschlossen. Kion bringt dazu Betriebsdaten und Fachwissen aus komplexen Warenlagerumgebungen ein. Damit wollen die Unternehmen die Einführung KI-gestützter Lösungen in Lagerlogistik und Lieferketten beschleunigen. Zugleich steht die Vereinbarung beispielhaft für datenbasierte Partnerschaften, mit denen Siemens den Aufbau eines Industrial Foundation Models vorantreibt. Dieses soll industrielle KI künftig über industrielle Prozesse und Domänen hinweg breiter nutzbar machen.