Supply Chain digital vernetzt

E-Bike von Fischer, Versiegelung von Nigrin: Um Visibilität in die Lieferkette zu bringen, nutzt die MTS Group die SCM-Software Osca von Setlog.
E-Bike von Fischer, Versiegelung von Nigrin: Um Visibilität in die Lieferkette zu bringen, nutzt die MTS Group die SCM-Software Osca von Setlog.Bild: Setlog GmbH

Ob im Urlaub oder im Alltag, Millionen Verbraucher verlassen sich auf Produkte der MTS Group – egal ob im Auto, im Haushalt oder auf dem Fahrrad. Die Unternehmensgruppe mit den starken Marken Nigrin, Fischer, Unitec und Cartrend deckt nahezu alle Bereiche rund um Mobilität und Technik ab. Wer sein Fahrzeug gut und gerne pflegt, greift zu den bewährten Autopflegeprodukten von Nigrin. Heimwerker und Technikfans setzen auf Schalterserien, Steckdosen und Elektromaterial von Unitec, wohingegen Fischer als Traditionsmarke für E-Bikes und dessen Zubehör steht, die Qualität, Mobilität und Innovation verbinden. Abgerundet wird das Sortiment durch praktische Werkstatt- und Autozubehörartikel von Cartrend. Vertrieben werden auch Produkte von Fremdmarken wie beispielsweise Caramba, Goodyear, AEG und Sonax.

Mit dieser Vielfalt ist MTS in nahezu allen Vertriebskanälen präsent: in Baumärkten, im Fach- und Großhandel, in SB-Warenhäusern und bei führenden Discountern wie Aldi oder Lidl – ebenso wie auf allen wichtigen Onlineplattformen. „Drei Viertel unseres Umsatzes erzielen wir im stationären Handel, ein Viertel über den E-Commerce – über unseren eigenen Webshop ebenso wie über große Onlinehändler“, erklärt Helge Jager, Head of Supply Chain bei MTS.

Standard anstatt Komplexität

Das Gesamtportfolio umfasst heute mehr als 20.000 Artikel, die europaweit vertrieben werden. Die Beschaffung erfolgt überwiegend innerhalb der EU, während Eigenmarkenprodukte größtenteils aus Asien stammen. Damit all diese Waren zuverlässig und schnell verfügbar sind, betreibt die MTS Group Logistikstrukturen mit mehr als 80.000 Palettenplätzen an insgesamt vier Logistikstandorten. Die größten davon sind der Standort Radevormwald im Bergischen Land und Malsch bei Karlsruhe. Fahrräder und E-Bikes werden in einem eigenen Distributionszentrum gelagert, um effiziente Abläufe und höchste Lieferqualität sicherzustellen.

Mit der Komplexität der Einkaufs- und Logistikprozesse im Hintergrund beschäftigt sich die SCM-Abteilung von Helge Jager und das IT-Team von CIO Moritz Gütermann. Schon wenn alles im Fluss ist, sind die Teams gut beschäftigt. Wird die Lieferkette unterbrochen, steigt die Belastung in der Zentrale in Rülzheim. Denn Handelskonzerne haben wenig Verständnis für Ware, die zu spät oder nicht in der bestellten Menge geliefert wird.

Viele Jahre nutzten die MTS Group ihr Warenwirtschaftssystem zur Steuerung der Inbound-Lieferkette. „Das Vorgehen hat aber den Nachteil, dass wir den Verschiffungsprozess nicht im System sahen. Daher konnten wir bei Abweichungen von der Planung erst im Nachhinein eingreifen“, berichtet Jager. Bis zu zwei Wochen Zeitverlust seien so mitunter entstanden. Das hat sich geändert. Ende 2021 gingen der Lieferketten-Chef und der CIO auf die Suche nach einer SCM-Software, um die Supply Chain zu steuern und Transparenz in den Inbound-Prozess zu bringen.

Insgesamt prüfte das Team zehn Lösungen. „Die Wahl fiel auf Osca, weil es sich um eine vollintegrierte, ausgereifte Lösung für alle Partner in der Lieferkette handelt und alle Prozessschritte in dem System dokumentiert werden. So kann beispielsweise eine Urlaubsvertretung genau nachvollziehen, wie die Bestellungshistorie ablief und muss nicht mehr alte E-Mails lesen“, berichtet Jager. „Komplexität bekommt man nur durch Standardlösungen in den Griff – Osca ist ein Beispiel dafür“, ergänzt CIO Moritz Gütermann.

Die Inbetriebnahme von Osca erfolgte im Mai 2023. Osca SCM enthält vier Leistungsbereiche:

  • Delivery Planning & Dialogues: Dort werden die Bestellungen von den Lieferanten bestätigt.
  • Booking & Shipment: Dabei geht es um den Transportbuchungsprozess der Lieferanten bei den Spediteuren, die Hinterlegung der Sendung durch die Logistikdienstleister sowie das Hochladen von Pflichtdokumenten.
  • On Carriage: Hier wird der Anlieferprozess am Lager gesteuert. Spediteur und Mitarbeitende im Lager stimmen sich über den Zeitpunkt der Warenanlieferung ab.
  • Reporting: Dort bietet das System umfassende Report- und Analyse-Funktionen.

Transparente Wertschöpfungskette

Osca erleichtert eine schnelle und vollumfängliche Abwicklung aller Warenabläufe. Die MTS Group meldet seit der Implementierung ihre Bestellungen aus dem ERP-System über Osca an seine 120 asiatische Lieferanten. Die SCM-Software dient als zentrales Kommunikations-Tool – von der Orderbestätigung und der Lieferplanung bis hin zu Transportbuchungen. Neben den Kosten können so unter anderem Volumina, Durchlaufzeiten, Transportlaufzeiten und Liefertermine überwacht werden. Dazu spielt der nominierte Logistikdienstleister Transportavise und Trackingdaten per EDI in das System ein. Ein Dashboard zeigt transparent den jeweiligen Status.

Wenn es Lieferveränderungen gibt, werden alle Partner in der Wertschöpfungskette gleichzeitig informiert. Bei Verzögerungen schlägt ein Frühwarnsystem Alarm. Die Lieferanten steuern den Transportbuchungsprozess bei der Spedition in dem Tool. Der Logistikdienstleister kann zu den Sendungen die nötigen Pflichtdokumente hinterlegen. Auch die Lenkung des kompletten Nachlaufprozesses bis zum Zeitpunkt der Warenanlieferung an den drei Lagerstandorten findet in Osca statt.

Reibungslose Implementierung

Strategisch gingen der CIO und sein Team bei der Implementierung der SCM-Software in mehreren Schritten vor. Zunächst wurden alle Lieferanten in Asien angebunden, dann der Spediteur. Die rund 220 Zulieferer aus Deutschland und der EU liefern frei Haus selbst an die Logistikanlagen an, sie werden nicht an Osca angeschlossen. Aktuell nutzen bei der MTS Group ein Dutzend Mitarbeitende Osca, nicht nur Disponenten, sondern auch Angestellte im Lager und der Buchhaltung.

Die Implementierungsphase lief laut Helge Jager „sehr rund“ trotz der hohen Zahl an Lieferanten, die alle möglichst schnell angeschlossen werden sollten. Eine Herausforderung seien einige Partner gewesen, die nur ganz wenige der insgesamt 1.500 Sendungen pro Jahr abwickeln und einen Nachschulungsbedarf hatten. „Für diese Fälle waren die gut ein Dutzend kurzen Tutorial-Videos von Setlog eine prima Lösung“, sagt Jager.

Digitalisierte Lieferkette überzeugt

Für Setlog-Geschäftsführer Guido Brackelsberg ist die MTS Group ein gutes Beispiel, wie sich moderne Handelsunternehmen, die global einkaufen, für das Zeitalter der Hochleistungslogistik aufgestellt haben. „Eine digitalisierte Lieferkette trennt Spreu vom Weizen in dieser hart umkämpften Branche“, betont Brackelsberg.

Rund eineinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme sind Gütermann und Jager zufrieden, dass sie das Projekt beherzt angegangen sind. Sie verweisen auf eine ganze Reihe an Vorteilen:

  • Dank der Transparenz in der Lieferkette ist ein schnelles Eingreifen bei Störungen möglich.
  • Im Dashboard haben sie einen schnellen Überblick, wo welche Sendungen aktuell sind.
  • Das System verbessert die Lieferquote.
  • Dank Osca wird Zeit eingespart, die Mitarbeitende für höherwertige Arbeit nutzen können.

Jager kann sich die Arbeit ohne Osca heute gar nicht mehr vorstellen: „Das System macht sehr komplexe Abläufe transparent, schafft bei allen Partnern mehr Vertrauen und ermöglicht fundierte Entscheidungen in Echtzeit.“ Obwohl er noch eine Menge anderer IT-Projekte auf der Agenda hat, denkt er bereits über die Einführungen eines weiteren Moduls von Osca nach – das Qualitätsmanagement.

Was hinter den Kulissen bei der MTS Group passiert, kann sich Ottonormal-Autofahrer kaum vorstellen. Aber er profitiert davon, dass das Unternehmen bei der Digitalisierung der Lieferkette einen Gang hochgeschalten hat – sein Wunschprodukt steht immer im Regal zum Verkauf.