Mehr Durchblick im Lager

Wer Daten integriert, verwandelt Unsicherheit in planbare Prozesse - und gewinnt damit die Handlungsfähigkeit zurück.
Wer Daten integriert, verwandelt Unsicherheit in planbare Prozesse – und gewinnt damit die Handlungsfähigkeit zurück.InterSystems/leungchopan – stock.adobe.com

Steigende Energie- und Rohstoffpreise, anhaltende Lieferengpässe und schwankende Nachfrage: Die Lagerlogistik steht heute unter massivem Druck. Gleichzeitig wächst die Artikelvielfalt, während Kunden kurze Lieferzeiten erwarten. Unternehmen müssen daher Kosten senken und zugleich flexibel auf Veränderungen reagieren. Gerade im Lager zeigt sich dabei: Wer Prozesse nur „auf Sicht“ steuert, stößt schnell an Grenzen. Bestände sind dann entweder zu hoch oder nicht ausreichend, und die Reaktionsfähigkeit leidet.

Daten als Gamechanger der Intralogistik

Viele Warehouse-Management-Systeme (WMS) erfüllen zwar zuverlässig ihre Kernaufgabe: Bestände im Lager präzise zu erfassen und Standardprozesse zu steuern. Doch ihr Blickwinkel bleibt meist auf das eigene Lager beschränkt. Informationen aus vorgelagerten Lieferprozessen, IoT-Sensoren oder ERP-Systemen fließen selten nahtlos zusammen. Das zeigt etwa das Beispiel eines Lebensmittelhändlers. Dieser plant, frische Ware ins Lager einzusteuern. Das WMS weiß zwar genau, wie viele Kisten Obst aktuell im Regal stehen – aber nicht, dass sich die Lieferung vom Lieferanten durch einen Stau verspätet. Auch die Information aus den IoT-Sensoren, dass die Kühlkette unterbrochen war, erreicht das System nicht. Im ERP wiederum ist bereits die nächste Werbeaktion verbucht, die die Nachfrage zusätzlich in die Höhe treiben wird. Weil diese Daten nicht zusammenfließen, wird der Engpass im Lager erst erkannt, wenn die Regale leer bleiben – und wenn ein wirksames Gegensteuern nicht mehr möglich ist. Die Datensilos sorgen dafür, dass Fehlbestände, Überbestände oder Verzögerungen häufig erst sichtbar werden, wenn es bereits zu spät ist. Manuelle Korrekturen kosten Zeit, sind aufwändig und erhöhen die Fehleranfälligkeit.

Spar Österreich: Mit Daten zu mehr Transparenz und Effizienz

Wie sich diese Hürden überwinden lassen, zeigt ein Blick nach Österreich. Die Handelskette Spar hat auf Basis der Datenplattform von Intersystems ein System entwickelt, das weit über die Möglichkeiten eines klassischen WMS hinausgeht. Ziel war es, Filialleitern mehr Transparenz und Kontrolle über ihre Bestände zu geben – und das in Echtzeit.

Vor der Einführung standen die Filialleitungen oft vor denselben Problemen wie viele Handelsunternehmen: Bestände waren ungenau, Nachbestellungen mussten manuell abgestimmt werden, und Abweichungen wurden häufig erst dann erkannt, wenn Kunden ein Produkt nicht im Regal fanden. Das führte zu unnötig hohen Lagerbeständen, die Kapital banden.

Das neue System führt Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen: ERP-Daten, Logistikprozesse und Informationen zu Warenflüssen werden auf einer einheitlichen Plattform verfügbar gemacht. So können die Verantwortlichen in den Märkten jederzeit nachvollziehen, welche Bestände vorhanden sind, welche Waren nachbestellt wurden und wann Lieferungen eintreffen.

Der wirtschaftliche Nutzen ist erheblich. Dank der Echtzeit-Transparenz konnte die Genauigkeit der Bestandsdaten signifikant verbessert werden. Das wiederum reduziert Fehlmengen und Überbestände, mit direkten Auswirkungen auf Umsatz und Kosten. Weniger Überbestände bedeuten auch weniger gebundenes Kapital. Dieses Geld bleibt verfügbar für Investitionen in neue Technologien, den Ausbau von Services oder die Stärkung der Lieferketten. So trägt eine präzisere Bestandsführung direkt zur finanziellen Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens bei. Gleichzeitig verbessert sich die Lieferfähigkeit gegenüber den Kunden, da die richtigen Produkte zur richtigen Zeit verfügbar sind. Ein zusätzlicher Effekt: Filialleitungen gewinnen Zeit, die sie statt in manuelle Abstimmungen stärker in die Betreuung ihrer Teams und Kundschaft investieren können. Spar steigert so nicht nur die Prozesseffizienz, sondern auch die Servicequalität im Markt.

Von der Insel zur integrierten Sicht

Das Unternehmensbeispiel verdeutlicht, dass die reine Optimierung im Lager nicht ausreicht. Erst wenn WMS-Daten mit ERP-, IoT- und Lieferantensysteme integriert werden, entsteht ein Gesamtbild, das für vorausschauende Planung und Steuerung unerlässlich ist. Moderne Datenplattformen fungieren hier als Bindeglied: Sie brechen Silos auf, harmonisieren Informationen und machen sie in Echtzeit nutzbar. Die Kombination aus WMS und einer übergeordneten Datenplattform ermöglicht so eine ganzheitlichere Sicht auf Lagerprozesse.

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